25 Jahre Krebsberatungsstelle
Schirmherr Lansink macht vieles leichter

Münster -

Mit einem Festakt in der Speicherstadt begeht die Krebsberatung Münster am 19. Mai ihr 25-jähriges Bestehen. Im Interview spricht die Leiterin Gudrun Bruns über die aufgaben und Ziele der Beratungsstelle.

Sonntag, 22.04.2018, 15:00 Uhr
Gudrun Bruns leitet die Krebsberatungsstelle seit ihrer Gründung im Jahr 1993.
Gudrun Bruns leitet die Krebsberatungsstelle seit ihrer Gründung im Jahr 1993. Foto: Oliver Werner

Mit einem Festakt in der Speicherstadt feiert die Krebsberatung Münster am 19. Mai ihr 25-jähriges Bestehen. Gudrun Bruns ist die Frau der ersten Stunde: Die Sozialpädagogin und Psychoonkologin begann 1993 – damals als Gast des Sozialdienstes am Universitätsklinikum – mit ihrer psychosozialen Beratung für Patienten und Angehörige zu allen Fragen rund um das Thema Krebs.

Mittlerweile leitet sie im Gesundheitshaus ein 14-köpfiges Team, das im gesamten Münsterland beratend tätig ist. Mit ihr sprach Redakteur Lukas Speckmann.

Eine Krebsdiagnose 1993 und heute – gibt es einen spürbaren Unterschied?

Bruns: Was die medizinische Seite betrifft: Es liegen Welten dazwischen. Heute gibt es ganz andere Möglichkeiten der Diagnostik, vor allem bei der Früherkennung. Und selbst mit Metastasen können Menschen bei guter Lebensqualität noch lange leben. Das gab es früher nicht.

Ihre Zielgruppe hat sich also verändert?

Bruns: Als ich angefangen habe, war Krebs häufig eine akut lebensbedrohliche Erkrankung. Heute ist es eher eine chronische Erkrankung, mit der immer mehr Menschen immer längere Zeit leben können. Es gibt mittlerweile Langzeitfolgen einer Krebserkrankung, die es früher nicht gab, weil die Menschen nicht so lange gelebt haben. Die Bedeutung der psychosozialen Krebsnachsorge hat deshalb zugenommen und wird immer wichtiger. 1993 gab es etwa 250 Ratsuchende – heute sind es 3300 jährlich.

Hat sich in diesen 25 Jahren die Einstellung zu einer Krebserkrankung geändert?

Bruns: Nicht wesentlich, besonders das Angstgefühl ist unverändert hoch. Und zwar unabhängig von der tatsächlichen Situation: In Deutschland sind Herz- und Kreislauferkrankungen Todesursache Nummer eins, aber sie sind offensichtlich nicht so angstauslösend wie Krebs.

Warum ist das so?

Bruns: Das hat vor allem mit Unsicherheit zu tun. Es kann sein, dass man vorbeugend alles richtig gemacht hat – und trotzdem bekommt man Krebs. Die Symptome dieser schweren Erkrankung treten erst sehr spät auf, und obwohl es heute viele therapeutische Möglichkeiten gibt, kann man nicht sicher sagen, ob eine Therapie wirklich anschlägt. Die Patienten werden sehr schnell mit den Grenzen des Möglichen und Machbaren konfrontiert. Daraus ergeben sich besondere Veränderungen im Alltag, wenn beispielsweise die Leistungsfähigkeit abnimmt, die Feinmotorik nachlässt, das soziale Umfeld sich zurückzieht oder Depressionen auftreten.

Was kann die Krebsberatung tun?

Bruns: Was wir seit mittlerweile 25 Jahren erfolgreich tun: die Lebensqualität der Patienten und ihrer Angehörigen gezielt nach ihren Bedürfnissen verbessern. Wir beraten persönlich an 14 Orten im Münsterland, bieten Vorträge und Gesundheitskurse an und vermitteln Kontakt zu Spezialisten oder Selbsthilfegruppen. Es können sich Betroffene und Angehörige in jedem Alter und jeder Phase der Erkrankung an uns wenden.

Medizinische Beratung gehört nicht zu dem Angebot der Krebsberatung?

Bruns: Das machen andere Experten, einige Ärzte beraten zweimal im Monat ehrenamtlich bei uns. Es ist kaum möglich, alles aus einer Hand anzubieten. Aber natürlich spielen medizinische Themen immer wieder eine Rolle, das greift ineinander. Zum Team der Krebsberatung gehören neben Sozialpädagoginnen, Psychologinnen und zwei Verwaltungskräften auch eine Seelsorgerin und eine Ärztin.

Alles Frauen?

Bruns: Alles Frauen. Ich würde mir zwar wünschen, ein gemischtes Team zu haben, aber es bewerben sich kaum Männer. Das hat vermutlich auch mit den Arbeitsbedingungen zu tun: Da wir ständig um unsere Finanzierung kämpfen müssen, können wir nur befristete Verträge anbieten. Darauf gehen überwiegend Frauen ein. Es ist allerdings auch so, dass vor allem Frauen unsere Beratung wahrnehmen, etwa 70 Prozent.

Sind Männer allgemein weniger von Krebs betroffen?

Bruns: Sogar etwas häufiger. Wir achten deshalb auf Themen, die auch Männer ansprechen, etwa Sport und Bewegung. Aber Frauen scheinen sich insgesamt leichter zu tun, Beratung in Anspruch zu nehmen und über Gefühle zu sprechen. Der Zugang zu unserem Angebot wird jedenfalls enorm erleichtert, wenn Krebspatienten bereits am Krankenbett darauf hingewiesen werden. Es muss unbedingt niedrigschwellig sein – und kostenlos.

Wie finanzieren Sie das?

Bruns: Träger der Krebsberatung ist das Tumornetzwerk e. V., darüber gibt es Mitgliedsbeiträge. Wir erhalten als einzige Krebsberatung in NRW auch Förderung durch die Deutsche Krebshilfe – aber wir sind kein Bestandteil des Gesundheitssystems. Deshalb ist die finanzielle Ausstattung nie gesichert. Wir müssen einen wichtigen Teil über Spenden abdecken.

Und hier kommt Wilsberg-Darsteller Leonard Lansink ins Spiel  . . .

Bruns: Die Spenden über Benefizveranstaltungen einzunehmen ist für uns viel leichter geworden, seit Leonard Lansink unser Schirmherr ist. Er engagiert sich persönlich, nimmt sich viel Zeit und ist inhaltlich interessiert. Gemeinsam mit Georg Bertling hat er 2003 das Promi­kellnern ins Leben gerufen – eine tolle Sache, auch weil damit das Thema Krebs mal mit einer Spaß­aktion in Verbindung gebracht wird. Es gibt natürlich noch weitere Unterstützung: Einige Sponsoren sind seit vielen Jahren dabei, dafür sind wir sehr dankbar.

Ihr größter Wunsch?

Bruns: Ein bedarfsgerechtes Angebot finanzieren zu können. Langfristig hoffen wir auf eine Regelförderung durch die Sozialversicherungen, aber dafür ist noch viel politische Arbeit erforderlich. Der Wunsch nach finanzieller Sicherheit begleitet uns seit 25 Jahren.

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