Notfallvorsorge im Verbund von Archiven, Bibliotheken und Museen
Erste Hilfe für Kulturgüter

Münster -

Historisches Gut von Weltrang schien zunächst verloren nach dem Einsturz des Stadtarchivs in Köln. Wie aber läuft eine „erste Hilfe“ für empfindlichste Archivalien?

Freitag, 27.04.2018, 23:00 Uhr
Erste Hilfe für Kulturgüter in einem Ernstfall: Blick in einen Notfallcontainer.
Erste Hilfe für Kulturgüter in einem Ernstfall: Blick in einen Notfallcontainer. Foto: Stadt Münster

Historisches Gut von Weltrang schien zunächst verloren nach dem Einsturz des Stadtarchivs in Köln. Wie aber läuft eine „erste Hilfe“ für empfindlichste Archivalien? Wie trifft man Vorsorge bei großen wie kleinen Notfällen, die wertvolles Kulturerbe beschädigen oder gar unwiederbringlich vernichten können? In Münster gründete sich bereits 2010 ein Notfallverbund, an dem sich zunächst Archive und Bibliotheken beteiligten. Jetzt trafen sich Mitglieder bundesdeutscher Notfallverbünde im Stadtarchiv zum jährlichen Austausch über Bergung und Vorbeugung.

65 Teilnehmende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hieß Anja Gussek als Vorsitzende des örtlichen Notfallverbundes willkommen, darunter auch Dr. Bernhard Preuss vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Auch neun Jahre nach der Kölner Katastrophe sind die Folgen und Konsequenzen für Archivare und Historiker immer noch Thema, heißt es in einer städtischen Mitteilung. Vertreter des Historischen Archivs der Rheinmetropole plädierten für die Bildung von „Netzwerken der fachlichen Solidarität“. 21  Archive und Bibliotheken hatten sich im Vorjahr in Köln in einem Notfallverbund zusammengetan. Und Münster? Seit 2012 ist man hier mit Notfallcontainern gegen Ernstfälle gewappnet. Nass-Sauger, Notstromaggregat, Schutzkleidung, mobile Arbeitstische, vielerlei Kisten für sichere Transporte, aber auch Handwerksutensilien, leisten beim Sichern von Kulturschätzen beste Dienste. Da aber nicht jedes Museum und Archiv diese Hilfsmittel in Eigenregie bereithalten kann, wurde der Container von allen Einrichtungen gemeinsam bestückt und zentral bei der Feuerwehr deponiert. Sie transportierte ihn jetzt eigens zum Workshop in die Speicherstadt, wo er auf hohes Interesse stieß. Zum Glück wurde er bisher nicht gebraucht.     

Auch bei Kunstobjekten spielt der Faktor Zeit im Schadensfall eine entscheidende Rolle. So präsentierte Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé im Stadtmuseum einen neuen Notfallwagen mit Verpackungsmaterial und Anleitungen für bevorzugt zu rettende Museumsexponate.

Weniger um Erstversorgung als um Prophylaxe und Bekämpfung ging es beim Thema „Schädlinge als schleichende Notfälle“. Das Papierfischchen ist so ein Fall, ein widerstandsfähiges Insekt, das dunkle Räume mag  und sich durch Bücher, Dokumente und Briefe frisst. Wie dieser sich in Museen und Archiven rasant ausbreitenden Bedrohung beizukommen ist, erfuhren die Workshop-Teilnehmer bei Vorträgen.

Veranstalter waren die Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz des BBK, das Landesarchiv NRW und der Notfallverbund Münster.  

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5692231?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker