Henry Purcells „King Arthur“ als Opernprojekt der Musikhochschule
Heldentum und Schurkerei

Münster -

„England ist seine geschichte. englische geschichte. alle andern sind ein herzloser kreislauf.“ So resümierte einst der Experimentalpoet Ernst Jandl, und tatsächlich kultivierte England neben Inseldasein und Nationalstolz teils eine hochkarätige Verspätung in Angelegenheiten der Kunst. Aber nicht zu allen Zeiten der Musikgeschichte: Neben den englischen Madrigalisten der Renaissance zählt Henry Purcell (~1659-1995) zu den avancierten Größen der Musik überhaupt. Seine dramatische Oper „King Arthur, or The British Worthy“ – historisch eine Multimedia-Show – war nun als „Opernprojekt 2018“ in der Musikhochschule zu erleben.

Sonntag, 22.04.2018, 17:06 Uhr aktualisiert: 22.04.2018, 17:30 Uhr
Henry Purcells „King Arthur“ als Opernprojekt der Musikhochschule: Heldentum und Schurkerei
König Arthur wird in dieser Szene nach seinem Sieg über die Sachsen von verführerischen Sirenen umringt. Foto: -mos-

Ein Tisch, zwei Stühle, ein paar Leinwände und eine Prinz-Eisenherz-Garde, die mit starrer Miene über das Bühnengeschehen (Inszenierung: Benedikt Borrmann) wachte: das Setting (Ausstattung: Pia Oertel) schwelgte in minimalistischen Anwandlungen, würde sich im Anti-Spektakulären aber als perfekte Kulisse erweisen. Studierende der Gesangsklassen Annette Koch, Ines Krome, Birgit Breidenbach und Katrin Arnold übernahmen Solo- wie Chorpartien des heroischen Sujets, das trotz opulenter Schlachtszenen und Festzüge eher von Intimität und Innenspannung erfüllt ist.

Bereits für „Ouvertüre and Air“ fand das Kammerorchester, von Hyolim Chi vom Cembalo aus geleitet, zu Attacke und Schwung, auch wenn es mitunter aus der Intonationskurve flog. Historische Aufführungspraxis war Trumpf, der französische Einfluss auf die tänzerische und elanvolle Musik blieb so fabelhaft hörbar.

Die Geschichte um König Arthur, der gegen die von König Oswald angeführten Sachsen als Invasoren zu Felde zieht, diese besiegt, dann drei Akte lang von bösen Geistern, Unholden und verführerischen Sirenen gequält wird, bevor er schließlich triumphiert, erschien vollkommen auf menschliche Extremdaten konzen-triert: Heldentum und Schurkerei, das Zauberische des Guten, die Haltlosigkeit des Bösen.

Obwohl die Inszenierung auf die Ikonographie des barocken Weltbildes abzielte – „Games of Thrones“ ohne Dolby-Surround-Radau – blieb die Heldensage Arthurs dennoch eine Geschichte von realer Gegenwart: In der schwarzen Alltagskleidung ebenso wie in der ungekünstelten Darstellung, im untheatralischen, farbigen Gesang, szenisch im ad-hoc-Tempo der Szenenwechsel oder der Zurschaustellung einer Armee von Pappkameraden. Die Beleuchtung wechselte die Farben wie Jahreszeiten, ein weißes Laken wogte im Tiefseeblau wie die Wellen des stürmischen Meeres, Gut und Böse entzogen sich perfiden Plattitüden, wie sie momentan Konjunktur haben.

Begeisterter Beifall für die großartige Aufführung einer geniale Oper über fantastische Wirklichkeit. Rule, Britannia!

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