Dom-Orgelkonzert mit Michael Hoppe
Geistvolles mit allen Registern

Münster -

„Wo die Freude schwindet, der Humor stirbt, dort ist nicht länger der Heilige Geist“ zitiert Komponist Naji Hakim den ehemaligen Papst Benedikt XVI. aus dessen Buch „Jesus von Nazareth“. Und schreibt, als dritten und letzten Satz seiner „Trois Paraphrases sur Veni Creator“, zu diesem Zitat einen auffallend fröhlichen Schlusssatz: ein bunter Reigen um ein kleines musikalisches Motiv, entfernt an eine dörfliche Polka erinnernd, kraftvoll nach vorn tanzend.

Sonntag, 29.04.2018, 18:44 Uhr aktualisiert: 30.04.2018, 18:56 Uhr
Michael Hoppe an der Domorgel in Münster
Michael Hoppe an der Domorgel in Münster Foto: Heike Eickhoff

Organist Michael Hoppe hatte das Werk Hakims am Samstag zum österlichen Orgelkonzert im Dom mitgebracht, dessen Programm er ganz unter das Motto „Veni Creator“ gestellt hatte. Hakims dreisätziges Werk geht musikalisch hörbar programmatisch mit den Satzbezeichnungen um: „Wenn wir im heiligen Geist leben, lasst uns auch im heiligen Geist wandeln“ (Galater 5,25) ist der erste Satz überschrieben – Zungenpfeifen dominierten in Hoppes Interpretation. Die Mittelstimmen wogten im zweiten Satz („Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem heiligen Geist geboren ist, kann er nicht im Reich Gottes wandeln“, Johannes 3,5) wie Wellen. Einige Töne thronten plötzlich wie leuchtende Spitzen auf den tänzelnden Wogen. Melodisch und harmonisch bewegt sich Hakim hier eindeutig in der Neuen Musik, doch ohne sich allzu sehr auf schroffes musikalisches Neuland vorzuwagen.

Buxtehude folgte mit „Nun bitten wir den heiligen Geist“ (BuxWV 208), die Polyphonie dieser Musik kam glasklar hervor. Die „Toccata sur le Veni Creator“ von Gaston Litaize folgte – Musik des 20. Jahrhunderts. Ein springlebendiges, technisch anspruchsvolles Werk, bei Michael Hoppe technisch und musikalisch bestens aufgehoben. Bach, Dand­ri­eux und Maquaire gab es zum Konzertbeginn. Blitzsauber gespielt, subtil registriert und frisch kam die Musik daher. Hoppe verzichtete auf Hilfe beim Registrieren, auch das Blättern der vielen Notenseiten schaffte er reibungslos allein.

Karg-Elert und Marcel Dupré beendeten das Programm. Dupré bot dem Organisten noch einmal die Gelegenheit, die ganze Klanggewalt der Domorgel zum virtuosen Ende einzusetzen. Die stehenden Ovationen der Zuhörer beantwortete Hoppe mit einer Improvisation, ebenfalls zum Thema „Veni Creator“. Wieder virtuos.

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