Skulptur bleibt in der Apostelkirche
Rückkehr der eigenen Stärke

Münster -

Einen fünfstelligen Euro-Betrag haben Mitglieder der Apostelkirchengemeinde insgesamt gespendet, um dieses Kunstwerk dauerhaft in ihrer Kirche zu haben: „See me“ – eine lebensgroße Bronzeskulptur der niederländischen Bildhauerin Lotta Blokker. Die 38-Jährige hatte während der „Skulptur-Projekte“ im vergangenen Jahr bereits dieses und 13 weitere Werke in der Kirche und im Haus der Niederlande präsentiert.

Sonntag, 06.05.2018, 17:38 Uhr
Lotta Blokker (2.v.r.) stellte „See me“ vor. Sarah Breuer (l.) dolmetschte aus dem Englischen, Ulrich Bartels vertrat das Presbyterium.
Lotta Blokker (2.v.r.) stellte „See me“ vor. Sarah Breuer (l.) dolmetschte aus dem Englischen, Ulrich Bartels vertrat das Presbyterium. Foto: klm

Rund 39 000 Besucher sahen in der Schau von Juni bis Oktober Blokkers Darstellungen von trauernden Menschen, die als Ausstellung mit Werken von Käthe Kollwitz kombiniert waren. Zu „See me“ (übersetzt „Sieh mich“) sagte Blokker: „Ich habe versucht, einen Menschen nach schwerer physischer und psychischer Qual darzustellen.“ Nach seiner Erlösung teile er diese Erfahrung mit anderen. „Das Erscheinungsbild ist das Leiden Christi: Der Körper des Mannes hat noch immer die Form des Kreuzes, doch sein Vertrauen in die eigene Stärke ist zurückgekehrt.“

Ausdruck und Botschaft waren Gründe, warum die Gemeinde das Kunstwerk auswählte. Pfarrer Heinrich Kandzi nannte es im Gottesdienst am Sonntag „eine zeitgemäße Interpretation des Gekreuzigten“. Im „Geheimnis von ,See me‘“ stecke für ihn „etwas vom Geheimnis des Kreuzes“, so Kandzi. „Ich sehe zum einen: Wo Menschen leiden, sind sie nicht allein. Und zugleich: Gott will, dass Leiden nicht das Letzte ist. Es soll überwunden werden können.“

Lotta Blokker lehrte unter anderem sieben Jahre lang an einer Florenzer Kunstakademie und kehrte dann in ihre Heimat Amsterdam zurück. Im Atelier, erzählte sie nach dem Gottesdienst, hingen unter anderem Fotografien von Momenten, die die Öffentlichkeit erschüttert hätten. Zum Beispiel das von dem Mädchen Kim Phuc. Sie war im Vietnam-Krieg nach einem Napalm-Angriff nackt und mit brennendem Rücken die Straße hinabgelaufen. „Solche Momente lassen uns aufwachen. Ich versuche mit meiner Kunst zu verstehen, warum sie uns aufwachen lassen.“

Der Mann in „See me“ halte übrigens Arme und Hände genau so wie das Mädchen Kim Phuc auf dem historischen Foto.

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