Rat diskutiert über die „digitale Stadt“
„Wie ein Besuch im Technikmuseum“

Münster -

„Die Digitalisierung findet überall statt, nur nicht in der Stadtverwaltung Münster.“ Bei der Ratssitzung am Mittwoch teilte FDP-Mann Jörg Berens kräftig aus. Und bei der SPD wähnt man sich beim Blick in die Schul-Computerräume „im Technikmuseum“.

Freitag, 16.03.2018, 10:00 Uhr
Gleich sechs Ratsbeschlüsse zur „Digitalen Stadt Münster“ wurden am Mittwoch gefasst.
Gleich sechs Ratsbeschlüsse zur „Digitalen Stadt Münster“ wurden am Mittwoch gefasst.

Die Kritik des FDP-Ratsherrn Jörg Berens war so heftig, dass die Replik nicht ausbleiben konnte. „Die Digitalisierung findet überall statt, nur nicht in der Stadtverwaltung Münster.“

Auf diese Provokation reagierte der für die Organisation zuständige Dezernent Wolfgang Heuer in der Ratssitzung am Mittwochabend prompt. „Das Land NRW hat erst seit 1,5 Jahren ein E-Gouverment-Gesetz“, verwies er auf die sachlichen Zwänge im Behördenalltag. Es sei ein Leichtes, über veraltete Technik und umständliche Verfahren zu klagen. Die „Generalkritik“ sei in Teilen sicher berechtigt. Aber zur Wahrheit gehöre auch, dass eine Kommune Teil einer öffentlichen Verwaltung sei, die nüchtern festhalten müsse: „Der Gesetzgeber kommt in Teilen nicht vom Fleck.“

Sechs Ratsbeschlüsse

„Die Stadt hechelt hinterher, aber sie bleibt nicht stehen“, so brachte der GAL-Ratsherr Pascal Powroznik die Situation auf den Punkt. Und um eben dieses Voranschreiben zu dokumentieren, wurden einstimmig gleich sechs Ratsbeschlüsse zur „Digitalen Stadt Münster“ gefasst. Dabei ging es um das „virtuelle Rathaus“, um eine „Münster-App“, um die „Smart-City“ und vieles mehr.

Einmal in Fahrt, konnte Jörg Berens aber auch bei der Frage nach der Umsetzung das Sticheln nicht lassen, als er fragte, ob denn der städtische IT-Dienstleister der „richtige Partner“ sei.

Sofort gab es von allen Seiten Dankesworte für die Arbeit der Citeq, und Heuer fragte erregt in die Runde: „Zeigen Sie mir eine Stadt, in der es besser läuft als bei uns.“

Niemand widersprach ihm, die Schilderungen zahlreicher Ratsmitglieder indes legten den Schluss nahe, dass vieles unfreiwillig komisch wirkt. So verglich der SPD-Fraktionschefs Dr. Michael Jung die Besichtigung der Computerräume in der Schule mit einem „Besuch im Technikmuseum“.

Und Ratsherr Jens Heinemann deutete an, dass die Citeq beim Anwerben der besonders qualifizierten Fachkräfte durchaus Probleme habe.

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