Mi., 14.03.2018

Produzentinnengalerie „SO-66“ feiert Zehnjähriges Faszinosum, Rätsel und Humor

Wie eine Metapher auf Liebe: Waltraud Kleinsteinberg zeigt im Schaufenster zwei Kippfiguren, die mit bleischwer verschlossenen Augen durchs Leben taumeln, sich einander nähern und unaufhaltsam auseinandergerissen werden, nur um sich wieder anzunähern. Neben Objekten sind auch Malerei wie „Gesicht mit Händen“ von Kirsten Linneweber oder Fotografien wie Anke Gollubs „rocküber“ zu sehen.

Wie eine Metapher auf Liebe: Waltraud Kleinsteinberg zeigt im Schaufenster zwei Kippfiguren, die mit bleischwer verschlossenen Augen durchs Leben taumeln, sich einander nähern und unaufhaltsam auseinandergerissen werden, nur um sich wieder anzunähern. Neben Objekten sind auch Malerei wie „Gesicht mit Händen“ von Kirsten Linneweber oder Fotografien wie Anke Gollubs „rocküber“ zu sehen. Foto: Gerhard H. Kock

Münster - 

Die „Produzentengalerie SO-66“ müsste den Ehrentitel Produktiv- und Kreativ-Galerie erhalten. Seit der Gründung vor zehn Jahren fanden 75 Ausstellungen mit einer außergewöhnlichen Bandbreite statt. Jetzt haben die zehn Künstlerinnen (sechs Gründerinnen sind nach wie vor dabei) alle Gäste eingeladen, die in der Dekade ausgestellt haben. „Blind date“ heißt die Jubiläumsausstellung in dem ungewöhnlichen Ort.

Von Gerhard H. Kock

„Tante Emma“-Laden, Schuster-Werkstatt, Lagerraum für Bau-Material – der schmale Schlauch hat viel gesehen bis er zum Atelier von Ulrike Vetter wurde. Sie zog just zum Hawerkamp um, als im „Künstlerinnenforum Münsterland“ die Idee zu einer Produzentengalerie aufkam. Im Mail 2007 wurde sie von zehn Frauen aus der Taufe gehoben – ein Novum nicht nur in Münster. Weil die Künstlerinnen 2017 mit reger Ausstellungstätigkeit beschäftigt waren, kam es „erst“ jetzt zur großen Geburtstagsausstellung.

Fotostrecke: 10 Jahre Produzentengalerie SO-66

Mit Arbeiten der Betreiber der Galerie und der Gäste der vergangenen Jahre. Liane Sommer: „Die Künstler sind alle begeistert von dem Raum.“ Und Waltraud Kleinsteinberg ergänzt: „Und alle, die wir fragen konnten, haben zugesagt.“ Summa summarum sind bei der Jubiläumsausstellung 43 Künstler vertreten und zeigen eine sehr breite Vielfalt künstlerischer Positionen.

Unmittelbar faszinierend sind die tickenden „Jetzt“- Uhren von Stephan Us, die die Unfassbarkeit des Augenblicks sinnfällig werden lassen. Oder die nur haselnussgroßen Köpfe mit marmorner Maserung, die Gina Rohrsen aus Kastanienkernen geschnitzt hat. Rätsel geben Werke auf wie die drei Fotos von Anke Gollub, die eine Frau mit hochgewehtem Rock zeigt – ohne einen Hauch von Wind weit und breit. Oder von Thomas Gerhardt, dessen Fotomotiv erst spät das Knie mit dem Kohlblatt-Wickel als solches zu erkennen gibt.

In einer kritisch-amüsanten Popart-Collage lässt Leonie Hermann einen Herrn der Schöpfung sich räkeln, während eine Frau ihm schuftend den Rücken freihält, aber von der anderen Seite kommt schon ein Fußtritt ins Bild. Fast schmerzlich ambivalent ist das „Gesicht mit Händen“ von Kirsten Linneweber: eine Hand an der Wange, eine Hand wie zur Abwehr abgespreizt. Ist die Geborgenheit nur scheinbar, und hat die Gewalt schon zugeschlagen? Gertrudis Lux entdeckte den „Sonnentor“-Tee „Refugees Welcome“ und nutzt ihn samt Inhalt für eine Collage: Die Kräuter bilden ein Maschendraht-Muster, ein Stück Teebeutel wirkt wie ein Papierschiffchen.

Trotz der Hängung in alphabetischer Reihenfolge ergeben sich Bezüge. In Elisabeth Fellermanns „Berührungen“ blickt ein Mann dem Betrachter direkt ins Auge, schräg darunter lässt Claudia Fehmer in „Wein ist aus . . .“ eine Frau in einem verwaisten Lokal in der typischen Kellnerinnen-Haltung erstarren und ins Leere blicken. Bei Simone Jänke blicken sich Fisch und eine fischige Feenfrau freundlich bis hingebungsvoll in die Augen – er mit geschuppter Haut und sie mit ebensolchen Haaren; während der „Zaunkönig“ von Ulrike Lindken aus schuppig über- und aneinandergelegten, unzähligen Chinapapier-Schnipseln besteht.

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Die Vernissage ist am Sonntag (18. März) um 15 Uhr in der SO-66, Soester Straße 66. Die Ausstellung ist bis 29. April zu sehen. Samstag und Sonntag (15 bis 18 Uhr) sowie nach Vereinbarung: ' 0175 / 605 26 17.



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