Katholikentag vor dem Start
Der Programm-Macher im Interview

Münster -

Er koordiniert mehr als 1000 Veranstaltungen - und behält trotzdem den Überblick. Andreas Kratel ist der Programm-Macher des Katholikentags. Jetzt hofft er auf gutes Wetter und hat im Programm selbst eine Überraschung erlebt, wie er im Interview verrät.

Sonntag, 06.05.2018, 11:00 Uhr aktualisiert: 09.05.2018, 11:44 Uhr
Für das Programm verantwortlich: Dr. Andreas Kratel
Für das Programm verantwortlich: Dr. Andreas Kratel Foto: Dirk Anger

Er kennt das Programm des am Mittwoch beginnenden Katholikentags in Münster wohl wie kein Zweiter: Dr. Andreas Kratel (50) ist Programmchef des fünftägigen Großevents. Der promovierte Theologe wohnt seit 30 Jahren in der Domstadt – und freut sich auf das Heimspiel.

Gemessen an den weit über 1000 Veranstaltungen dürfte der Katholikentag in Münster der bisher größte der Geschichte sein: Wie findet sich der Besucher bei diesem Angebot zurecht?

Kratel: Das ist in der Tat eine große Fülle – was daran liegt, dass für jeden etwas dabei sein soll. Denn es kommen sehr, sehr viele Menschen und die sollen sich später nicht beschweren, dass für sie nichts dabei war. Das Programm ist einfach zu sortieren in der Katholikentags-App. Ich empfehle allen, die ein Smartphone haben, sich diese kostenlose App herunterzuladen.

Und dann?

Kratel: In der App gibt es verschiedene Suchmöglichkeiten. Man kann sich ein eigenes Programm zusammenstellen, indem man etwa nach thematischen Stichworten sucht. Wer sich für den Kontinent Afrika interessiert, gibt dies als Stichwort ein: Dann kommen alle Veranstaltungen, die sich mit Afrika beschäftigen heraus – vom Bundesentwicklungsminister bis zum Zeitzeugengespräch mit einem afrikanischen Flüchtling.

Diese Promis kommen zum Katholikentag 2018

1/26
  • Viele Prominente unterschiedlicher Genres haben bereits zugesagt, vom 9. bis 13. Mai 2018 zum Katholikentag nach Münster zu kommen, darunter Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, Sängerin Leslie Clio, Ayman Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime), Kardinal Reinhard Marx, Entertainer Götz Alsmann und ZDF-Journalistin Bettina Schausten.

    Foto: gap (Montage)
  • Norbert Lammert, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung und bis 2017 Bundestagspräsident

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Markus Lewe, Münsters Oberbürgermeister, und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Frank Bsirske, Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di

    Foto: dpa
  • Franz Müntefering, ehemaliger Bundesvorsitzender der SPD

    Foto: dpa
  • Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz

    Foto: dpa
  • Jörg Schönenborn, Fernsehdirektor des WDR

    Foto: dpa
  • Kasper König, Kurator der Skulptur-Projekte Münster

    Foto: dpa
  • Bettina Schausten, Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios in Berlin

    Foto: ZDF / Klaus Weddig
  • Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Kabarettist

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Götz Alsmann, Entertainer

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Leslie Clio, Sängerin

    Foto: dpa
  • Manfred Lütz, katholischer Theologe und Buchautor

    Foto: dpa
  • Ayman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland

    Foto: dpa
  • Andreas Steinhöfel, Schriftsteller

    Foto: Dirk Steinhöfel
  • Julia Klöckner, Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag Rheinland-Pfalz

    Foto: dpa
  • Frank Walter Steinmeier, Bundespräsident

    Foto: dpa
  • Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag

    Foto: dpa
  • Hermann Gröhe, geschäftsführender Bundesgesundheitsminister

    Foto: dpa
  • Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

    Foto: dpa
  • Prof. Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie und Professor für
    Islamische Religionspädagogik in Münster

    Foto: dpa
  • Margot Käßmann

    Foto: dpa
  • Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern für Bau und Verkehr

    Foto: dpa
  • Monika Grütters, Staatsministerin, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

    Foto: dpa
  • Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz

    Foto: dpa
  • Pater Anselm Grün OSB

    Foto: dpa

Wer sich für einen Tagesbesuch auf dem Katholikentag entscheidet: Wie könnte dessen Fahrplan aussehen?

Kratel: Am Freitag und Samstag kann ich den Tag um 8 Uhr mit einem Gottesdienst oder Tagzeitengebet beginnen. Dann gehe ich um 9.30 Uhr zu einem biblischen Impuls, wo prominente Mitwirkende eine festgelegte Bibelstelle vorlesen. Jetzt muss ich mich entscheiden, ob ich draußen bleibe etwa zur Kirchenmeile gehe oder an den Outdoor-Bühnen gucke. Wenn ich politisch interessiert bin, gehe ich vielleicht zu einer Podiumsveranstaltung in die Halle Münsterland. Mittags kann man sich mit einem Katholikentagsteller verpflegen. Und dann kann ich die vielen kleinen Veranstaltungen besuchen wie eine Werkstatt, wenn was ich etwa Biblisches machen möchte, oder ich gehe ins Jugendzentrum. Später gönne ich mir das umfangreiche Kulturprogramm.

Die Podiumsveranstaltungen gelten als die inhaltlichen Höhepunkte.

Kratel: Richtig, da kommen Bundespräsident Steinmeier und Bundeskanzlerin Merkel, aber auch Staatspräsident Santos. Insgesamt gibt es 32 große Podien mit prominenten Politikern, wo die Kernthemen des Katholikentags zur Sprache gebracht werden. Diese Veranstaltungen finden jeden Tag um 11, 14 und 16.30 Uhr statt.

Das Motto „Suche Frieden“ scheint wichtiger denn je zu sein?

Kratel: Leider ist das hoch aktuell. Schöner wäre es, wenn wir den Frieden nicht suchen müssten, sondern ihn schon hätten. Wobei wir sagen: Es geht uns um den politischen Frieden genauso wie um den Frieden in der Gesellschaft, in den Familien – und den Frieden mit uns selbst. Und es geht natürlich um den Frieden mit Gott.

Da kommt der Programmbereich „Lebenswelten“ ins Spiel. Was verbirgt sich dahinter?

Kratel: Wir haben da alles zusammengefasst, was Menschen von der Wiege bis zu Bahre in ihrem Leben begegnet. Da geht es um Familienplanung, Familie und Beruf genauso wie um Mann und Frau, um das Zusammenleben in Partnerschaft und Beziehung sowie um die Bewältigung von Konflikten im Zusammenleben.

Wo finden sich im Programm die basiskirchlichen Bewegungen?

Kratel: Die verschiedenen Basis-Gruppen wie „Kirche von unten“ kann man über die App suchen. Wir haben Veranstaltungen, die sich mit den basiskirchenpolitischen Herausforderungen beschäftigen etwa mit Beteiligungsformen. Die Gruppen präsentieren sich auch auf der Kirchenmeile.

Welche Rolle spielen andere Religionen?

Kratel: Wir haben seit vielen Katholikentagen einen eigenen Bereich für den interreligiösen Dialog, der Schwerpunkt ist christlich-jüdisch und christlich-muslimisch. Diese Veranstaltungen finden hauptsächlich in der Gesamtschule Mitte statt. Da kann man etwas über andere Religionen lernen, da finden Gespräche zwischen den Religionsvertretern statt.

Angesichts der Vielzahl der Veranstaltungen stellt sich Frage, für welche man eine Eintrittskarte braucht.

Kratel: Grundsätzlich braucht man bei uns immer eine Karte, wenn man eine Tür durchschreitet und es kein Gottesdienst ist. Alles was draußen ist oder was Gottesdienst heißt, kann man ohne Karte besuchen. Für die Podiumsveranstaltungen, Werkstätten, also alles was in Gebäuden stattfindet, braucht man eine Karte. Schließlich kosten Organisation und Durchführung des Katholikentags viel Geld.

Alle 50 000 Programmhefte sind vergriffen...

Kratel: In diesem Punkt haben wir die Münsteraner und das Bistum Münster wohl unterschätzt. Erstmals sind die Programmhefte aber kostenlos gewesen.

Was ist als Programmchef Ihr privates Highlight?

Kratel: ­Dass es meine Kolleginnen und Kollegen geschafft haben, an mir vorbei eine kleine Musikveranstaltung ins Programm zu schmuggeln, bei der es um das Neue Geistliche Lied geht. Sie heißt „NGL mit Schüttelei“ – das ist mein privates Highlight.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5709759?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker