Kabarettist Florian Schroeder
„Merkel und Trump laufen immer“

Münster -

Am 23. März ist Kabarettist Florian Schroeder zu Gast in Münster. Im Interview mit unserer Zeitung erzählt er, was ihn an Facebook stört und wie sich das Kabarett-Publikum in letzter Zeit verändert hat.

Donnerstag, 15.03.2018, 08:00 Uhr aktualisiert: 15.03.2018, 08:40 Uhr
Kabarettist Florian Schroeder kommt am 23. März nach Münster.
Kabarettist Florian Schroeder kommt am 23. März nach Münster. Foto: PR

Florian Schroeder ist Kabarettist, Buchautor und Kolumnist des Magazins „Psychologie heute“. Bereits während seines Studiums in Freiburg stand er als Kabarettist und Parodist auf der Bühne. Mittlerweile ist der Wahl-Berliner Dauergast im Fernsehen. Am 23. März wird er sein neues Programm „Ausnahmezustand“ in Münster präsentieren. Mit Schröder sprach unser Redakteur Martin Kalitschke.

„Die Bösen produzieren zu viel CO2, die Guten tragen Uhren, die ihnen sagen, wie viele Schritte sie heute noch machen müssen.“ Das ist von Ihnen. Sind Sie eigentlich ein Guter oder ein Böser?

Schroeder: Wenn ich das so genau wüsste. Als Kabarettist bin ich hoffentlich in einem gesunden Maß so böse, dass ich in den Menschen ein Lachen hervorrufen kann. Das Problem ist, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse heute immer mehr verschwimmen – und einfache Antworten verlockender werden. Doch die sind immer falsch.

23. März, 20 Uhr, Bürgerhaus Kinderhaus, Idenbrockplatz 5.

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Gut und Böse prallen besonders plakativ bei sozialen Netzwerken aufeinander. Sind Sie bei Facebook?

Schroeder: Genau über dieses Thema rede ich unter anderem in meinem Programm. Ja, ich bin bei Facebook, das ist ein großartiger Kanal, um Inhalte zu verbreiten, die mir wichtig sind. Aber klar, Facebook ist auch der Ort der Lügen und des Hasses. Ich habe mir da mittlerweile ein dickes Fell zugelegt. Ich bin ziemlich tolerant, aber wenn es rassistisch oder beleidigend wird, dann sperre ich auch User.

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Was die Betroffenen gerne als Schlag gegen die Meinungsfreiheit interpretieren.

Schroeder: Was es nicht sein kann, da ich kein Staat bin. Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen staatlicher Zensur und einer redaktionellen Entscheidung wie dieser. Im Übrigen: Ich lade mir ja auch niemanden nach Hause ein, der mir aufs Sofa kotzt – wohl aber Menschen, mit denen ich gut diskutieren kann.

Hat sich das Kabarett-Publikum in Zeiten von sozialen Medien verändert?

Schroeder: Es ist glücklicherweise größer geworden. Und jünger. Als ich anfing, kamen fast nur Ältere. Die kommen auch weiterhin, was ich toll finde. Jetzt sitzen auch 30- bis 40-Jährige im Publikum, was für einen 38-jährigen wie mich nicht ganz unwichtig ist. Und ich habe den Eindruck, dass sich das Publikum heute mehr auf die Gedanken einlässt. Früher war es wichtig, dass Kabarett vor allem lustig ist. Heute gibt es auch eine Sehnsucht nach Orientierung, mit der man als Komiker verantwortungsvoll umgehen muss.

Wie anspruchsvoll ist das Kabarett-Publikum?

Schroeder: Es muss nicht die Seite 3 der Süddeutschen Zeitung gelesen haben, um meinem Programm zu folgen. Wer allerdings nicht die Themen der Tagesschau kennt, der wird es wohl etwas schwerer haben.

Sie als Kabarettist müssen damit immer am Ball bleiben.

Schroeder: Ja, da gehört viel Vorbereitung dazu, Zeitungen lesen, sich mit Themen beschäftigen, überlegen, wie meine Haltung zu einem Thema aussieht.

Treten Sie deshalb nur bei den Öffentlich-Rechtlichen auf?

Schroeder: Ja. Sobald man bei den Privaten auftritt, ist es gut möglich, dass der Redakteur kommt und sagt: Den Teil mit dem Heiko Maas kannst Du weglassen, den kennen unsere Zuschauer sowieso nicht. Bei den Öffentlich-Rechtlichen habe ich hingegen alle Möglichkeiten.

Themen gibt es ja im Moment genug. Zum Beispiel die gerade beendete Regierungsbildung.

Schroeder: Ja, das war für mich ein Quell steter Freude.

Wie läuft gerade im Kabarett die Kanzlerin?

Schroeder: Die geht nach wie vor sehr gut, auch wenn sie sich in den vergangenen Wochen eher versteckt hat.

Was ist mit Donald Trump?

Schroeder: Läuft immer, so lange man keine tumben Trump-Frisurenwitze macht. Aktuell zettelt er ja einen Handelskrieg an, der ist natürlich sofort bei mir Thema. Drei Entlassungen an einem Tag wie diese Woche – das war Rekord. Ich hatte gehofft, er entlässt sich auch gleich selbst.

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Wie sieht es mit unserem neuen Außenminister aus? Heiko Maas wirkt auf den ersten Blick nicht wie eine Kabarett-Zielscheibe.

Schroeder: Das hängt ja oft nicht von Äußerlichkeiten oder der Rhetorik ab, sondern von den Entscheidungen. Aber ja, mit dem Auswärtigen Amt ist es traditionell immer etwas komplizierter, weil es für den Minister nirgendwo so schwer ist, unbeliebt zu sein.

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