Flüchtlingsprojekt von Stadt, Land und Stiftung
Jugendliche Flüchtlinge: Endlich in Münster angekommen

Münster -

Die Jugendlichen lassen alles zurück, wenn sie ihre Heimat verlassen und nach Deutschland fliehen. Damit es vor allem mit der Sprache und in der Berufsschule klappt, gibt es in Münster seit 2016 ein besonderes Projekt.

Donnerstag, 15.03.2018, 10:00 Uhr aktualisiert: 15.03.2018, 10:09 Uhr
Der 17-jährige Mahdi ist durch das Projekt gut in Münster angekommen. Noch immer nimmt er an den Aktionen teil, wenn auch nicht mehr so regelmäßig: Der Afghane macht jetzt eine Ausbildung.
Der 17-jährige Mahdi ist durch das Projekt gut in Münster angekommen. Noch immer nimmt er an den Aktionen teil, wenn auch nicht mehr so regelmäßig: Der Afghane macht jetzt eine Ausbildung. Foto: f

Nach ein paar Minuten stehen auf dem Blatt schon fünf Sätze. Sofort hat Mahdi zu einem Stift gegriffen. Aber der 17-Jährige muss nicht nachsitzen. Er schreibt freiwillig. Am Ende soll – mit den Texten anderer Flüchtlinge – ein Buch entstehen. Der Afghane lebt seit zwei Jahren in Deutschland. Mit seinem Bruder ist er vor dem Krieg geflohen.

17-Jähriger Mahdi hat neue Heimat gefunden

In Münster hat der 17-Jährige eine neue Heimat gefunden. Möglich wurde das unter anderem durch das Projekt „Angekommen in deiner Stadt“. „Ich finde, es ist wirklich der Hammer, was hier gemacht wird“, sagt Mahdi. Annette van Bebber und Andjela Rakowski sind in Münster für das Projekt zuständig. Auch Kursleiterin Martina Ward ist seit Beginn im April 2016 dabei.

Ich finde, es ist wirklich der Hammer, was hier gemacht wird.

Mahdi (17), Flüchtling aus Afghanistan

„Die Räume waren noch nicht fertig und es gab kein abschließendes Konzept“, erinnert sich van Bebber. Im Herbst 2016 gab es die ersten Sprachkursen. Das Projekt basiert auf der Kooperation mit allen sechs städtischen Berufskollegs, betreut werden die Schüler der internationalen Förderklassen. „Wir haben die Schüler gefragt, was sie brauchen“, sagt van Bebber.

Das Projekt

Das Projekt „Angekommen in deiner Stadt Münster“ ist eine Kooperation der Walter Blüchert Stiftung, der Stadt und des NRW-Ministeriums für Schule und Bildung. Jugendliche Zugewanderte sollen besonders gefördert werden. Das Projekt ist in Münster bis Ende Januar 2019 befristet, eine Verlängerung wird im Sommer verhandelt. „Angekommen“ gibt es auch in Dortmund, Recklinghausen, Essen und Bielefeld.

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Ergebnis war „Münsters internationaler Treffpunkt“, kurz „MiT“. Am Anfang habe man zu viel Programm angeboten, erinnert sich Rakowski: „Gewünscht ist es, hier anzukommen. Und das geht nur über Sprache.“ Doch neben Sprachkursen bekommen die Jugendlichen auch Hilfe bei der Suche einer Wohnung oder einer Lehrstelle. Auch Sport und Kultur werden geboten, sagt van Bebber: „Manchmal gehen wir ins Theater oder fahren auf der Werse Kanu.“

Sprachkurse - und vor allem Integration

Nach gut einem Jahr wurde klar: Nur Kurse im „MiT“ in den Räumen des Jugendausbildungszentrums an der Kinderhauser Straße anzubieten reicht nicht. „Die Flüchtlinge wollen deutsche Jugendliche kennenlernen“, sagt van Bebber. Das ist laut Rakowski auch das Ziel: „Wir möchten die Jugendlichen in die Stadtgesellschaft bringen.“

Vor allem hier kam Martina Ward ins Spiel. Das erste Projekt realisierte sie nur mit Flüchtlingen: „Sie haben Logbücher geschrieben.“ Die Jugendlichen sollten aufschreiben, wo sie herkommen und welche Wünsche sie für die Zukunft haben. „Es ist ein bisschen wie ein Tagebuch“, sagt Ward. Auch Fotos und Erinnerungsstücke sind in den Büchern.

Kooperation mit Geschwister-Scholl-Gymnasium

„Vor einem Jahr hat sich eine Kooperation mit dem Geschwister-Scholl-Gymnasium ergeben“, so Ward. Nach dem Kunstprojekt „Unter die Haut“, das verfilmt und im Cinema gezeigt wurde, gab es ein Projekt, bei dem die Jugendlichen ihre Heimat vorgestellt haben.

Das dritte Projekt ist gerade gestartet. „Wieder geht es ums Erzählen und um das Schreiben“, sagt Kursleiterin Martina Ward. Dieses Mal können die Geschichten auch erfunden sein. „Am Ende soll ein Buch stehen“, so die Kursleiterin.

Ich kann nicht mehr jede Woche kommen, weil ich jetzt eine Ausbildung mache.

Mahdi (17), Flüchtling aus Afghanistan

Auch Mahdi ist wieder dabei. „Ich kann aber nicht mehr jede Woche kommen“, sagt er. Der 17-Jährige macht eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker. „Das ist anstrengend und auch schwierig“, gibt Mahdi zu. „Aber es macht viel Spaß.“

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