Fr., 27.04.2018

Stadt informiert über die WLE-Reaktivierung Der Bus soll den Zug ergänzen

An diesem Bahnsteig sollen sollen im kommenden Jahrzehnt die Züge aus Sendenhorst halten. Hinten im Bild das Parkhaus Bremer Platz

An diesem Bahnsteig sollen sollen im kommenden Jahrzehnt die Züge aus Sendenhorst halten. Hinten im Bild das Parkhaus Bremer Platz Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Am 15. Mai will die Stadt auf einer Bürgerversammlung über den geplanten Zugverkehr zwischen Münster und Sendenhorst informieren. Wichtiger Aspekt ist dabei auch die Zukunft der Buslinie 8.

Von Klaus Baumeister, Ralf Repöhler

Bei der rund 40 Millionen Euro teuren Reaktivierung des Zugverkehrs auf der Trasse der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) zwischen Sendenhorst und Münster geht die Stadt Münster in die Offensive. Sie stellt die Pläne bei einer Informationsveranstaltung am 15. Mai (Dienstag) von 18.30 bis 21.30 Uhr in der Mehrzweckhalle der Stadtwerke, Hafenplatz 1, vor. Dabei soll es auch darum gehen, welche Auswirkung der für das kommende Jahrzehnt angestrebte Zugverkehr auf den Busverkehr, näherhin auf die Linie 8, hat.

In einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Oberbürgermeister Markus Lewe, dass die WLE-Trasse der erste Abschnitt einer neuen Münsterland-S-Bahn mit den Haltepunkten Hafen, Messezentrum, Loddenheide, Gremmendorf, Angelmodde und Wolbeck sein könnte. „Schon heute erkennt man die ersten Module an der Ostseite des Hauptbahnhofs, wo ein neuer Bahnsteig dafür entstanden ist. Das musste vor der bevorstehenden Bebauung des großen Platzes an der Ostseite erledigt werden“, sagt Lewe.

In einer Pressemitteilung tritt Stadtbaurat Robin Denstorff derweil den Befürchtungen entgegen, dass der Busverkehr der Linie 8 komplett eingestellt werden könnte. Derlei Überlegungen seien „nicht zuletzt aufgrund der seit Jahren bekannten Wachstumsdynamik Münsters überholt“, so der Stadtbaurat.

Zugleich warnt Denstorff Busfahrgäste vor überzogenen Erwartungen und verweist auf eine von der WLE in Abstimmung mit der Stadt Münster vorgenommene Kosten-Nutzen-Analyse. Sie kommt zu dem Ergebnis: „Eine Stadtbuslinie 8 in der heutigen Linienführung und Taktung sowie ein zusätzliches Angebot durch die WLE im 20-Minuten-Takt ist als weitgehend paralleles Angebot nicht wirtschaftlich.“

Deshalb spricht Denstorff auch bewusst von einem „ergänzenden Busangebot“, zumal der volkswirtschaftliche Nutzen der angestrebten Lösung mindestens so groß sein müsse, wie die öffentlich finanzierte Investition. Ansonsten sei eine öffentliche Förderung für die WLE-Reaktivierung nicht möglich.

Eine veränderte Buslinienführung der Linie 8 durch das Gewerbegebiet Loddenheide (heutige Führung der Gewerbelinie 17), mit Anbindung der York-Kaserne und einem durchgehenden 20-Minuten-Takt zwischen Münster-Hauptbahnhof bis Haltestelle Altehof (Gremmendorf) sowie anschließend im Stundentakt bis zur heutigen Endhaltestelle Nogatstraße (Wolbeck) ist „aller Wahrscheinlichkeit nach wirtschaftlich“, wie die Stadt mitteilt.

Wünschenswert aus städtischer Sicht wäre eine Variante mit einem durchgehenden 20-Minuten-Takt der Line 8 von und nach Wolbeck. „Aus heutiger Sicht könnte diese eventuell auch wirtschaftlich sein“, heißt es weiter. Hier seien aber noch weitere Berechnungen erforderlich.

An dem Ziel einer Reaktivierung des Zugverkehrs halten Lewe und Denstorff derweil uneingeschränkt fest. In zwei Beschlüssen in den Jahren 2012 und 2016 hatte sich der Rat zu dem Projekt bekannt.

Ziel soll jetzt ein „integriertes Bus-Schiene-Konzept“ für den Korridor Münster, Gremmendorf, Angelmodde, Wolbeck, Albersloh und Sendenhorst sein.

Ein Kommentar zum Thema

Jeder Mensch, der direkt an einer Straße wohnt, muss damit rechnen, dass Autos vor seiner Haustür fahren. Jeder Mensch, der an einer Bahntrasse wohnt, muss damit rechnen, dass dort Züge fahren.

So gesehen wäre es eine Illusion zu glauben, man könne aus dem in den vergangenen Jahren weitgehend eingeschlafenen Bahnverkehr auf der alten WLE-Trasse zwischen Sendenhorst und Münster das Recht ableiten, dass dies ewig so bleibt. In der Tat wird die Idylle so manchen Gartens in Wolbeck, Gremmendorf und Angelmodde getrübt sein, wenn demnächst die Züge im 20-Minuten-Takt vorbeirollen. Aber in der Abwägung der privaten und der öffentlichen Interessen überwiegen die Vorzüge der Reaktivierung.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es in puncto Mobilität ebenfalls Gewinner und Verlierer geben wird. Einschränkungen im Busverkehr sind der Preis dafür, dass es demnächst Verbesserungen im Zugverkehr geben kann. Sendenhorster und Albersloher kommen schneller zum münsterischen Hauptbahnhof, in Gegenzug wird manche Bushaltestelle im Südosten Münsters schlechter bedient. Hier gilt es, klug abzuwägen. Maximalforderungen helfen nicht weiter. - Klaus Baumeister



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