Mo., 12.03.2018

Prozessauftakt vor dem Landgericht Ehemaliger Professor räumt 200 Urkundenfälschungen ein

Prozessauftakt vor dem Landgericht: Ehemaliger Professor räumt 200 Urkundenfälschungen ein

Foto: dpa (Symbolbild)

Münster - 

Mit den Namen seines Schwiegervaters sowie seines Doktorvaters fälschte der Mediziner des UKM jahrelang Reisekostenabrechnungen und ergaunerte so einen sechsstelligen Betrag.

Von Björn Meyer

Vor dem Landgericht ist am Montagmorgen der Prozess gegen einen 63-jährigen Mediziner eröffnet worden, dem die Staatsanwaltschaft Urkundenfälschung in rund 200 Fällen vorwirft. Der ehemalige Universitätsprofessor und Facharzt am UKM räumte gleich zu Beginn der Verhandlung sämtliche ihm vorgeworfene Taten ein.

Rund 100.000 Euro erschlichen

Diese liegen schon einige Zeit zurück. Zwischen 2005 und 2008 hatte sich der Mediziner demnach Berater- und Referentenverträge ohne Wissen der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) selbst genehmigt. Zudem hatte er laut Anklage regelmäßig Reisekosten aus dem ihm zur Verfügung stehenden Drittmitteln abgerechnet, wobei die jeweiligen Fahrten nie stattgefunden hatten. Dafür hatte er sowohl seinen damaligen Schwiegervater, Professor im europäischen Ausland, als auch seinen Doktorvater als Begleiter medizinischer Transporte angegeben. Rund 100.000 Euro soll er sich alleine dadurch erschlichen haben.

Etwas „zu Kopf gestiegen“

Die beiden Genannten hätten nichts von seinen Machenschaften gewusst, machte der Angeklagte vor Gericht deutlich. Als Motiv für seine Taten führte er an, dass die Drittmittel durch ihn und seine Arbeit eingeworben worden seien. Mittel aus öffentlicher Hand habe er dagegen stets ordnungsgemäß behandelt. Im Nachhinein müsse er natürlich sagen, dass ihm da etwas „zu Kopf gestiegen“ sei. Auf den Einwand des Richters, dass auch die Drittmittel juristisch Gelder der Uni und damit ebenfalls aus öffentlicher Hand seien, entgegnete der Angeklagte: „Aber gefühlt war es mein Geld.“ Allerdings, so der Mediziner, sei ihm damals bereits klar gewesen, dass sein Tun nicht in Ordnung gewesen sei: „Wenn ich die Chance hätte, würde ich es anders machen.“

Einige Jahre nicht als Arzt praktiziert

Er beschrieb zudem, dass in Folge seiner Verfehlungen er nicht nur seine Anstellung und damit auch seinen Status als Beamter, sondern auch seine Ehefrau verloren habe. „Sie hat mir vorgeworfen, dass ich ihren Vater instrumentalisiert habe. Das konnte Sie mir nicht verzeihen“, so der Angeklagte. Zudem habe er einige Jahre nicht als Arzt praktiziert, mittlerweile habe er jedoch mit zwei Kollegen eine Praxis in Hessen eröffnet.

Prozess wird fortgesetzt

Unklar blieb am Montag dagegen, warum der Mann zwar seine Steuerschulden voll bezahlt habe, er der Universität aber nur 52.000 Euro habe überweisen müssen, obwohl er rund das Doppelte an Schaden verursacht habe, hakte der Richter in dieser Angelegenheit mehrfach nach. Denn, so der Prozessvorsitzende: „Verbrechen darf sich nicht lohnen.“

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.



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