Mo., 19.03.2018

Trinkwasserversorgung in Münster Der Dortmund-Ems-Kanal muss die Lücke schließen

Trinkwasserversorgung in Münster: Der Dortmund-Ems-Kanal muss die Lücke schließen

Als Schwimmbadersatz im Sommer ist der Dortmund-Ems-Kanal sehr beliebt. Aber kaum jemand weiß, dass auch das meiste Trinkwasser in Münster aus dem Kanal kommt. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Schon gewusst? 55 Prozent des Trinkwassers in Münster kommen aus dem Kanal, Tendenz steigend. Das ist nicht ganz ungefährlich, bemängeln Kritiker.

Von Klaus Baumeister

Die Diskussion über das jüngst vom Rat verabschiedete Wasserversorgungskonzept hat es zu Tage gebracht: Rund 55 Prozent des in Münster verbrauchten Trinkwassers stammen aus dem Dortmund-Ems-Kanal.

Damit nicht genug: Wenn die Bezirksregierung das Konzept absegnet und der Rat der Stadt demnächst den Stadtwerken das so genannte Dipol-Konzept genehmigt (von vier Wasserwerken bleiben nur zwei), dann steigt der Anteil des Kanalwassers noch weiter.

Auf Anfrage unserer Zeitung gibt der Stadtwerke-Pressesprecher Florian Adler einige Informationen zu diesem Verfahren, das nach seinen Informationen bereits seit 1919 eingesetzt wird.

Kanalwasser als „künstlicher Regen“ 

An drei Stellen im Stadtgebiet – Hiltrup, Geist und Gelmer – wird dem Kanal Wasser entnommen und dann als „künstlicher Regen“ dem Grundwasser hinzugefügt. „Etwa 50 Tage sickert es durch die Kiesschichten des Bodens, gleicht sich in Temperatur und Inhaltsstoffen dem natürlichen Grundwasser an und wird anschließend gemeinsam mit diesem zur Trinkwasseraufbereitung gefördert.“

Nicht nur die Stadtwerke Münster, sondern auch die Gelsenwasser AG und der Wasserverband Tecklenburg nehmen laut Adler Kanalwasser in Anspruch. Die dafür erforderliche „wasserpolizeiliche Erlaubnis“ sei von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Rheine erteilt worden.

Gespeist wird der Dortmund-Ems-Kanal mit Wasser aus der Lippe. Die Qualität des Kanalwassers gelte als gut, so Adler weiter, weil der Kanal „ausreichenden Abstand zu landwirtschaftlichen Flächen“ habe und überdies über eine „abgedichtete Sohle“ verfüge.

„Potenzieller Eintragspfad für Schadstoffe“

Kritiker dieses Verfahrens, etwa aus den Reihen der ÖDP und der Linken, hatten in der Debatte über das Wasserversorgungskonzept bemängelt, dass Unfälle auf dem Kanal auch die Trinkwasserversorgung gefährden könnten. Die Stadtwerke räumen ein, dass der Kanal „ein potenzieller Eintragspfad für Schadstoffe in das Grundwasser“ sei. Aber mit der vorgeschalteten Filtration versuche man dem zu begegnen.

Ganz abgesehen davon gibt es laut Adler einen ganz handfesten Grund, den Kanal als Trinkwasserspender nicht zu ignorieren: „Weil das Grundwasser allein nicht ausreicht“.



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