Mo., 16.04.2018

Illegales Tierlabor an der Medizinischen Fakultät Kommission rät zu Konsequenzen

Illegales Tierlabor an der Medizinischen Fakultät: Kommission rät zu Konsequenzen

Die Uni in Münster hält für Tierversuche rund 35.000 Mäuse. Foto: dpa (Symbolfoto)

Münster - 

(Aktualisiert: 20.15 Uhr) Zehn Jahre lang gab es an der Uni Münster einen Raum mit illegal gehaltenen Versuchsmäusen - wohl auch weil die Forscher zu bequem waren. Der Unirektor will jetzt eine andere Verantwortungskultur - für die Hochschule durchaus kein neues Thema.

Von Ralf Repöhler

Die Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU), die über zehn Jahre  in einem Kellerraum der Hautklinik der Medizinischen Fakultät illegal Mäuse gehalten haben, um Tierversuche durchzuführen, haben „wiederholt und dauerhaft gegen Tierschutzrecht und Gentechnikrecht verstoßen“.

Zu diesem Schluss kommt die interdisziplinäre Kommission unter Vorsitz von Prof. Dr. Janbernd Oebbecke, die der Rektor der WWU, Prof. Dr. Johannes Wessels, unmittelbar nach dem anonymen Hinweis auf das illegale Tierlabor eingesetzt hatte. Die Kommission empfiehlt Konsequenzen für einige Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Ermittlungen gegen zehn Wissenschaftler

Einigen Wissenschaftlern ist der Zutritt zu Räumen gesperrt worden. „Das ist eine drakonische Strafe für Wissenschaftler, wenn deren Karriere mit Tierversuchen verknüpft ist“, sagte Wessels am Montag, als die Kommission ihren Bericht vorstellte.

Das Verwaltungsgericht Münster hat mit Beschluss vom 12. April die Rechtmäßigkeit einer Ordnungsverfügung der Stadt Münster bestätigt, mit der einer Wissenschaftlerin der Hautklinik mit sofortiger Wirkung das Halten und Betreuen von Tieren untersagt wurde, die in Tierversuchen gezüchtet und gehalten werden. Das wurde am Montag bekannt. Die Frau war dagegen juristisch vorgegangen.

Insgesamt wird gegen knapp zehn Wissenschaftler ermittelt, die alle im höheren Bereich anzusiedeln und teils auch Mitarbeiter des Uni­versitäts-Klinikums Münster (UKM) sind. „Das Ganze ist über zehn Jahre gelaufen. Wer alles Zugang zu dem Raum hatte, liegt im hohen zweistelligen Bereich“, sagte Oebbecke.

Dokumentationsmängel

Gerade, als die WWU in der Veröffentlichung eines neuen Leitbildes zum Tierschutz war, war im Juni 2017 ein anonymes Schreiben geplatzt, das auf „massive Verstöße gegen das Tierschutzgesetz“ im Keller der Hautklinik hingewiesen hatte.   

77 Mäuse wurden vorgefunden, sechs mussten eingeschläfert werden. „Drei waren Teil eines Experiments, drei weitere hatten eine Verletzung“, blickte Wessels zurück.

Die Experimente seien nach den Vorgaben für Tierversuche durchgeführt worden. „Der Vorwurf bleibt aber, dass ein Raum für Experimente genutzt worden ist, der nicht genutzt werden sollte“, sagte Wessels. Auch Dokumentationsmängel habe es im Einzelnen gegeben.

Notwendigkeit eines neuen Tierstalls

Nach Ansicht der Kommission waren Kapazitätsengpässe mit verantwortlich für die Nutzung des Raumes. Wessels teilt zudem die Auffassung, dass die Schnittstelle zwischen WWU und UKM im Hinblick auf Tierversuche neu definiert werden sollte.

„Tierversuche sollten in der ausschließlichen Verantwortung der Universität stattfinden“, nannte Oeb­becke die Empfehlung. Dazu rät die Kommission zu einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit und zu hoher Transparenz.

Fotostrecke: Tierversuche an der Uni Münster

Für Prof. Dr. Stefan Schlatt, Ansprechpartner für das Rektorat im Umgang mit Versuchstieren, zeigt der Vorfall die hohe Notwendigkeit des neuen Tierstalls, der bis Sommer gebaut wird und in dem bis zu 13 .000 Mäuse untergebracht werden.

"Grobe Verstöße"

Mit mehr Personal und einer veränderten Verantwortungskultur will die Universität Münster auf die Verstöße bei der Haltung von Versuchsmäusen reagieren. Gleichwohl betonte der Vorsitzende der eingesetzten Kommission, Prof. Dr. Janbernd Oebbecke, dass es keine Anhaltspunkte für nicht genehmigte Versuche im Zusammenhang mit der illegalen Mäuse-Haltung im Keller der Hautklinik der Medizinischen Fakultät gegeben habe.

Dem Deutschen Tierschutzbund geht die Aufklärung der Kommission nicht weit genug. Wenn Tiere wegen ihres schlechten Zustands getötet werden müssten, gehe es um Stümperei und Miss­management, heißt es.

Die Wissenschaftlerin, der nach dem Beschluss des Verwaltungsgerichts das Halten von Tieren in Tierversuchen weiterhin untersagt wurde, habe nach Auffassung der Richter grob gegen tierschutzrechtliche Anforderungen verstoßen. Sie habe den Mäusen hierdurch erhebliche Schmerzen zugefügt.



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