Jules Massenets Aschenputtel-Oper „Cendrillon“ erstmals in Münster
Mit Fee und Filmfiguren

Münster -

„Mondlicht, Magie und Massenet“ verspricht das Theater verheißungsvoll, um auf eine Oper aufmerksam zu machen, die hier noch nie gespielt wurde: „Cendrillon“, die „Aschenputtel“-Variante des französischen Spätromantikers Jules Massenet.

Dienstag, 10.04.2018, 23:54 Uhr aktualisiert: 11.04.2018, 17:30 Uhr
Ein bisschen schrill geht es in der Familie zu, aus der „Cendrillon“ gern herauswachsen möchte.  Ein bisschen schrill geht es in der Familie zu, aus der „Cendrillon“ gern herauswachsen möchte.
Ein bisschen schrill geht es in der Familie zu, aus der „Cendrillon“ gern herauswachsen möchte.  Ein bisschen schrill geht es in der Familie zu, aus der „Cendrillon“ gern herauswachsen möchte. Foto: Oliver Berg

„Mondlicht, Magie und Massenet“ verspricht das Theater verheißungsvoll, um auf eine Oper aufmerksam zu machen, die hier noch nie gespielt wurde: „Cendrillon“, die „Aschenputtel“-Variante des französischen Spätromantikers Jules Massenet. „Ein großartiger Komponist, aber kein politischer Mensch“, weiß Regisseur Roman Hovenbitzer, der schon mehrere Massenet-Opern inszeniert hat, unter anderem die Goethe-Verarbeitung „Werther“. Und hebt drei Ebenen hervor, die man in „Cendrillon“ voneinander unterscheiden kann: Es gibt – natürlich – die Welt der Liebenden, also der Titelheldin, die zwar von der Stiefmutter und deren Töchtern zurückgesetzt wird, und des Prinzen, der sich in die schöne Unbekannte auf seinem Ball verliebt. Es gibt eine eher „geerdete“ Welt, deren Musik ein bisschen an barocke Suiten à la Bach oder Telemann erinnert. Und dann gibt es das Sphärische, das Übernatürliche, das jener Fee zugeordnet ist, die Massenets Stück entscheidend prägt und mit deren Musik der Komponist über die Grenze des Uraufführungs-Jahres 1899 hinweg ins 20. Jahrhundert schaut.

Roman Hovenbitzer, dessen Regie ebenfalls eine Münster-Premiere sein wird, sieht in dem Massenet-Stück ein „Paradebeispiel für Eskapismus“, dessen Schöpfer sich nicht für die Technik interessierte und für all das Neue, das es auf den Weltausstellungen in Paris zu bestaunen gab und seinen jüngeren Kollegen Claude Debussy so faszinierte. Seine Musik schaffe vielmehr Räume für die Menschen und ihre Gefühle – was etwa in jenem Bild besonders deutlich werde, in dem die Liebenden, blind füreinander, sich lediglich hören und fühlen könnten. Massenet habe zudem, wie Strauss und Puccini, wunderbar für Frauenstimmen geschrieben. Immerhin wird es in der Münster-Fassung neben Henrike Jacob in der Titelrolle, ihren Familien-Rivalinnen und der von Kathrin Filip gesungenen Fee einen gestandenen Tenor (Youn-Seong Shim) als Prinz geben – die Urfassung sah noch eine Mezzosopran-Besetzung vor.

Großer Märchenzauber also? Den will Hovenbitzer zwar bieten und szenische Opulenz dazu, findet aber nicht, dass man einen klassischen Märchenstoff eins zu eins auf die Bühne bringen muss. Aschenputtels Familie etwa dürfe durchaus ein bisschen schrill aussehen. Und beim Changieren zwischen Traum und Realität denkt er an die Welt des Kinos, an einen Film wie „The Purple Rose of Cario“ etwa, wo Filmfiguren in die Wirklichkeit des Zuschauerraums hinüberwechseln. Wobei er sich über eine Entdeckung besonders freut: „Im Jahr 1899 gab es einen der ersten französischen Stummfilme – und der hieß ,Cendrillon‘!“

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Die Premiere (französisch mit deutschen Übertiteln) ist am Samstag (14. April) um 19.30 Uhr im Großen Haus, Neubrückenstraße. Karten: ' 5 90 91 00.

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