Ratten in Gremmendorf
Fieser Besuch aus dem Untergrund

Münster-Gremmendorf -

Seit einigen Wochen haben Anwohner des Böddingheidewegs in Gremmendorf ein Problem. Sie bekommen ungebetenen Besuch der komplett unangenehmen Art.

Freitag, 23.03.2018, 21:00 Uhr aktualisiert: 23.03.2018, 21:48 Uhr
In diesem Fall ist es natürlich nur eine Stofftier-Ratte, doch allzu häufig bekommen Nicole Rehfeldt und viele andere Anlieger am Böddingheideweg in Gremmendorf dieser Tage Besuch von echten Exemplaren der wenig beliebten Nager.
In diesem Fall ist es natürlich nur eine Stofftier-Ratte, doch allzu häufig bekommen Nicole Rehfeldt und viele andere Anlieger am Böddingheideweg in Gremmendorf dieser Tage Besuch von echten Exemplaren der wenig beliebten Nager. Foto: Oliver Werner

Eine Nachbarin von ihr habe zuletzt Besuch bekommen. Fünf Ratten hätten gleichzeitig bei der Dame auf der Terrasse gesessen, erzählt Nicole Rehfeldt. Ein Einzelfall sei diese Beobachtung nicht. Seit rund 30 Jahren wohne sie im Böddingheideweg in Gremmendorf, doch was sich dort in den vergangenen Wochen abspiele, das habe sie noch nie erlebt. „Wir haben massiven Rattenbefall aus dem Kanalsystem“, berichtet Rehfeldt.

Zahlreiche Gärten seien bereits auf privater Basis beködert worden. Bislang ohne nennenswerten Erfolg. Dafür brachten die Schädlingsbekämpfer eine Theorie mit. Den Ratten sei durch das in der Nähe befindliche Baugebiet der natürliche Lebensraum entzogen worden. Mit dem Anschluss der neuen Häuser an das Kanalsystem sei es dann zur Rattenplage gekommen. So jedenfalls habe man es ihr erklärt, sagt Nicole Rehfeldt.

Sie wandte sich an die Stadt. Einerseits, weil man als Anwohner in solchen Fällen schließlich meldepflichtig sei, andererseits aber auch, weil sie sich Hilfe erwartete. Ob es diese gibt oder nicht, darüber gibt es mindestens zwei unterschiedliche Auffassungen. Das zuständige Tiefbauamt weigere sich, gebührend tätig zu werden, befindet Rehfeldt.

In der Behörde sieht man das allerdings völlig anders. Flächendeckend dürfe man keine Köder mehr auslegen, erklärt Verwaltungsmitarbeiter Marco Otte. „Wir legen daher da aus, wo Bürger sich melden. So lange, bis kein Rückfraß mehr festzustellen ist.“ Das Auslegen der Köder sei mittlerweile auch in Teilen des Böddingheidewegs geschehen und werde so lange weiterverfolgt, bis sich ein Erfolg einstelle. Aber das dauere eben. Otte sagt auch: „Dort, wo sich Ratten zeigen, da ist was im Argen.“ Soll heißen, irgendwo finden die Ratten an der Oberfläche Futter. „Nein“, sagt Nicole Rehfeldt. Die Anwohner würden mittlerweile penibel darauf achten, dass die Ratten nichts finden könnten. Nicole Lange, die eine Stichstraße weiter wohnt, wundert vor allem, „ wie nah und unerschrocken die Ratten auch tagsüber an die Häuser kommen“. Sie bestätigt allerdings auch, dass die Stadt Gullis vor ihrem Haus beködert habe. Nicole Rehfeldt erwartet aber mehr von der Stadt. So wie sich die Situation darstelle, sei es nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem Krankheitsfall komme oder die Ratten auch auf Kindergärten und Spielplätzen zu finden seien.

In der Stadtverwaltung hält man von dieser Einschätzung weniger. Man sei dankbar über die Meldungen der Bürger und verfahre genau so, wie immer in solchen Fällen, stellt Otte klar. Zumal Rattensichtungen in Münster keine Einzelfälle seien. „Wir haben 1700 Kilometer Kanalnetz in Münster“, sagt Otte, der schätzt: „Und vielleicht 15 Meldungen über Ratten pro Monat.“

Dabei gebe es ganz viele Gründe, warum Ratten so nah an den Menschen heranrücken würden. Die Theorie mit dem verschwundenen Lebensraum? „Kann sein oder auch nicht. Das ist Spekulation“, meint Otte. Häufig jedenfalls liege das Problem in irgendeiner Handlung der Bürger. Selbst Ratten in der Toilettenschüssel seien keine gruselige Legende. Dort ausgegossene Suppe etwa könne die Tiere anziehen. „Die sind schlau und folgen der Spur“, sagt der Verwaltungsmitarbeiter und warnt davor, Lebensmittel über die Toilette zu entsorgen, denn klar sei: „Wenn Sie dort mal eine Ratte von unten anguckt, dann sitzen Sie da nie wieder so wie vorher.“

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