Do., 08.03.2018

Gebäude für bis zu 13.000 Mäuse Neuer Tierstall entfacht alten Streit

Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin einer Forschungseinrichtung hält eine Maus in der Hand. Vor allem an den Nagetieren, aber auch an Zebrafischen forschen die Wissenschaftler der Universität in Münster.

Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin einer Forschungseinrichtung hält eine Maus in der Hand. Vor allem an den Nagetieren, aber auch an Zebrafischen forschen die Wissenschaftler der Universität in Münster. Foto: dpa

Münster - 

Ein Stall für 13.000 Mäuse: An einem neuen Gebäude der Medizinischen Fakultät der Uni Münster hat sich ein alter Streit entzündet: der für oder wider Tierversuche.

Von Markus Kampmann

Dr. Thomas Bauer hat am Donnerstag viel zu tun. Den Pressereferenten der Medizinischen Fakultät erreichen Anfragen von Journalisten aus weiten Teilen der Bundesrepublik. Denn ein Projekt der münsterischen Universität ist nach einem Medienbericht in die Schlagzeilen geraten: der Neubau eines Tierstalls für Versuchstiere. Der Zeitpunkt allerdings irritiert Bauer. „Das ist nichts Neues“, betont er.

Tatsächlich sei der Neubau des Tierstalls auf dem Gelände des Universitätsklinikums nur ein Baustein im „Masterplan Universitätsmedizin 2025“  ( wir berichteten). Der sieht laut Bauer vor, Bereiche, die historisch gewachsen seien, neu zu strukturieren und zu optimieren. Dazu gehöre die Sanierung der Bettentürme ebenso wie der Neubau des Versorgungszentrums. „Und ein Bestandteil ist eben auch, die derzeit eher dezentrale Tierhaltung stärker zu zentralisieren“, sagt Bauer.

Fotostrecke: Tierversuche an der Uni Münster

Baubeginn bereits vor zwei Jahren

Baubeginn für den neuen Tierstall sei bereits vor über zwei Jahren gewesen. Im Sommer soll er fertiggestellt sein und dann zur Haltung von bis zu rund 13.000 Mäusen dienen. „Es werden drei bisherige Tierställe, die zum Teil schon 20 Jahre oder älter sind, zu einem großen zusammengeführt“, erklärt der Pressereferent. Dadurch ergäben sich einerseits Vorteile für die Einhaltung hygienischer Standards, andererseits Effizienzvorteile. 13,86 Millionen Euro koste der Bau, der vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert werde – wie es bei universitären Bauprojekten üblich sei.

Kritik vom Verein „Ärzte gegen Tierversuche“

Die Finanzierung durch die öffentliche Hand aber stößt beim bundesweit tätigen Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ auf harsche Kritik. Er schrieb am Donnerstag in einer Pressemitteilung von einer „skandalösen Verschwendung von Steuergeldern“. „Wir haben bessere Methoden als Tierversuche“, meint der Vereinsgeschäftsführer Claus Kronaus. Weltweit boome heute die tierversuchsfreie Forschung, „nur wir in Deutschland dümpeln da herum“. Weniger als ein Prozent der öffentlichen Mittel fließen laut Kronaus in Deutschland jährlich in die tierversuchsfreie Forschung, über 99 Prozent in die mit Tierversuchen. Letztere ist nach Ansicht des Vereins weder ethisch vertretbar noch wissenschaftlich zukunftsträchtig, da die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar seien. „Wir müssen den Blick auf das lenken, was heute möglich ist“, fordert Kronaus.

Hürden für Tierversuche hoch

Bauer hält bei diesem „alten Streit“ dagegen: Zwar seien einige Wissenschaftler der Meinung, Forschung könne ohne Tierversuche auskommen, aber: „Unsere Wissenschaftler – und das ist die Mehrheitsmeinung nicht nur in Deutschland – sagen, sie kann nicht.“ Sonst gäbe es gar keine Tierversuche mehr, denn die Hürden dafür seien hoch. Er verweist beispielsweise auf das ethische Leitbild für den Umgang mit Tieren in der Wissenschaft, das die Universität – wie berichtet – im Herbst nach jahrelanger Diskussion verabschiedet hat.



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