York-Kaserne
Alternativstandort für neue Flüchtlingseinrichtung dringend gesucht

Münster -

Die Stadt Münster will dem Land Alternativstandorte für die Zentrale Unterbringungseinrichtung für Asylbewerber vorschlagen, die ab Sommer in der Gremmendorf entsteht. Die Schaffung von Wohnungen auf dem Gelände der York-Kaserne soll nicht weiterhin blockiert werden.

Freitag, 16.03.2018, 20:00 Uhr aktualisiert: 19.03.2018, 11:16 Uhr
Die Erstaufnahmeeinrichtung in der Gremmendorfer York-Kaserne soll zum 1. Juli in eine Zentrale Unterbringungseinrichtung für Asylbewerber umgewandelt werden.
Die Erstaufnahmeeinrichtung in der Gremmendorfer York-Kaserne soll zum 1. Juli in eine Zentrale Unterbringungseinrichtung für Asylbewerber umgewandelt werden. Foto: Oliver Werner

Das Dilemma ist groß und eine Lösung bislang nicht in Sicht. Auch wenn Oberbürgermeister Markus Lewe und Regierungspräsidentin Dorothee Feller seit Tagen einen kurzen Draht haben.

Die Stadt Münster hält an ihrem Ziel fest, für die beiden früheren britischen Kasernen in Gievenbeck und Gremmendorf „in absehbarer Zeit“ (Lewe) Kaufverträge mit dem Land zu schließen und vor allem mit der Erschließung in diesem Jahr zu beginnen. Dagegen spricht die in dieser Woche mitgeteilte Entscheidung des Landes, die Erstaufnahmeeinrichtung in der Gremmendorfer York-Kaserne zum 1. Juli in eine Zentrale Unterbringungseinrichtung für Asylbewerber umzuwandeln. Die Stadt will dem Land nun alternative Standorte vorschlagen, damit die für Münster so dringend notwendige Entwicklung der in der York-Kaserne geplanten 1800 Wohnungen nicht weiter blockiert wird. „Unser Ziel bleibt, über das gesamte Kasernengelände verfügen zu können“, betont Lewe.

Mögliche Alternativstandorte

Im Gespräch als Alternativstandorte für die neue Flüchtlingseinrichtung sind der Alte Pulverschuppen, die Trauttmansdorffstraße und die ehemalige Blücher-Kaserne an der Einsteinstraße, die der Bund allerdings bislang nicht aufgeben will.

Regierungspräsidentin Feller erinnert daran, dass das Land die York-Kaserne im Sommer freigeräumt hätte, wenn die Stadt im Gegenzug eine Zentrale Ausländerbehörde in Münster installiert hätte, die auch Abschiebungen organisiert. Eine Ratsmehrheit, unter anderem aus SPD, Grünen und Linken, hatte Ende Januar dagegen gestimmt. Schon im Vorfeld dieser Ratsentscheidung war kommuniziert worden, dass dann eine Flüchtlingseinrichtung in Münster bleibt. „Das Land wird den unbefristeten Mietvertrag für die York-Kaserne weiter nutzen, verzichtet aber auf die Oxford-Kaserne“, sagt Feller.

Die Bezirksregierung zeigt sich für Alternativstandorte gesprächsbereit, betont aber, dass es bei der neuen Zentralen Unterbringungseinrichtung in Gremmendorf einen nahtlosen Übergang geben wird. „Der 1. Juli ist schon bald. In der York-Kaserne ist die Infrastruktur vorhanden. So schnell lässt sich ein anderer Standort kaum ertüchtigen“, verdeutlicht eine Sprecherin. Vollkommen offen ist, wer die Kosten für die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen an einem Ausweichstandort trägt.

Kein Zusammenhang mit Schließung in Schöppingen

Die Bezirksregierung macht deutlich, dass die Umwandlung der Flüchtlingseinrichtung in Gremmendorf nicht im Zusammenhang mit der Schließung der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Schöppingen zum 30. Juni 2019 steht. Vielmehr müssen im Regierungsbezirk Münster nach den Kapazitätsvorgaben des Landes weitere Unterbringungsplätze für Flüchtlinge geschaffen werden, sagt Feller. 1500 neue Plätze müssen her.

In der neuen Einrichtung in Gremmendorf sollen 500 Flüchtlinge untergebracht werden. Nach Informationen unserer Zeitung soll es sich dabei vor allem um Asylbewerber ohne Bleibeperspektive handeln. Feller will die Gremmendorfer frühzeitig bei einer Veranstaltung informieren. 

Kommentar: Größtmögliches Dilemma

Im Jahr 2012 zogen die britischen Soldaten ab. Natürlich hätte die Stadt die Kasernen längst vor der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 in ihren Besitz bringen müssen, weil sie dort dringend benötigten Wohnraum entwickeln will. Doch Münster biss sich an der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Zähne aus.

SPD, Grüne und Linke haben politisch blind das Angebot ausgeschlagen, dass das Land die York-Kaserne im Sommer räumt. Die Bitte, eine Zentrale Ausländerbehörde einzurichten, die Abschiebungen organisiert, war mit der Symbolpolitik der linken Ratsmehrheit nicht vereinbar. Coesfeld übernimmt Münsters Führungsrolle.

Die Konsequenz: Das Land richtet nun eine Zentrale Unterbringungseinrichtung für Asylbewerber in der York-Kaserne ein; die städtebauliche Entwicklung ist blockiert. Und: In Coesfeld wird nun entschieden, welche Asylbewerber aus Münster abgeschoben werden. - Ralf Repöhler

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