Do., 08.03.2018

„Überfluss des Nichts“ im Pumpenhaus Fidel Castro im Körper

Maura Morales wird weltweit zu renommierten Tanzfestivals eingeladen und gastiert am Wochenende im Pumpenhaus.

Maura Morales wird weltweit zu renommierten Tanzfestivals eingeladen und gastiert am Wochenende im Pumpenhaus. Foto: Maike Helbig

Münster - 

Die Tänzerin und Choreographin Maura Morales setzt sich im Solo „Exceso De La Nada – Überfluss des Nichts“ mit ihrer kubanischen Herkunft auseinander. Das Stück, das zwischen Liebeserklärung und Abrechnung changiert, legt dabei nicht zuletzt die Widersprüche eines westlichen Blicks auf den sozialistischen Inselstaat offen.

„Mit sechs Jahren habe ich gelernt zu tanzen, mit zehn Jahren, wie man eine Kalaschnikow benutzt und mit 18 Jahren, dass die Geschichte meines Landes eine Lüge war“, schreibt Maura Morales über den Impuls zu ihrem Solo „Exceso de la Nada – Überfluss des Nichts“. Das autobiografisch befeuerte Stück – das die Choregraphin zusammen mit ihrem langjährigen künstlerischen Partner, dem Komponisten Michio Woirgardt entwickelt hat – blickt hinter die Kulissen und Klischees, die gemeinhin den Blick auf Kuba verstellen. Zu eindringlichen Live-Samplings spürt die Gründerin der Cooperativa Maura Morales den eigenen Wurzeln nach und hinterfragt den der Prägungen: „Mein Kopf hat viele Dinge schon vergessen, aber mein Körper erinnert sich an alles“, so Morales.

Entstanden ist ein Tanzsolo über das Schwimmen auf dem Trockenen und gegen die Strömung eines fotogenen Landes, das zu Lachen scheint, auch wenn es eigentlich weint. Eine Ballade über die Ausbeutungsgeschichte einer Insel, die westliche Touristen gerne im ach so authentischen Zustand besuchen möchten, „bevor sich etwas ändert“ – während viele Kubaner vor genau diesen Verhältnissen am liebsten fliehen wollen. „’Niemand kommt von hier weg’, schreiben Maura Morales und Michio Woirgardt ins Programmheft, und damit dürften sie weit mehr gemeint haben als die Unmöglichkeit, das alles umgebende Wasser zu überwinden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Tänzer-Choreographin hat ihre Gruppe 2010 in Düsseldorf gegründet. Viel Beachtung fand etwa Morales’ freie Interpretation des Franz-Xaver-Kroetz-Monologs „Wunschkonzert“, die auch im Pumpenhaus zu sehen war („Ein eigenwilliges, bezwingendes Tanzstück“, WN). Ebenfalls gefeiert wurde 2015 ihre fulminante Adaption des düsteren Romans „Stadt der Blinden“ von Jose Saramago.

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Vorstellungen sind am Samstag und Sonntag (10. und 11. März) um 20 Uhr im Pumpenhaus. Karten (14 / 9 Euro): ' 23 34 43 oder pumpenhaus.de



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