Mo., 12.03.2018

Eröffnung der Wochen gegen Rassismus Internet wirkt wie ein Verstärker

Die Moderatorin Karin Wejdling (l.) begrüßte unter anderen Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson und die Festrednerin Kübra Gümüsay (erste Reihe, 3. und 4.v.r.) im Festsaal des Rathauses.

Die Moderatorin Karin Wejdling (l.) begrüßte unter anderen Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson und die Festrednerin Kübra Gümüsay (erste Reihe, 3. und 4.v.r.) im Festsaal des Rathauses. Foto: Oliver Werner

Münster - 

„Der Hass im Internet ist der Vorbote dessen, was uns in Zukunft erwartet.“ Nein, die Hamburger Journalistin Kübra Gümüsay „schonte“ ihr Publikum nicht, als sie am Montagabend aus Anlass der Wochen gegen den Rassismus im münsterischen Rathaus über „Hate speech“ sprach.

Von Klaus Baumeister

Sehr drastisch veranschaulichte sie, wie sehr es Rechtspopulisten in Deutschland bereits geschafft hätten, auf die Wahrnehmung breiter Bevölkerungskreise Einfluss zu nehmen, indem sie mit einem hohen organisatorischen Grad viele „Kommentarspalten“ im Internet belegten.

Medien reagieren auf Provokationen

Ganz abgesehen davon würden die Medien auf viele Provokationen, beispielsweise der AfD, sofort reagieren und damit die Wirkung der Provokation nur noch verstärken.

Als etwa der AfD-Chef Alexander Gauland den dunkelhäutigen Fußballer Jerome Boateng beleidigte („Die Leute wollen einen Boateng nicht als Nachbar haben“), hätten doch tatsächlich Journalisten in dessen Nachbarschaft nachgefragt, ob Boateng ein guter Nachbar sei. „Die Rechtspopulisten geben uns jeden Tag eine Hausaufgabe auf. Und wir erledigen sie brav.“

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Die Rechtspopulisten geben uns jeden Tag eine Hausaufgabe auf. Und wir erledigen sie brav.

Kübra Gümüsay

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Dass die von Islamisten und Rechtspopulisten gleichermaßen gestreute Mär von der Unvereinbarkeit von christlichen und muslimischen Traditionen wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wirken könne, machte die Muslima am Beispiel der Anschläge vom 11. September 2001 deutlich. Seitdem befänden sich Muslime in den westlichen Staaten in einer „permanenten Verteidigungshaltung“, was unter anderem dazu geführt habe, dass die innerislamische Reformdebatte komplett zum Erliegen gekommen sei.

"Gier nach Verurteilung"

Die ohnehin vorhandenen Spannungen würden durch die Allgegenwart des Internets und der dort anzutreffenden „Gier nach Verurteilung“ nur noch verstärkt.

Zum vierten Mal finden die Wochen gegen Rassismus statt, dieses Mal unter dem Leitwort „100 Prozent Menschenwürde“. Insgesamt 81 Veranstaltungen sind bis zum 25. März geplant.

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Der Ton ist rauer geworden, nicht nur an den Stammtischen, sondern auch in den Parlamenten.

Beate Vilhjalmsson

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Kritisch merkte Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson in ihrem Grußwort an, dass eine „gute Gesprächskultur“ dringender denn je erforderlich sei: „Der Ton ist rauer geworden, nicht nur an den Stammtischen, sondern auch in den Parlamenten.“



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