Do., 26.04.2018

Wilma T. kämpft sich zurück in den Alltag 54-Jährige wurde bei Amokfahrt schwer verletzt

Wilma T. wurde im Evangelischen Krankenhaus Johannisstift von Chirurgie-Chefarzt Dr. Stefan Nöschel (l.) und Oberarzt Dr. Johannes Graf betreut. Am Montag wird die 54-Jährige aus dem Krankenhaus entlassen.

Wilma T. wurde im Evangelischen Krankenhaus Johannisstift von Chirurgie-Chefarzt Dr. Stefan Nöschel (l.) und Oberarzt Dr. Johannes Graf betreut. Am Montag wird die 54-Jährige aus dem Krankenhaus entlassen. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Am 7. April wollte Wilma T. mit ihrer Schwester in Münster nur das schöne Wetter genießen. Kurze Zeit später liegt sie mit schwersten Verletzungen im Evangelischen Krankenhaus Johannisstift. Sie ist ein Opfer der Amokfahrt.

Von Anna Spliethoff

Der 7. April hat das Leben von Wilma T. komplett verändert. Sie saß auf dem Kiepenkerl-Platz, als Jens R. seinen Camping-Bus in die Menge steuerte. Die Frau aus Metelen war mit ihrer Schwester in Münster. „Wir waren mit dem Fahrrad unterwegs und wollten das tolle Wetter genießen“, sagt die 54-Jährige über jenen Tag vor knapp drei Wochen.

Zufällig am Kiepenkerl-Platz vorbeigekommen

Eher zufällig seien die beiden Frauen am Kiepenkerl-Platz vorbeigekommen, da habe ihre Schwester etwas trinken wollen. „Ich habe mein Fahrrad erst gar nicht abgeschlossen. Ich dachte, wir bekommen keinen Platz. Es war rappelvoll“, erinnert sich Wilma T. „Aber so Gott wollte, haben wir einen Platz bekommen.“

Wilma T. hat den Lieferwagen nicht kommen sehen

Bei einem Kellner hatten die Frauen gerade Getränke bestellt, da sei es auch schon passiert. Wilma T. hat den Lieferwagen nicht kommen sehen: „Ich saß am Eingang zum Platz, mit dem Rücken zur Bogenstraße.“ Doch darüber ist sie ganz froh: „Zum Glück habe ich nichts mitbekommen.“

An die nächsten Minuten kann sich die 54-Jährige nicht erinnern. Plötzlich sei sie wach geworden: „Da lag ich auf dem Domplatz auf einer Trage.“ Neben ihr zahlreiche Verletzte. Ihr erster Gedanke: „Wo ist meine Schwester?“ Ein Helfer habe sie beruhigt und sie auf die zahlreichen Hubschrauber am Himmel hingewiesen.

Fotostrecke: Chronologie der Amokfahrt in Bildern

Komplexe Verletzungen

Es ist das letzte Bild, an das sich Wilma T. erinnert, bevor sie in das Evangelische Krankenhaus Johannisstift (EVK) gebracht wird. Im OP-Saal wird sie noch einmal wach: „Um mich herum standen 25 oder 30 Menschen.“ Sofort wird Wilma T. von Chirurgie-Chefarzt Dr. Stefan Nöschel und Oberarzt Dr. Johannes Graf operiert. „In der Woche darauf haben wir sie noch einmal acht Stunden operiert“, sagt Nöschel. Ihre Verletzungen seien sehr komplex gewesen.

Das weiß auch Wilma T.: „Mein Becken war dreimal gebrochen, im Rücken saß eine Schraube und mein Fußgelenk war gesplittert.“ Doch die Einzelhandelskauffrau kämpft sich zurück: „Mit dem Rollator kann ich schon gehen. Wir üben jetzt mit Krücken“, sagt sie. „Am Montag wird sie entlassen“, sagt Dr. Stefan Nöschel. „Und das aufrecht gehend“, betont sein Kollege. Drei Wochen wird die 54-Jährige in einer stationären Reha verbringen, danach geht es nach Hause. Ihre Schwester ist schon länger aus dem Uniklinikum entlassen, ihre Verletzungen seien nicht so schwer gewesen.

Die Amokfahrt hat sie völlig aus dem Leben gerissen

Wird Wilma T. heute gefragt, wie es ihr geht, sagt sie: „Es geht.“ Mit dem Erlebten komme sie bisher gut zurecht, Albträume habe sie nicht. Ob sich das ändert, wenn die 54-Jährige in ihren Alltag zurückkehrt, können weder sie noch die Ärzte voraussagen. Doch Familie und Freunde sind für Wilma T. da. „Fast ein bisschen zu viel. Das Telefon klingelt ständig“, sagt sie schmunzelnd. In der Reha wolle sie sich ganz auf sich konzentrieren – und das Erlebte nicht ständig wieder erzählen müssen.

Die Amokfahrt hat Wilma T. völlig aus dem Leben gerissen. „Man rechnet mit sowas ja nicht“, sagt sie. Doch Trübsal blasen sei nicht ihr Ding. „Ich war immer schon ein Mensch, der nach vorne gesehen hat“, sagt Wilma T.. Am meisten freue sie sich auf ihren Alltag und darauf, „wenn ich wieder laufen und Fahrrad fahren kann“.

Fotostrecke: Nach Amok-Fahrt: Rückkehr zur Normalität

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