Fr., 20.04.2018

Von der Schwierigkeit, Ateliers zu finden Die letzte „Bremsenprüfung“

Ende September müssen die Künstler die letzten Räume in der Atelier-Gemeinschaft „Bremsenprüfstand“ verlassen.

Ende September müssen die Künstler die letzten Räume in der Atelier-Gemeinschaft „Bremsenprüfstand“ verlassen. Foto: Jacqueline Beckschulte

Münster - 

Die Situation ist belastend für die sieben Künstler der Atelier-Gemeinschaft „Bremsenprüfstand“. Seit Ende des vorigen Jahres wurde gemunkelt, nun sind die Mietverträge gekündigt. Die Räume sind verkauft und der neue Eigentümer möchte sie anderweitig nutzen. Bis Ende September müssen alle Künstler ihre Räume verlassen. Einige schon Ende Juni.

Von Jacqueline Beckschulte

„Das ist frustrierend und demotivierend. Alles muss raus und niemand weiß, wohin mit den Materialien und fertigen Arbeiten. Das passt nicht in eine und auch nicht in zwei Garagen. Und alles wegwerfen geht nicht. Das wäre quasi ein halbes Lebenswerk. Dann braucht man gar nicht weiterzumachen“, erklärt Werner Rücke-mann, Mitglied der Atelier-Gemeinschaft.

Dringend müssen neue Räumlichkeiten her. Doch die Suche gestalte sich schwierig, sagt Rückemann. Ideal wäre die Halle eines Handwerkbetriebs: entweder ein leerstehender Betrieb oder einer, in dem noch gearbeitet wird, wo etwas Platz ist. „Wir haben auch keine Scheu mit Handwerkern gemeinsam auf einem Areal zu arbeiten“, spricht Rücke-mann für sich und seine Künstlerkollegen. Sie würden sehr vielfältige Arbeiten anfertigen und häufig kämen unter anderem auch Maschinen und Schrauben zum Einsatz.

Eine Alternative wäre, eine neue oder gebrauchte Halle auf einer freien, privaten oder städtischen Fläche zu errichten. Benötigt wird Platz zum Arbeiten, ein Ausstellungsraum, eine Toilette und ein Küchenraum. Münster möchten sie nicht verlassen: „Das Atelier soll mit dem Fahrrad erreichbar sein. Einige von uns haben gar kein Auto, und auch die Gäste sollen mit dem Rad zu uns kommen können. Außerdem bekommen wir viel Unterstützung von der Stadt und dem Kulturamt“, erklärt Rückemann.

Zurzeit zahlt die Atelier-Gemeinschaft knapp fünf Euro pro Quadratmeter. „Mehr können wir auch in Zukunft nicht aufbringen. Mit Nebenkosten wie Strom und Müllabfuhr läppert es sich schnell auf sieben, acht Euro.“ Gesucht werden Räume für drei bis sieben Kunstschaffende. Eine Fläche von 150 Quadratmetern würde für drei Künstler ausreichen. Entsprechend größer müsste sie sein, je nachdem wie viele dazu kommen.

Von der bisherigen Personenkonstellation muss sich „Bremsprüfstand“ verabschieden. „Einer hat schon etwas Neues gefunden. Ein zweiter hat was in Aussicht.“ Aber die Liste interessierter Künstler, die sich anschließen möchten, sei lang. Seit 2009 gibt es die Atelier-Gemeinschaft „Bremsenprüfstand“. „Man macht sich viele Gedanken, wie es weitergeht.“

Zum Thema

Die letzten „Offenen Ateliers“ am alten Standort finden vom 8. bis zum 10. Juni im „Bremsenprüfstand“, Schleebrüggenkamp 3A, statt.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5675377?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F