So., 25.03.2018

Wünschewagen Ihr letzter Wunsch ist ein Besuch im Zoo

Rettungssanitäter Michael Tersteegen begleitet die an Krebs erkrankte Irmhild Bischof in einem Rollstuhl zu dem Tigergehege im Allwetterzoo in Münster. Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) aus Essen hat ihr den lange geplanten Zoobesuch ermöglicht

Rettungssanitäter Michael Tersteegen begleitet die an Krebs erkrankte Irmhild Bischof in einem Rollstuhl zu dem Tigergehege im Allwetterzoo in Münster. Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) aus Essen hat ihr den lange geplanten Zoobesuch ermöglicht Foto: dpa

Gelsenkirchen/Münster - 

Irmhild Bischof hat noch einen letzten Wunsch: Sie möchte den Zoo in Münster besuchen. Ein Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes und drei Ehrenamtliche haben die krebskranke Frau aus Gelsenkirchen dorthin gebracht.

Von dpa

Sie hatten einen Ausflug in den Zoo geplant, bevor „es“ passiert ist, erzählt Irmhild Bischof. „Es“ ist der Krebs. Seit 2017 dreht sich im Leben von Irmhild und ihrem Mann Rainer alles um die Krankheit, seit Anfang Januar lebt die 64-Jährige in Gelsenkirchen im Hospiz. Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) aus Essen hat ihr jetzt den Zoobesuch ermöglicht – als letzten Wunsch.

"Es ist oft pure Freude"

„Insgesamt wurden seit dem Start des Projektes vor vier Jahren mehr als 620 Wünsche erfüllt“, erklärt Susanne Hörle, Referentin beim ASB, für ihre Organisation. „Es ist traurig und auch wieder nicht. Es wird viel gelacht, und es ist oft pure Freude. Man spürt, dass Leben da ist.“ Unheilbar Kranke werden noch einmal dahin gefahren, wohin sie möchten. Viele zieht es ans Meer, andere zu einem Familienfest oder zu ihrer Lieblingsmannschaft ins Stadion. Irmhild Bischof wollte in den Zoo.

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Ich kann gar nicht viel essen, eigentlich ist Essengehen mit mir Verschwendung.

Irmhild Bischof

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Über vier Stunden hält sie bei eisigen Temperaturen im münsterischen Zoo aus. Lacht über die Affen, ist verwundert darüber, wie ein Gürteltier läuft, und genießt das Essen im Zoo-Restaurant. Pommes mit Ketchup und Mayonnaise, paniertes Schnitzel mit Champignon-Sauce und Salat. „Ich kann gar nicht viel essen, eigentlich ist Essengehen mit mir Verschwendung.“

Irmhild Bischof steht im Mittelpunkt

Drei ehrenamtliche Mitarbeiter des ASB umsorgen Irmhild Bischof. Mal putzen sie im Tropenhaus die beschlagene Brille frei, dann holen sie extra Mayonnaise und schieben vor den Tiergehegen den Rollstuhl auf den besten Platz. Sie bestimmt, wann es weitergeht und wo sie verweilen möchte. Ungewohnt für eine Frau, die nie im Mittelpunkt stand.

Nie Zeit gehabt

„Ich hatte nie Zeit. Ich hab immer malocht“, erzählt sie. Ihr Rainer kennt auch kein anderes Leben. Jahrelang hat er als Bergmann geschuftet, bis der Körper nicht mehr mitmachte. „Die Pumpe“, erklärt er. Erst sei sein Herzinfarkt gekommen und dann die Krebserkrankung seiner Frau. Jetzt ist er mit 58 Jahren schon lange Rentner.

Dem ehemaligen Kumpel fällt die ganze Situation schwer. Ins Hospiz geht er nicht gern, aber ein Leben ohne seine Irmhild kann er sich nicht vorstellen. Über den Tod redet er nicht. Irmhild geht offensiver an das Thema heran.

Angst vor dem Ersticken

„Es sind schon acht Leute gestorben, seit ich im Hospiz bin“, sagt sie. „Für jeden wird eine Kerze angezündet. Wenn ich die Kerze brennen sehe, denke ich immer, dass ich als nächste dran bin. Jetzt rückt es näher.“ Angst hat sie auch. „Vor dem Ersticken, ich krieg so schlecht Luft.“

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Eine Nacht ohne Schmerzen und ein wenig Unterhaltung am Tag, das wäre schön.

Irmhild Bischof

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Dann scheint allein das Reden mit den Ehrenamtlichen zu helfen. Sie hören zu, geben ihr kleine Tipps und sind einfach für sie da. Nach dem Essen hat sie wieder Kraft geschöpft, um eine zweite Runde im Zoo in Münster zu drehen. Früher sei sie viel mit dem Rad unterwegs gewesen. Zum Einkaufen, zur Arbeit – immer auf zwei Rädern. „Jetzt kann ich nichts mehr allein. Das macht unzufrieden.“ Da sei der Ausflug ein echter Lichtblick gewesen. Viele Wünsche habe sie ohnehin nicht mehr. „Eine Nacht ohne Schmerzen und ein wenig Unterhaltung am Tag, das wäre schön.“



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