Jürgen Lemkes „Ortungen“ im Pumpenhaus
Baustellen des Theaters markiert

Münster -

Das Theater im Pumpenhaus ist eine Baustelle. Allerdings keine Baustelle im herkömmlichen Sinne, denn hier ist kein Baulärm zu hören, und nirgendwo wird mit Zement oder Backsteinen gearbeitet. Im Gegenteil: Im Foyer spielt ruhige Musik, und an der Bar warten Besucher auf Kaffee und Kuchen. Wer genauer hinsieht, erkennt dann aber doch die rot-weißen Absperrbänder, die sich im Raum verteilen. Der Künstler Jürgen Lemke hat sie angebracht; sie sind Teil seiner Installation und der Veranstaltung „Ortungen 2018: Theater im Pumpenhaus“, mit der die „Wildwuchs“-Woche von „Monokultur“ am Sonntag zu Ende gingen.

Montag, 30.04.2018, 18:56 Uhr
An alter Wirkungsstätte: Jürgen Lemke zeigte seine „Ortungen“ im Pumpenhaus zum Abschluss der „Wildwuchs“-Wochen.
An alter Wirkungsstätte: Jürgen Lemke zeigte seine „Ortungen“ im Pumpenhaus zum Abschluss der „Wildwuchs“-Wochen. Foto: Keno Fiedler

Mit den Bändern markiert Lemke jene öffentlichen Orte, an denen Veränderung passiert: gesellschaftliche „Baustellen“, besonders dort, wo Arbeit verrichtet wird oder sich Berufswelten verändern. Arbeit ist eines der essenziellen Themen in Lemkes Schaffen. Er zeigt die Veränderungen moderner Arbeitsorte auf – zwischen Digitalisierung und Rationalisierung.

Dafür will er nun auch die eigenen Leute sensibilisieren. Mit Flatterband markiert er eben jene Arbeitsorte im Theater. Szenen, die fernab der Bühne spielen, und die kaum jemand wahrnimmt: Licht- und Tontechnik, Aktenschränke, Reinigungsarbeiten – alles auf einem Bildschirm im Foyer zu sehen. Lemke hat außerdem Fragebögen an die Mitarbeiter des Theaters verteilt und nachgeforscht, wo sie die Baustellen an ihrem Arbeitsplatz sehen. „Es geht immer nur um die Bühnenpräsentation.“ Er wolle die Arbeit hinter den Kulissen zeigen.

Dabei irritiert Lemke gelegentlich bewusst. Zuerst sei er noch „Fremdkörper“ für die jungen Mitarbeiter gewesen. Die Älteren im Pumpenhaus aber kennen ihn und seine Kunst, denn Lemke verbindet eine längere Historie mit dem Theater und der Freien Szene Münsters. In den Achtzigern hat Lemke selbst hier gearbeitet; für das Haus empfinde er besondere Wertschätzung.

Das alles ist Thema seines Vortrages, den Lemke nach dem Empfang im Foyer hält. „Es geht um meine künstlerische Arbeit“, sagt er und stellt eine Auswahl seiner Projekte vor. Es sind Beispiele aus über 20 Jahren künstlerischen Wirkens, und Lemkes Motivation ist unverändert hoch. Das Kunstschaffen sei ihm ein „inneres Bedürfnis“, meint er: „Ich kann gar nicht anders.“

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