Konzert des Arab-Jewish Orchestra aus Tel Aviv
Musik überwindet Feindschaften

Münster -

„Zugabe!“ Die begeisterten Rufe hallten von den Aaseetreppen bis zur Bühne. Viele hatten sich von den Sitzen erhoben. Was die Begeisterung ausgelöst hatte, war wohl nicht die Musik alleine – es war das Gefühl, eine Völkerversöhnung in Tönen erlebt zu haben.

Freitag, 11.05.2018, 17:00 Uhr aktualisiert: 13.05.2018, 16:22 Uhr
Trotz ungemütlich nasskalten Wetters löste das Arab-Jewish Orchestra aus Tel Aviv bei seinem Konzert auf der Aaseebühne Begeisterung aus. Am Ende riss es die Zuhörer von den Sitzen.
Trotz ungemütlich nasskalten Wetters löste das Arab-Jewish Orchestra aus Tel Aviv bei seinem Konzert auf der Aaseebühne Begeisterung aus. Am Ende riss es die Zuhörer von den Sitzen. Foto: Arndt Zinkant

„Zugabe!“ Die begeisterten Rufe hallten von den Aaseetreppen bis zur Bühne. Viele hatten sich von den Sitzen erhoben. Was die Begeisterung ausgelöst hatte, war wohl nicht die Musik alleine – es war das Gefühl, eine Völkerversöhnung in Tönen erlebt zu haben. Eben deshalb gibt es das Arab-Jewish Orchestra aus Tel Aviv, das sich nun schon seit 2002 daran macht, muslimische und jüdische Israelis musizierend zu vereinen. Und zwar mit jener Musik, die ihrer Tradition entspricht: Jüdischer und orientalischer Folklore, die mal traditionell daherkommt, mal poppig und mal klassisch.

Das machte Laune; solche Klänge hört man nicht oft. Darauf durfte es dann auch ruhig ein paar Tropfen vom Himmel regnen; da passte dieses Konzert gut, das gleichsam ein paar Tropfen musikalischen Balsam auf den Jahrzehnte schwelenden Nahostkonflikt legte.

Während Daniel Barenboim mit seinem „West-Östlichen Divan“-Orchester auf die abendländische Klassik setzt, servierte das Arab-Jewish Orchestra unter Nizar Al Khater einen Strauß Crossover-Musik. Und was es auch spielte – alles war mit morgenländischem Sound glasiert. Dafür bürgten die zupfenden Vier in der ersten Reihe. Drei Meister der Ud und ein Mandolinenspieler, der seine wilden Soli sichtlich genoss. So talentiert die Übrigen der jungen 20-köpfigen Truppe auch waren, das Herz des Sounds pulsierte in den orientalischen Ud-Saiten.

Weniger genial wurde der Bogen zum Abendland zurückgeschlagen. Anfangs erklang mit Bach der Fixstern aller Musik – „Bach Goes East“ mit der berühmten C-Moll-Passacaglia, komponiert von Tzvi Avni; exotisch. Das Nachsehen hatte Johannes Brahms. Der langsame Satz aus seiner dritten Sinfonie wurde im Arrangement „verklezmert“ und kippte am Schluss in so schrägen Katzenjammer, dass wohl nicht nur Puristen die Stirn runzelten. Vielleicht gibt es in der Kunst doch noch Grenzen. Die zwei Gesangssolisten indes eroberten mit orientalischen Pop-Balladen (von Matti Caspi und Shimrit Or) im Nu die Herzen. Wie sagte es Dirigent Al Khater: „We love each other.“

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