Ärger über Krankenfahrten
Kompliziertes Verfahren verursacht Probleme für Taxifahrer und Patienten

Münster -

Wer als Patient die Kosten für ein Taxi von der Krankenkasse erstattet bekommen möchte, der muss eine genaue Vorgehensweise beachten. Sonst drohen ungewollte Überraschungen.

Mittwoch, 04.04.2018, 07:00 Uhr
Vor der Raphaelsklinik wartet ein Taxi auf einen Patienten. Nicht immer finden die beiden Vertragspartner jedoch zusammen.
Vor der Raphaelsklinik wartet ein Taxi auf einen Patienten. Nicht immer finden die beiden Vertragspartner jedoch zusammen. Foto: Matthias Ahlke

Es ist erst ein paar Tage her, da erreichte die Redaktion die Zuschrift einer krebskranken Frau, die uns in traurigen Sätzen schilderte, wie sie nach ihrer Chemo-Behandlung vor dem St.-Franziskus-Hospital erleben musste, wie sie trotz einer ärztlichen Verordnung über eine sogenannte Krankenfahrt von einem Taxifahrer abgewiesen wurde. Ein weiteres Mal sei sie nur unter großem Protest mitgenommen worden, beschreibt sie weiter. Auf Nachfrage bestätigt das Franziskus-Hospital, dass es immer mal wieder zu solchen Fällen komme. Woran liegt das?

„Es gibt da eine Menge Klischees“, sagt Sven Kessler, geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft Taxizentrale Münster. Hauptproblem für die Taxifahrer sei aber nicht der geringere Fahrpreis, den die Krankenkassen für eine solche Fahrt ansetzen würden, und auch nicht das häufig ausbleibende Trinkgeld. „Das Hauptproblem sind die Grundvoraussetzungen, es überhaupt zur Abrechnung zu bringen“, sagt Kessler. Viele Kunden brächten einfach nicht die kompletten Papiere bei Fahrtantritt mit. Für den Taxifahrer sei es dann nahezu unmöglich – „oder nur durch dreiste, unerlaubte Fragen“ – herauszufinden, ob sich die Fahrt für ihn abrechnen lasse.

Eigenanteil zwischen fünf und zehn Euro

Hintergrund: Die Verordnung des Arztes reicht nicht aus, es ist auch eine Bescheinigung der Krankenkasse notwendig. „Das wissen aber leider auch einige Ärzte nicht, obwohl das sicher schon 15 Jahre oder noch länger so ist“, moniert Kessler. Ebenfalls nicht bekannt sei, dass auch bei Krankenfahrten, genau wie in der Apotheke, ein Eigenanteil zwischen fünf und zehn Euro zu zahlen sei. Dabei unterstreicht Kessler, dass die Taxiunternehmen der Genossenschaft sehr wohl Krankenfahrten wollten, auch wenn der durch die Krankenkassen entrichtete Fahrpreis nur bei rund 75 Prozent des üblichen Satzes liege. Rund zwei Millionen Euro betrage das Volumen der rund 150 der Genossenschaft angeschlossenen Taxi-Unternehmer in Münster für Krankenfahrten jährlich. „Es ist aber aufwendig für uns, wir haben sogar extra Leute angestellt, die sich nur um die Abrechnungen kümmern“, sagt Kessler.

Ich hatte hier schon schreiende Ärzte am Telefon.

Sven Kessler, Geschäftsführer Taxizentrale Münster

Die Probleme mit den erforderlichen Dokumenten würden nicht nur bei Kunden zu Unzufriedenheit führen. „Ich hatte hier auch schon schreiende Ärzte am Telefon“, sagt Kessler. Und auch das sei eben längst nicht alles: „Es gibt auch Fahrer, die die Fahrten machen, hinterher aber auf der Rechnung sitzenbleiben“, so Kessler. Die Beförderungspflicht gelte dabei seiner Meinung nach nicht. „Taxifahren ist ein Bargeschäft, niemand kann verlangen, auf Rechnung gefahren zu werden. Aber klar, wir machen das trotzdem.“

Im Vorfeld mit der Krankenkasse Kontakt aufzunehmen

Im Kern bestätigt auch der Verband der Ersatzkassen Kesslers Ausführungen. Tatsächlich gebe es häufiger die Erfahrung, dass Versicherte nicht über die genaue Vorgehensweise bei Krankenfahrten Bescheid wüssten. Krankenfahrten würden von den Versicherungen nur bei Fahrten vor, nach oder während stationären Aufenthalten bezahlt. Zudem bei ambulanten Operationsterminen, bei zwingenden medizinischen Gründen, wie hoher Ansteckungsgefahr oder stark eingeschränkter Mobilität, sowie in Ausnahmefällen, etwa bei einer Dialysebehandlung. Eine Schwindelattacke reiche dagegen nicht als Grund für eine bezahlte Krankenfahrt, so eine Sprecherin des Verbandes.

Um sich einer Erstattung sicher zu sein, sei es neben einer Verordnung des Arztes aber immer notwendig, im Vorfeld mit der Krankenkasse Kontakt aufzunehmen. Alternativ sei es möglich, in Vorkasse zu treten und die Rechnung später bei der Krankenkasse einzureichen – dann allerdings mit ungewissem Ausgang.

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