Mi., 23.05.2018

Pro und Contra Sind Fahrradfahrer in Münster zu rücksichtslos?

Pro und Contra: Sind Fahrradfahrer in Münster zu rücksichtslos?

Verhalten sich Radfahrer in Münster zu rücksichtslos? Foto: Oliver Werner

Münster - 

Die Fahrradfahrer in Münster werden immer rücksichtsloser – dieser Vorwurf wird in der Fahrradstadt sehr häufig geäußert. Aber stimmt das auch? In unserer Lokalredaktion gehen die Meinungen auseinander.

Von Kay Böckling und Anna Spliethoff

Pro: Wo bleibt die Einsicht?

Alle Radfahrer über einen Kamm zu scheren, wäre ein wenig zu kurz gegriffen und würde denjenigen, die sich an die Straßenverkehrsordnung halten, sicher nicht gerecht. Aber eines ist ja wohl unbestritten: Münster ist mit Sicherheit eine der Städte, in denen sich Radfahrer so viel herausnehmen wie nirgends sonst. Das unterstreicht die jüngst veröffentlichte Unfallstatistik: An jedem fünften schwerwiegenden Verkehrsunfall ist ein Radfahrer beteiligt. Ja: Nicht immer hat der Radler Schuld – aber eben auch nicht immer nur die Gegenseite.

Man muss sich nur einmal den Spaß machen, sich für eine Stunde an den Ludgeri-Kreisel zu stellen. Die Anzahl der Pedalritter, die – irrsinnigerweise – den inneren Ring im Zickzack befahren, ist enorm. Macht man als Autofahrer dann noch auf das falsche und mitunter auch gefährliche Verhalten aufmerksam, erntet man als Kommentar nicht selten den ausgestreckten Mittelfinger.

Von den vielen unbeleuchteten Nachtfahrten einiger Radfahrer einmal ganz zu schweigen. Bei vielen fehlt schlicht die Einsicht, getreu dem Motto: „Die anderen stoppen schon.“

Kay Böckling


Contra: Fehler verzeihen

Zugegeben: So mancher Leezenritter weiß sich auf Münsters Straßen einfach nicht zu benehmen. Fahrradstadt hin oder her – Rücksicht muss sein. Aber das trifft ganz offensichtlich nicht nur auf Fahrradfahrer zu. Die Zahl der Autofahrer, die schnell noch abbiegen, obwohl ein Radfahrer kommt, oder noch mal das Gaspedal durchtreten, wenn die Ampel auf Gelb springt, ist vermutlich mindestens genauso hoch.

Rücksicht bedarf natürlich der Regeln – und dass man sich an diese hält, egal ob man mit zwei, vier oder ganz ohne Räder unterwegs ist. Rücksicht heißt aber auch, dass man Fehler verzeiht. Es kann sich wohl kaum ein Radfahrer davon freisprechen, mal ohne Handzeichen abgebogen zu sein oder mit defektem Rücklicht die Heimfahrt angetreten zu haben.

Fehlende Rücksichtslosigkeit ist ganz sicher kein reines Münster-Problem – und auch keines, das sich nur auf den Straßenverkehr bezieht. Vielmehr bleiben einzelne Drängler oder Über-Rot-Fahrer den Menschen deutlich besser in Erinnerung als die Zehntausende Radler, die in Münster vorschriftsmäßig und vor allem rücksichtsvoll unterwegs sind.

Anna Spliethoff

 

 



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