Adler hat Bösensell fest im Blick
SC Preußen treibt Stadion-Pläne voran

Bösensell -

Die Vereinsspitze des SC Preußen und die Gemeinde Senden stecken in intensiven Verhandlungen. Auf der To-do-Liste für die weiteren Treffen stehen das Nutzungskonzept und die Frage der Grundstücksübertragung. „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen“, sagte SCP-Präsident Strässer. Der Club arbeite daran.

Freitag, 23.03.2018, 19:52 Uhr aktualisiert: 23.03.2018, 20:20 Uhr
Auf dieser Fläche in Bösensell zwischen A 43, L 550 und den Gleisen könnte das SCP-Stadion entstehen. Preußen-Präsident Christoph Strässer (l.) und Bürgermeister Sebastian Täger führen intensive Gespräche.
Auf dieser Fläche in Bösensell zwischen A 43, L 550 und den Gleisen könnte das SCP-Stadion entstehen. Preußen-Präsident Christoph Strässer (l.) und Bürgermeister Sebastian Täger führen intensive Gespräche. Foto: di/ohw/sff

Die Gespräche zwischen der Gemeinde Senden und der SCP-Spitze dauern an. Das nächste Treffen ist nicht nur anvisiert, es gibt auch eine To-do-Liste, wie Preußen-Präsident Christoph Strässer gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Er weiß, dass er bis zum nächsten Termin „liefern“ muss. Bildhaft gesprochen geht es nicht nur darum, die Tore zu schießen, sondern auch in welcher Aufstellung, mit welcher Taktik, in welchen Spielzügen. Soll heißen: Die Traditionskicker wollen und müssen Fleisch an die Knochen für die Stadionplanung in Bösensell bekommen. Dass dieser Standort „optimal“ ist, darin stimmen Bürgermeister Sebastian Täger und Christoph Strässer überein, ergaben die Anfragen unserer Lokalredaktion.

Die Gunst der Lage allein reicht aber nicht aus, um das Vorhaben über die Ziellinie zu bringen. Denn: Ein Votum darüber, ob das Projekt in dem Ortsteil an der Grenze zu Münster in Beton gegossen wird, ist noch längst nicht gefallen. Sendens Rathaus-Chef mahnt eine gründliche Abwägung der Chancen und Risiken an. Erst wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, könne in den politischen Gremien beraten und entschieden werden, so Täger. Er persönlich bekennt, „dass das Vorhaben mit einer positiven Grundhaltung geprüft werden soll“. Bedenken aus der Bürgerschaft sollten dabei ernstgenommen werden. So oder so seien die Bretter, die planerisch, finanziell und konzeptionell gebohrt werden müssen, ziemlich dick.

Wir müssen Chancen und Risiken gründlich abwägen.

Bürgermeister Sebastian Täger will die Preußen-Pläne mit einer „positiven Grundhaltung“ prüfen

Das sieht Preußen-„Oberhaupt“ Strässer ebenso. „Ich weiß, dass wir unsere Hausaufgaben machen müssen.“ Genau dies erledige der Verein gerade, um beim nächsten oder den kommenden Treffen Fakten auf den Tisch zu legen. Zu den Themen, die zu klären seien, zählt der Präsident des Traditionsvereins: das Nutzungskonzept der Arena (von Sport bis zu möglichen kulturellen Events), die Grundstücks-Transaktion und die Planung für das Umfeld.

Es laufen ganz intensive Gespräche mit Senden.

Preußen-Präsident Christoph Strässer
Nur Stadion oder auch Trainingsstätte

Die Frage, ob der SC Preußen nur zu den Spielen nach Bösensell fährt oder auch der Trainingsbetrieb vor die Tore der Stadt Münster verlegt wird, ist laut Angaben von Präsident Christoph Strässer noch offen. Ebenfalls in der Entscheidungsfindung steckt noch, wo die Jugendmannschaften dauerhaft ihr Domizil finden.

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Eben diese Aspekte stehen wohl auch in Sendens Rathaus und den parlamentarischen Gremien auf der Agenda. Die Fraktionen im Rat, so der Bürgermeister, seien informiert worden und hätten ihn damit betraut, bis zu einer politischen Entscheidung die Verhandlungen mit Preußen führen zu können. Täger betont dabei auf Anfrage, dass im Verlauf der Gespräche niemals davon die Rede war, dass dem Verein (oder seiner Stadiongesellschaft, die jetzt gegründet werde) das Grundstück geschenkt werden soll. Dem pflichtet Strässer bei. Er kann sich vorstellen, dass die Übertragung der Fläche über einen Erbpachtvertrag gelöst werden könnte, wobei ein Landwirt in einen Flächentausch einwilligen müsste.

Für die Gemeinde zählt, dass sie dauerhaft durch Arbeitsplätze und Gewerbesteuer profitieren würde. Deshalb legt das Rathaus Wert darauf, dass die Möglichkeit eines dortigen interkommunalen Gewerbegebietes abgeklopft wird.

Gerüchte, dass es bereits ein fertiges Stadion-Modell (Animationen am Computer, die die Runde machen, schloss Strässer nicht aus) gebe, wies der SCP-Präsident zurück. Ebenso wenig sei der Name des Stadions bereits an einen Groß-Sponsor vergeben, beteuerte Strässer: „Davon ist mir nichts bekannt.“ Wohl aber sei die Bereitschaft von Förderern groß, sich über eine Stadiongesellschaft an dem Projekt zu beteiligen. „Die scharren alle schon mit den Hufen“, sagte der Vereins-Präsident.

Die Zusammenarbeit mit Sendens Verwaltungsspitze bezeichnete der SCP-Vertreter als „ausgesprochen positiv“. Womöglich weil Täger und Strässer eine ganz ähnliche Vision vor Augen haben: ein Münsterland-Stadion, von dem die ganze Region profitiere. Sie könne damit Selbstbewusstsein und Aufbruchstimmung signalisieren, sieht Täger eine Veranstaltungs-Arena als Baustein für den Markenfindungsprozess des Münsterlandes.

Wann die Preußen-Elf in Bösensell auf Torjagd gehen wird? Strässer betont, dass es „gut ist, sich ehrgeizige Ziele zu setzen“. Seine realistische Einschätzung ist aber: Wenn alles gut läuft, könne der Anpfiff zur Saison 2022/23 in Bösensell erfolgen.

Kommentar zum Thema

Die Aufwärmphase, so scheint es, ist bereits vorbei. Der Ball liegt schon im Feld. Der SCP steckt mitten im Spiel – um ein neues Stadion. Die wohl einzige Chance des Adler-Vereins besteht darin, seinen Horst nach Bösensell zu verlegen. Dass darüber Sondierungsgespräche laufen, war bekannt. Doch sie sind weiter gediehen, als es den Anschein hatte.

Dahinter lässt sich erkennen, dass beide Seiten die Chancen (und Risiken) des Projektes ausloten wollen. Für die Gemeinde Senden könnten sich Entwicklungsperspektiven beim Gewerbe bieten und Jobs entstehen.

Die Unwägbarkeiten sind aber auch unübersehbar. Rathausspitze und die Politik blenden die offenen Fragen nicht aus. Denn völlig unklar ist beispielsweise, ob die Fläche tatsächlich und wenn ja, zu welchen Konditionen zur Verfügung stünde.

Aus der Distanz betrachtet, spricht vieles für Bösensell: Erreichbarkeit, verkehrliche Erschließung und Nähe zu Münster.  Von Nahem gesehen, löst das Vorhaben aber auch Befürchtungen aus. Die Bürger von Bösensell müssen deshalb einbezogen, ihre Sorgen ernst genommen werden.

Die Politik hat noch nichts entschieden. Für die Abwägung gilt, dass sie in Ruhe und mit allen Fakten erfolgen muss. Alles andere wäre ein Foulspiel am Bürger.

Die möglichen Vorteile verdienen es ebenfalls, auf den Prüfstand zu kommen. Sonst vergibt Senden, die vielleicht einmalige Gelegenheit, einen echten Treffer zu landen. - Dietrich Harhues

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