Mi., 11.04.2018

Vier Tage nach der Amokfahrt Kiepenkerl: Restaurants wieder offen

Vor der Wiedereröffnung von Großem und Kleinem Kiepenkerl fand eine Schweigeminute statt. Ein Großteil der Mitarbeiter der Restaurants nahm daran teil.

Vor der Wiedereröffnung von Großem und Kleinem Kiepenkerl fand eine Schweigeminute statt. Ein Großteil der Mitarbeiter der Restaurants nahm daran teil. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

(Aktualisiert) Die beiden Restaurants am Kiepenkerl haben am Mittwochmittag – vier Tage nach der Amokfahrt – wieder ihre Pforten geöffnet. Zuvor gab es unter großer Beteiligung der Bevölkerung eine Schweigeminute.

Von Martin Kalitschke

Um 11.55 Uhr öffnen sich die Türen von Großem und Kleinem Kiepenkerl. Mehrere Dutzend Mitarbeiter treten hinaus auf den Platz vor den Restaurants; dorthin, wo am Samstag ein Amok-Fahrer zwei Menschen getötet und 25 verletzt hat. Sie stellen sich im Halbkreis zu einer Schweigeminute auf, schauen auf das Meer aus Lichtern und Kerzen am Kiepenkerl-Denkmal, viele kämpfen mit den Tränen.

Die Restaurant-Mitarbeiter sind nicht allein. Mehr als 200 Bürger sind gekommen, minutenlang herrscht Stille, danach begeben sich die Teams von Großem und Kleinem Kiepenkerl zurück an ihre Arbeitsplätze, zurück in einen Alltag, der für sie noch lange ein anderer Alltag sein wird als vor der schrecklichen Tat.

Zur Wiedereröffnung der beiden Traditionsgaststätten sind neben Geschäftsleuten und anderen Gastronomen auch Stammgäste erschienen. Manche haben Blumen dabei, umarmen die Kellner, wollen Mut machen.

Große Solidarität

So schwer es uns allen fällt – die Mitarbeiter wollen in die Normalität zurück“, sagt Wilma von Westphalen, Inhaberin des Großen Kiepenkerls. Am Mittwoch sind allerdings nur jene im Einsatz, die sich das zutrauen. Der Oberkellner ist gekommen, obwohl er am Mittwoch seinen 40. Geburtstag feiert und eigentlich frei hätte.

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Das Verhalten der Münsteraner lobt Wilma von Westphalen in den höchsten Tönen, „die Menschen haben unglaublich reagiert und uns sehr viel Solidarität gezeigt“. Sie selbst hoffe, durch Aktivität ihren Kummer überwinden zu können.

Restaurants schnell wieder gefüllt

Es dauert keine halbe Stunde, da sind nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen Kiepenkerl schon wieder die meisten Tische besetzt. Auch hier ging die Initiative für die Wiedereröffnung von den Mitarbeitern aus, betont die zweite Geschäftsführerin Sabine Deckenbrock. Und auch hier arbeiten am Mittwoch nur jene, die glauben, dass sie der Situation gewachsen sind. Nicht alle trauen sich das schon zu.

„Mehr Sicherheit“

Geschäftsleute, Gastronomen, Stammgäste und weitere Münsteraner – sie alle sind am Mittwoch zur Wiedereröffnung der beiden Kiepenkerl-Restaurants gekommen. Unter ihnen ist auch Matthias Lückertz  (Verein der Kaufmannschaft, Initiative Starke Innenstadt). Er hält es für richtig, dass sich die Betreiber entschieden haben, die beiden Restaurants wieder zu öffnen.

„Es muss weitergehen“, so Lückertz, der überzeugt ist, dass die Geschäftsleute in der Innenstadt nach dem schrecklichen Vorfall noch enger zusammenrücken werden. Zugleich gelte es, Münster „so sicher wie möglich zu machen“. Die geplanten Poller sollten „mit Lichtgeschwindigkeit“ installiert werden, fordert er.  

Sabine Deckenbrock hofft, dass ihr persönlich „eine gewisse Routine“ helfen wird. „Blumen dekorieren, Dienstpläne, das muss ja alles gemacht werden.“ Und doch sei es „schwer“, sich wieder auf den langen Weg zurück in den Alltag zu machen.

Vorerst bleibt die Außengastronomie der beiden Restaurants geschlossen. Beim Großen Kiepenkerl ist die gesamte Ausstattung für den Außenbereich bei der Amok-Fahrt zerstört worden. „Wir werden natürlich aushelfen, wenn es so weit ist“, sagt Sabine Deckenbrock. Doch noch sei es nicht so weit.

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