Mo., 12.03.2018

Chapeau Classique im Erbdrostenhof mit Manaev und Dranchuk Romeo und Julia frenetisch gefeiert

Anastassiya Dranchuk und Konstantin Manaev spielen Werke zum Thema „Romeo und Julia“.

Anastassiya Dranchuk und Konstantin Manaev spielen Werke zum Thema „Romeo und Julia“. Foto: Christoph Schulte im Walde

Münster - 

Es gibt Schöneres als Mord und Totschlag im Konzertsaal. Aber ohne Shakespeares grausame Tragödie von „Romeo und Julia“ wäre die Musikgeschichte um so manches packende Stück Musik ärmer.

Von Chr. Schulte im Walde

Es gibt Schöneres als Mord und Totschlag im Konzertsaal. Aber ohne Shakespeares grausame Tragödie von „Romeo und Julia“ wäre die Musikgeschichte um so manches packende Stück Musik ärmer. Immerhin hat die bitterböse Fehde zwischen den Montagues und den Capulets Generationen von Komponisten inspiriert. Und Musiker wie Konstantin Manaev und Anastassiya Dranchuk nicht weniger. Dem tragischen Liebespaar nämlich widmeten sie ihr Konzertprogramm am Sonntag im Erbdrostenhof, mit dem die GWK ihre Reihe namens „Chapeau classique“ fortsetzte.

Manaev auf dem Cello, Dranchuk auf dem Bösendorfer-Flügel: Das geriet zu einem atemberaubenden Ereignis. Auch wenn die beiden nicht mehr blutjung sind – wild waren sie allemal, warfen sich mit all ihrer physischen wie mentalen Kraft hinein in das brodelnde Getümmel, wie Sergej Prokofjew es in seinen sinfonischen Suiten entworfen hat. In der „Intimbesetzung“ Cello/Klavier verlor die Szenerie nichts an Dramatik. Im Gegenteil: Der Klavierpart geriet zu einem pianistischen Schlachtross, das zu reiten Anastassiya Dranchuk sich nicht lange bitten ließ. Ohne jede Sorge, sie hätte Manaevs Cello-Ton zudecken können. Denn dieser war schlichtweg intensiv und groß – purer raumgreifender Klang, der aber auch die mitunter zarten Phrasen aus Leonard Bernsteins „Messe“ präsent machte, der die stille Klage von „Romeo und Julia in Sarajevo“ herzzerreißend anstimmte. Der Australier Gordon Hamilton (Jahrgang 1985) hat die wahre Geschichte aus dem kriegsgeschüttelten Sarajevo der 1990er Jahre in Klänge umgesetzt, die sich im konventionellen Dur-Moll-Schema bewegen, dabei immer genau wissen, von welcher Tragödie sie erzählen: Ein Liebespaar wurde auf der Flucht auf einer Brücke von einem Scharfschützen erschossen.

Tschaikowskys Orchesterfantasie war dann wieder ganz nah bei Shakespeare und das Duo Manaev/Dranchuk mit ihm. Unmögliche Liebe, erbitterte Feindschaft – die Welten, die dazwischen liegen, wirkten wie ein eben erst mit großer Geste gemaltes Fresko. Um den Preis dessen, dass hier und da auch mal eine Note intonationsmäßig leicht verrutschte. Aber was spielte das hier schon für eine Rolle?

Das Publikum reagierte mit frenetischem Beifall, auch nach den Zugaben: erst Bernstein („West Side Story“ – wie passend!), dann eine volle Ladung Paganini-Akrobatik. Die kommt immer an, garantiert.



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