Brandstiftung im Haus der Wohnungslosen
Erst Entzugsklinik – dann sechs Jahre Haft

Münster -

Um von einem der Bewohner zehn Euro einzutreiben, hat ein junger Mann im Haus der Wohnungslosen Feuer gelegt. Am Landgericht wurde er jetzt zu sechs Jahren Haft verurteilt. Doch zuvor muss er in eine Entzugsklinik. Für den Staatsanwalt ist die „tickende Zeitbombe“ ein „Kandidat für die Sicherheitsverwahrung.“

Samstag, 21.04.2018, 10:00 Uhr aktualisiert: 21.04.2018, 10:50 Uhr
Entscheidung des Landgerichts: Vor der sechsjährigen Haftstrafe soll der Verurteilte eine mindestens dreijährige Entzugstherapie im Maßregelvollzug durchlaufen.
Entscheidung des Landgerichts: Vor der sechsjährigen Haftstrafe soll der Verurteilte eine mindestens dreijährige Entzugstherapie im Maßregelvollzug durchlaufen. Foto: dpa

Der Wohnungslose, der – wie berichtet – am Landgericht unter anderem wegen Brandstiftung, Raubes und Körperverletzung angeklagt war, ist am Freitag zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Vor der Haft wird er eine mindestens dreijährige Entzugstherapie im Maßregelvollzug durchlaufen, um von seiner Drogensucht loszukommen. Der Mann war bis zur Festnahme Dauerkonsument von Amphetamin und Marihuana.

Im Oktober hatte er im Keller eines Gebäudekomplexes zwischen kleiner Bahnhofstraße und Von-Steuben-Straße Feuer gelegt. Grund war ein Streit mit einem Bewohner um geliehene zehn Euro. Er habe den anderen „wie eine Ratte aus dem Haus treiben wollen, um die zehn Euro zu bekommen“, zitierte der Staatsanwalt aus der Vernehmung des 26-Jährigen.

Viele Menschen in Gefahr

Das Haus der Wohnungslosen (HdW) war wegen der Qualmentwicklung vorsorglich geräumt worden. In einer Tiefgarage standen vier Autos. Wenn Wagen mit Diesel, Gas oder Benzin gefüllt waren, so der Staatsanwalt, hätten diese explodieren können. Der Vorsitzende Richter erklärte in der Urteilsbegründung, dass „viele Menschen“ im HdW und in den angrenzenden Wohnungen „in Gefahr gewesen“ und „Fluchtwege durch die Rauchentwicklung versperrt“ gewesen seien.

Der Staatsanwalt nannte den 26-Jährigen „eine tickende Zeitbombe“, weil er jederzeit wieder Leute „angreifen, ausrauben oder Feuer legen“ könnte. „Unter den jetzigen psychischen Bedingungen“ sei er ein „Kandidat für die Sicherheitsverwahrung.“

Weitere Verurteilungen

Über die versuchte schwere Brandstiftung hinaus verurteilte das Gericht den 26-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung, weil er einen Mann mit einer zerbrochenen Bierflasche verletzt hatte. Ferner wegen Raubes und vorsätzlicher Körperverletzung: Er hatte einen 16-Jährigen gezwungen, die Geldbörse herauszugeben und ihn dabei misshandelt. Der Richter betonte, dass der Täter trotz Drogenkonsums vor den Taten in zwei Fällen „voll steuerungs- und einsichtsfähig“ gewesen und dies in dem anderen Fall „nicht auszuschließen“ sei.

Ein Gutachter hatte von „hoher Aggressivität und überschießenden Reaktionen“ bei dem Täter gesprochen, die offenbar mit dessen zerrissenen Familienverhältnissen als Heranwachsender sowie langjährigem Drogenmissbrauch im Zusammenhang stünden.

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