Kritische Blicke von rechts und links auf die SPD
Fokus auf Bildungschancen und soziale Gerechtigkeit

Münster -

Das war in der Form eine absolute Premiere. Der SPD-Ortsverein Mauritz-Erpho lud am Freitagabend Parteivertreter von CDU und Die Linke ein, um sich kritisieren zu lassen und zu erforschen, was Ursachen der Wahlniederlagen waren. Werner Stolz, ehemals Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Münster, und Rüdiger Sagel, Vorsitzender der Ratsfraktion Die Linke, folgten der Einladung von Dr. Walter Fricke.

Montag, 30.04.2018, 07:00 Uhr
Diskussion beim SPD-Ortsverein Mauritz-Erpho: Werner Stolz (CDU,l.), Walter Fricke und Rüdiger Sagel (Linke)
Diskussion beim SPD-Ortsverein Mauritz-Erpho: Werner Stolz (CDU,l.), Walter Fricke und Rüdiger Sagel (Linke) Foto: Maria Conlan

Er hatte die Idee zu diesem Gespräch, weil ihn die interne Ursachenforschung im Ortsverein „für die krachende Niederlage“ nicht befriedigte. So wollte er zusammen mit Politikern anderer Couleur „in den Abgrund blicken“. Großen Respekt erntete er für diesen Ansatz von Stolz und Sagel.

Sagel resümierte als Grund für schwindende Wählerstimmen, dass die SPD ein Höchstmaß an Glaubwürdigkeit verloren habe und sah in einer Neupositionierung die Lösung. Die SPD-Spitze sei zu weit vom Menschen entfernt. Er forderte, Bildungschancen und soziale Gerechtigkeit als Themen in den Mittelpunkt zu rücken, „auch da wird sehr viel zu tun sein“.

Stolz lobte ausdrücklich SPD-Vorsitzende Andrea Nahles als sehr ernsthafte Politikerin, die er als Ministerin immer fachlich sehr fundiert erlebt habe. Auch er bemängelte fehlende Positionierung der SPD, was mit dem Verlust des Wählervertrauens zusammen hänge. Er sprach vom personellen Verschleiß des Spitzenpersonals und mangelndem Partei-Selbstbewusstsein: „Die SPD ist eine zerrissene Partei. Sie braucht grundlegende Erneuerung“, was er personell und inhaltlich meinte. Über GroKo und Hartz IV gingen die Meinungen von Stolz und Sagel stark auseinander. Der Ton blieb ruhig.

So wurden zwei Stunden lang Meinungen ausgetauscht, auch mit Beteiligung der Zuhörer. Das Publikum bestand vorwiegend aus SPD-Parteigenossen, die bei der Diskussion immer wieder Selbstkritik äußerten, dabei trotzdem von Hoffnung und Loyalität sprachen. Eine SPD-Vertreterin forderte, sich wieder für die Menschen einzusetzen, die sich selbst nicht wehren können. Ein anderer empfahl der Meinung der Jungsozialisten größere Bedeutung zuzumessen. Fricke plant weitere Gesprächsabende, die über parteipolitische Themen hinausgehen und aktuelle Anliegen in den Fokus nehmen.

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