Autor Tilman Rademacher im Kammertheater Kleiner Bühnenboden
170 Seiten mit Versen über Gott und die Welt

Münster -

Das Buch sei „in einem halbjährigen Anfall von Euphorie“ entstanden, sagt Tilman Rademacher über seinen Gedichtband „Der Buchsommelier“. Das Ergebnis sind 170 Seiten voller Verse, die sich nicht nur mit der Welt allgemein, sondern auch mit Themen wie Gott, Literatur und Theater auseinandersetzen – alles sauber gegliedert in sechs Hauptkapitel. Am Samstag stellte der münsterische Schauspieler und Filmemacher sein Werk im Kleinen Bühnenboden vor.

Sonntag, 29.04.2018, 18:44 Uhr aktualisiert: 30.04.2018, 18:56 Uhr
Tilman Rademacher bei seiner Lesung, die auch in Gebärdensprache übersetzt wurde.
Tilman Rademacher bei seiner Lesung, die auch in Gebärdensprache übersetzt wurde. Foto: Helmut Jasny

„Haha, sehr lustig“ ist eines der Kapitel überschrieben. Darin findet sich „Das Gedicht auf der Lichtung“, das genau dort stehen muss, um schön zu sein, und nicht etwa im Dschungel, wo es erbarmungslos „zugetextet und umwortet untergeh’n“ müsste. Auch den titelgebenden Text über den Buchsommelier, der bei jedem Buch blind Jahrgang und Verlag erschnüffelt, hat Rademacher in die Humor-Rubrik gepackt.

Hinunter in die Abgründe des Lebens geht es in dem Gedicht „Die Senke“, das Anleihen bei Goethe nimmt. „Unter allen Gipfeln“ findet der Mensch hier keineswegs Ruhe, sondern faulendes Astwerk und allerlei GPS-Signale. Zudem noch eine dunkle Schwermut, die den Dichter in sich hineinzuziehen droht und vor der ihn nur der erwachende Tag retten kann. Rademachers Verse konfrontieren das Erhabene mit dem Peinlichen und verknüpfen dabei hohe Töne mit umgangssprachlichen Formulierungen. Auch Tragik und Komik stehen in den Texten nah beieinander – etwa bei seinem „Versuch über das Lampenfieber“, der die Nöte eines Schauspielers beschreibt und dabei mit einem raffinierten Zeilensprung aufwartet: „Warum nur steht Schuld und Sühne / auf dem Programm / und ich nicht auf der Bühne?“

Nicht nur für das Ohr, auch für das Auge hatte die Buchvorstellung einiges zu bieten. Begleitet wurde sie nämlich von dem Gebärdendolmetscher Tom Temming und seinen Studentinnen Ines Kaufhold, Lena Sparn und Diana Kines. 

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