Bauprojekt beschäftigt Gericht
Torhäuschen bremst Neubau aus

Münster -

Ein Bauprojekt am Neutor beschäftigt das Verwaltungsgericht. Die Besitzer des benachbarten historischen Torhäuschens haben gegen den Bauvorbescheid und gegen die Baugenehmigung geklagt. Das Vorhaben beeinträchtige den Denkmalcharakter des Torhäuschens, so die Kläger.

Montag, 23.04.2018, 09:00 Uhr aktualisiert: 23.04.2018, 21:40 Uhr
Hinter dem Torhäuschen am Neutor sollen zwei neue Gebäude errichtet werden. Das Projekt beschäftigt derzeit das Verwaltungsgericht.
Hinter dem Torhäuschen am Neutor sollen zwei neue Gebäude errichtet werden. Das Projekt beschäftigt derzeit das Verwaltungsgericht. Foto: Matthias Ahlke

Das Bauvorhaben, über das derzeit am Verwaltungsgericht gestritten wird, soll an einer prominenten Stelle realisiert werden – am Neutor, dort, wo die Wilhelmstraße in die Steinfurter Straße mündet. Hier befinden sich das Deutsch-Niederländische Korps – und ein denkmalgeschütztes Torhäuschen aus dem 18. Jahrhundert. Ohne das Torhäuschen würden die beiden Häuser mit zusammen 22 Wohnungen, die ein Investor errichten will, vermutlich längst stehen. Denn es gibt nicht nur einen positiven Bauvorbescheid, sondern auch eine Baugenehmigung. Dagegen allerdings hat der Besitzer des Torhäuschens Klage eingereicht. Er sieht sein Denkmal in Gefahr. Am Montag hat das Verwaltungsgericht über die Klage gegen den Bauvorbescheid verhandelt.

Die Kernfrage: Ist das Neubauprojekt mit dem historischen Gemäuer vereinbar? Nein, meinen die Kläger und führen eine ganze Reihe von Gründen an. Jenes Gebäude, das direkt an der Straße entstehen soll – ein weiteres ist in der zweiten Reihe geplant –, beeinträchtige das denkmalgeschützte Torhäuschen „erheblich“, so der Klagevertreter am Montag vor Gericht. Es werde regelrecht entwertet, da es zu nah an das Torhäuschen heranrücke. Mit einer Höhe von annähernd zehn Metern sei es zudem überdimensioniert. „Der Solitärcharakter des Denkmals wird zerstört“, so der Anwalt – zudem sei es künftig von der Straße aus nicht mehr so gut zu sehen wie bisher.

Anders die Einschätzung der Stadt. Deren Rechtsvertreter verweist vor Gericht darauf, dass die Untere Denkmalbehörde (Stadt) im Einvernehmen mit der Oberen Denkmalbehörde (Landschaftsverband) zum Schluss gekommen sei, dass der Neubau in Sachen Denkmalschutz verträglich sei.

Stundenlang wird am Montagvormittag über Details gestritten. Die Abstandsflächen sind nach Ansicht der Klageseite zu gering, nach Ansicht von Stadt und Investor genau richtig. Das modern gestaltete Projekt betone die Einzigartigkeit des historischen Gebäudes, meint der Investor – es zerstöre sie, meint der Klagevertreter. Zwischendurch entsteht Verwirrung, ob für die Karten richtig vermessen wurde – und ob es sich bei dem Torhäuschen auf den Planzeichnungen des Investors tatsächlich um das richtige Gebäude handelt (schließlich steht auf der anderen Straßenseite das Pendant).

Am Ende appelliert der Richter an beide Seiten, einen Kompromiss zu finden. Alles andere könne zu weiteren, jahrelangen und zudem teuren gerichtlichen Auseinandersetzungen führen – bei denen es am Ende auf jeden Fall einen Verlierer geben werde. Doch beide Seiten wollen nicht von ihrer Position abrücken. Innerhalb der kommenden zwei Wochen wird der Richter sein Urteil zu den Detailpunkten, die am Montag verhandelt wurden, beiden Seiten schriftlich zustellen.

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