„Tag der offenen Klöster“ in Münster
Gebete rahmen den Alltag

Münster -

Das Leben im Kloster oder in einer Ordensgemeinschaft besteht längst nicht nur aus Beten. Das zeigte sich am Samstag beim „Tag der offenen Klöster“ in Münster. Der verschaffte einen tiefen Einblick in das Leben, das von Gebeten gerahmt wird.

Sonntag, 22.04.2018, 17:00 Uhr aktualisiert: 23.04.2018, 10:12 Uhr
Schwester Irmgardis führte die Gäste bei den Franziskanerinnen durch das Haus, gab Einblicke in das klösterliche Leben – und offenbarte ihre tiefe Verbundenheit zum Fußballverein SV Werder Bremen.
Schwester Irmgardis führte die Gäste bei den Franziskanerinnen durch das Haus, gab Einblicke in das klösterliche Leben – und offenbarte ihre tiefe Verbundenheit zum Fußballverein SV Werder Bremen. Foto: Anna Spliethoff

Obwohl der Ring nur einen Steinwurf entfernt liegt, ist es im Garten der Franziskanerinnen St. Mauritz idyllisch. Der Straßenlärm ist kaum auszumachen, Vögel zwitschern. Beim Schritt in das moderne Mutterhaus steigt der Geruch von Erbsensuppe in die Nase. Gleich ist Schwester Hiltrud zur Stelle, sie empfängt die Gäste.

Die Franziskanerinnen St. Mauritz haben sich am Samstag am bundesweiten „Tag der offenen Klöster“ beteiligt. Die Deutsche Ordensoberenkonferenz hatte dazu zum zweiten Mal aufgerufen. In Münster beteiligten sich auch die Clemensschwestern, die Canisianer, die Hiltruper Missionsschwestern und die Vorsehungsschwestern. Sie öffneten Gästen ihre Türen, boten Rundgänge an und setzen sich mit den Besuchern für Gespräche zusammen.

Bei den Franziskanerinnen an der Sankt-Mauritz-Freiheit leben 75 Schwestern. Die jüngste ist 50 Jahre alt, die älteste 102. Doch die Zahlen sind rückläufig, gibt Schwester Hiltrud zu: „Leider gibt es keine jungen Menschen, die in unseren Orden eintreten.“ Doch die Schwestern haben Hoffnung: „Wir gucken auch, was wir ändern können.“ So bieten die Franziskanerinnen Frauen die Möglichkeit für eine Auszeit. Den Vorsehungsschwestern, die am Hoppendamm leben, fehlt es ebenfalls an Nachwuchs, wie Schwester Paula sagt. „Trotzdem wollen wir weiter so leben“, sagt die Schwester, die mit drei anderen die Leitung des Hauses übernommen hat.

„Tag der offenen Klöster“: Orden öffnen ihre Türen

1/17
  • Die Vorsehungsschwestern hatte die Gäste auch zu ihrer Vesper, dem Abendgebet, eingeladen.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Schwester Irmgardis (l.) führte die Besucher durch das Mutterhaus der Franziskanerinnen.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Bei den Vorsehungsschwestern sorgte ein Chor für die musikalische Untermalung bei der Vesper.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Bei den Vorsehungsschwestern sorgte ein Chor für die musikalische Untermalung bei der Vesper.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Schwester Irmgardis lebt seit fast 30 Jahren bei den Franziskanerinnen. Am „Tag der offenen Klöster“ bot sie Führungen an.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Schwester Irmgardis gab den Besuchern viele Einblicke in das Mutterhaus der Franziskanerinnen.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Die Canisianer hatten am Samstag zu einem gemeinsamen Kaffeetrinken eingeladen, um mit den Gästen ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Oliver Werner
  • Reges Treiben herrschte bei den Canisianern. Viele Gäste nutzten die Chance, um Gespräche mit Ordensmitgliedern zu führen.

    Foto: Oliver Werner
  • Das Kloster der Canisianer in Münster.

    Foto: Oliver Werner
  • Idyllisch – so sind die Klöster in Münster meist gelegen. Vom Straßenlärm umliegender Verkehrsachsen ist nur wenig zu hören.

    Foto: Oliver Werner
  • Modern und groß ist das Mutterhaus der Franziskanerinnen, das gleich neben dem Franziskus-Hospital gelegen ist. Das haben die Schwestern vor vielen Jahren gegründet.

    Foto: Oliver Werner
  • Eine deftige Erbsensuppe wurde bei den Franziskanerinnen auftischt. Zum Nachtisch gab es die Leibspeise der Schwestern: Maracuja-Creme.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch bei den Franziskanerinnen kamen am Samstag viele Besucher vorbei.

    Foto: Oliver Werner
  • Gemeinsam an einem Tisch: Die Franziskanerinnen hatte zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Führungen durch das Mutterhaus der Franziskanerinnen waren sehr begehrt.

    Foto: Oliver Werner
  • Am Mittag luden die Franziskanerinnen die Gäste ein, am Gebet teilzunehmen.

    Foto: Oliver Werner
  • Am Mittag luden die Franziskanerinnen die Gäste ein, am Gebet teilzunehmen.

    Foto: Oliver Werner

Den „Tag der offenen Klöster“ sehen beide Schwestern als Chance. „Wir wollen ein Haus der offenen Tür sein“, sagt Schwester Paula. Man wolle vor allem schräge Bilder, die viele Menschen vom Leben im Kloster haben, durch realistische ersetzen. Deshalb luden die Vorsehungsschwestern ihre Gäste ein, ins Gespräch zu kommen und an der Vesper, dem Abendgebet, teilzunehmen.

Für Schwester Hiltrud bei den Franziskanerinnen war die Teilnahme am „Tag der offenen Klöster“ wichtig, um sich zu begegnen: „Das ist für mich persönlich das Wichtigste.“ Gemeinsam mit ihren Ordensschwestern gab sie einen tiefen Einblick in den Alltag im Mutterhaus. Alle Schwestern gehen einer Arbeit nach, einige noch immer im Franziskus-Hospital, andere in Altenheimen, als Näherinnen oder auch in der Küche. Doch alles schaffen die Schwestern nicht mehr alleine, 50 Mitarbeiter haben sie beschäftigt: Männer, Frauen, Andersgläubige. Mitten im Gespräch klingelt ihr Smartphone, über den kurzen Dienstweg wird das Programm besprochen. Eine Führung steht an.

Schwester Irmgardis dreht mit etwa 20 Gästen eine Runde durch das Mutterhaus, zeigt das kleine Museum im Keller und die große Mutterhauskirche. „Die hat mehr Sitzplätze als der Dom“, sagt die Schwester stolz. Sie selbst lebe seit gut 30 Jahren im Orden – „und immer noch gerne“. Der Alltag im Orden werde durch die Gebete gerahmt, doch auch für Hobbys bleibe noch Zeit. „Abends gucken wir oft zusammen die Nachrichten“, betont sie die große Rolle, die die Gemeinschaft zwischen den Frauen einnimmt. Sie selbst schaltet den Fernseher aber auch gerne an, wenn Fußball läuft: „Ich bin Werder-Bremen-Fan.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5678658?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker