Empfang in der Jüdischen Gemeinde
„Nie wieder Antisemitismus zulassen“

Münster -

Hoher Besuch in der Synagoge: Kardinal Marx und Bischof Genn kamen am Donnerstagabend zu einem Empfang der Jüdischen Gemeinde – und appellierten, nie wieder Antisemitismus in Deutschland zuzulassen. Zuvor fand eine christlich-jüdische Gemeinschaftsfeier statt.

Freitag, 11.05.2018, 09:36 Uhr aktualisiert: 13.05.2018, 18:54 Uhr
Der jüdische Gemeindevorsteher Sharon Fehr (l.) begrüßte am Donnerstagabend in der Synagoge Kardinal Reinhard Marx (M.) und Bischof Felix Genn.
Der jüdische Gemeindevorsteher Sharon Fehr (l.) begrüßte am Donnerstagabend in der Synagoge Kardinal Reinhard Marx (M.) und Bischof Felix Genn. Foto: Matthias Ahlke

„Wir dürfen nie wieder Antisemitismus zulassen“, stellte am Donnerstagabend Kardinal Reinhard Marx in der Synagoge klar. Die Jüdische Gemeinde hatte anlässlich des Katholikentages zu einem Empfang eingeladen, rund 200 Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Gesellschaft nahmen teil, darunter neben dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz auch der münsterische Bischof Felix Genn.

„Unsere jüdischen Freunde sollen wissen: Diesmal werden wir nicht von eurer Seite weichen, wenn Ihr uns braucht“, so Marx gegenüber unserer Zeitung. Dies hatte er zuvor auch schon in einem persönlichen Gespräch dem Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, versichert. „Wenn einer solchen Zusage auch Taten folgen, dann ist das wunderbar“, so Lehrer. Er wertete den Besuch von Marx und Genn als einen Beleg dafür, dass sich Christentum und Judentum in Deutschland auf Augenhöhe befinden.

Sharon Fehr, Vorsteher der Jüdischen Gemeinde in Münster, hatte in seiner Begrüßung betont: „Wir brauchen unsere Freunde. Der Antisemitismus ist nicht tot. Das hat sich in den letzten Wochen und Monaten wieder erschreckend gezeigt.“ Fehr verwies darauf, dass es sich keineswegs nur um durch arabische Flüchtlinge importierten Antisemitismus handele, sondern dass es auch nach wie vor Antisemitismus in Teilen der deutschen Gesellschaft gebe.

Unter den Gästen in der Synagoge waren auch Oberbürgermeister Markus Lewe, Regierungspräsidentin Dorothee Feller und Polizeipräsident Hajo Kulisch. Auch TV-Moderator Eckart von Hirschhausen und der Journalist und Präsident des Evangelischen Kirchentages 2019, Hans Leyendecker, nahmen teil.

Vor dem Empfang fand in der Gesamtschule Mitte eine christlich-jüdische Gemeinschaftsfeier statt. „Wie beschämend ist es, was unser Volk dem jüdischen Volk im Laufe der sich christlich nennenden Geschichte angetan hat“, betonte dabei Bischof Genn. Der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Thomas Sternberg, sagte: „Dass Juden heute angefeindet werden, ist ein Skandal. Wir müssen als Christen allen rassistischen Äußerungen entgegentreten und erst dann Ruhe geben, wenn keine jüdische Einrichtung in Deutschland mehr Schutz braucht.“

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