Electrical Walk mit Christina Kubisch
Münsters geheime Geräusche

Münster -

Wie klingt Münster? Das findet man leicht raus, indem man durch die Straßen läuft. Aber wie klingt das geheime Münster? Die Welt der Ströme und elektromagnetischen Felder? Das enthüllte am Wochenende die Klangkünstlerin Christina Kubisch. Bei ihren „Electrical Walks“ durch die Innenstadt machte sie den Sound von Lichtsystemen, Transformatoren und Bankautomaten hörbar. Dazu hat sie Kopfhörer mit Induktionsspulen ausgerüstet, die auf elektromagnetische Felder reagieren.

Sonntag, 29.04.2018, 18:45 Uhr
Christina Kubisch (3.v.r.) mit ihrer Gruppe vor dem Dom
Christina Kubisch (3.v.r.) mit ihrer Gruppe vor dem Dom Foto: Helmut Jasny

Los geht es vor der Touristen-Information. Hier surrt und rauscht es schon mächtig. Das wird noch stärker, wenn man an den Modegeschäften am Prinzipalmarkt entlang läuft. Vor allem die Sicherheitsschleusen am Eingang haben viel zu erzählen. Man versteht sie zwar nicht, aber es klingt bedrohlich – ein bisschen wie die Hubschrauber bei Pink Floyd. Und wenn man sich dreht oder einen Schritt zur Seite macht, kann man den Sound verändern und sich seine eigene Konsum-Hymne komponieren. Was die Teilnehmer auch machen und erstaunte Blicke von den Passanten ernten.

Münster sei reich an elek­tromagnetischen Klängen, sagt Kubisch. Besonders die Innenstadt mit ihren ganzen Geschäften habe einiges zu bieten. Zum Beweis führt sie ihre Gruppe in die Parfümabteilung von Karstadt, um sich die Unterschiede zwischen Gucci und Chanel anzuhören. Ihr Lieblingsklang sei der Stand von Dior, sagt Kubisch. Tatsächlich wirkt das elektronische Fauchen hier ein bisschen exklusiver, in der Kopfnote sogar leicht „zitrisch“. Während Armani offenbar Probleme hat, sich gegen die in der Nähe platzierte Kasse durchzusetzen.

Auf dem Weg zum Domplatz wird noch an Telefonzellen, Taxis und Stromkästen gelauscht. Die elektronische Fahrplan-Anzeige an der Bushaltestelle animiert einige der Teilnehmer sogar zu einem Tänzchen. Vor dem Dom selber ist nur noch ein leises Knistern zu hören, und drinnen herrscht dann himmlische Ruhe. Da halten sogar die Magnetfelder inne. Ganz anders sieht es bei den Geldautomaten in den Arkaden aus. Einer, der gerade Geld ausgibt, tut das mit einem Wasserfall aus Blubbergeräuschen kund.

Sehr mitteilsam zeigt sich schließlich auch die Tiefgarage mit all ihren Stromkabeln, während die parkenden Limousinen nur ein schläfriges Brummen von sich geben.

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