Zweites Kinderkonzert im Kleinen Haus
Wer wetteifert mit wem?

Münster -

Streit und Versöhnung – das kennen schon die Kleinsten. Im zweiten Kinderkonzert zog dieser Wesenszug des Allzumenschlichen programmatisch mit einem barocken Kompositionsprinzip gleich: Das lateinische „concertare“ – für: „miteinander wetteifern“ – erschien als musikalische Gestik fast den Strapazen und der Muße des Alltags entnommen: „Wer hat sich heute morgen gewaschen und die Zähne geputzt?“, forschte im Kleinen Haus Moderatorin Barbara Overbeck ins Auditorium hinein – und zuverlässig schossen viele Hände in die Höhe. „Das war im Barock anders“, erklärte Overbeck, „es gab damals keine Toiletten.“ Der Barock muss eine komische Zeit gewesen sein.

Sonntag, 22.04.2018, 17:06 Uhr aktualisiert: 23.04.2018, 14:00 Uhr
Huch! Barbara Overbeck (2. v. l.) begrüßte eine Dame aus der Barockzeit im zitronengelben Reifrock-Kostüm.
Huch! Barbara Overbeck (2. v. l.) begrüßte eine Dame aus der Barockzeit im zitronengelben Reifrock-Kostüm. Foto: mosi

Auf der Bühne das Sinfonieorchester Münster unter Stefan Veselka, auf einer Leinwand das Fürstbischöfliche Schloss Münsters. Eleven der „Ballettschule Heidi Sievert“ gruppierten sich um eine junge Dame, deren Allongeperücke makellos mit ihrem Reifrock-Kostüm harmonierte. Aus heiterem Himmel brach ein Streit im Orchester aus, und die Reifrock-Trägerin erklärte pikiert: „Das Hofballett zieht sich zurück!“ Doch halt! Das war eine „Fake Battle“, denn in einem Orchester „müssen sich alle vertragen“, mahnte Overbeck. Zur Demonstration folgte ein Tänzchen von Händel samt Halleffekten in den Hörnern.

Dann ging es in Georg Friedrich Telemanns Garten, in dem es viele Tiere gab. Zum Beispiel? „Vögel!“, zwitscherte irgendwo ein Stimmchen, und auf leisen Sohlen kam Theresa Volpert (12 Jahre) angeschlichen und entlockte ihrer Piccolo-Blockflöte sprühende Koloraturkaskaden. Vom Tonband her frohlockten nun andere Stimmen des Gartens. „Ein Schwein!“, tippte jemand siegesgewiss. „Ein Schwein im Gartenteich?“, fragte Overbeck erstaunt. Es war wohl eher ein Frosch.

Eine Note genügte dem Barock-Cembalisten, um nun ein ganzes Tier-Konzert zu improvisieren. Das münstersche Rathaus wiederum erhielt den Ritterschlag: „Was ist hier geschlossen worden?“, fragte Overbeck, Antwort eines Jungen: „Der Ewige Frieden“. Hätte Heinrich Ignaz Franz Biber das gewusst, sein „Klagelied der verwundeten Musketiere“ hätte vielleicht weniger traurig geklungen.

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