Performance „Farb-Klänge“ von Thomas B. Schulz in St. Joseph
Malen bis zur Friedenstaube

Münster -

Es fällt nicht schwer, sich Gott als göttlichen Inspirator vorzustellen: Von Giottos Freskengemälde in der Cappella degli Scrovegni bis Bachs „Matthäuspassion“ reicht die Liste größter Kunstwerke – und weit darüber hinaus. Thomas B. Schulz‘ begann seine Performance „Farb-Klänge“ in der Josephkirche anlässlich des Katholikentags mit einem Zitat aus dem Buch Genesis: „Mit allen Farben (= Regenbogen), die Himmel und Erde verbinden, gedenke ich des Bundes, den ich mit euch geschlossen“. Dann folgt „Ein Kunstwerk entsteht live – inspiriert durch Musik“.

Freitag, 11.05.2018, 17:04 Uhr aktualisiert: 13.05.2018, 16:22 Uhr
Thomas B. Schulz malte in der Josephkirche parallel zu den Klängen der Orgel.
Thomas B. Schulz malte in der Josephkirche parallel zu den Klängen der Orgel. Foto: Günter Moseler

Es fällt nicht schwer, sich Gott als göttlichen Inspirator vorzustellen: Von Giottos Freskengemälde in der Cappella degli Scrovegni bis Bachs „Matthäuspassion“ reicht die Liste größter Kunstwerke – und weit darüber hinaus. Thomas B. Schulz‘ begann seine Performance „Farb-Klänge“ in der Josephkirche anlässlich des Katholikentags mit einem Zitat aus dem Buch Genesis: „Mit allen Farben (= Regenbogen), die Himmel und Erde verbinden, gedenke ich des Bundes, den ich mit euch geschlossen“. Dann folgt „Ein Kunstwerk entsteht live – inspiriert durch Musik“.

Stefan Schirjajew zieht an der Fleiter-Orgel für Schulz‘ ersten Pinselstrich dunkle Register, als wollte er kurz an die Finsternis vor Erschaffung der Welt erinnern. Ein Martinshorn grätscht kurz in die Anfangstakte von Edvard Griegs „Morgenstimmung“, deren Hit-Melodie sich nicht stören lässt. Jetzt greift der münsterische Maler zu Farbtuben, grundiert mit lockerem Handgelenk und wirft ein gelbes Abstraktum auf die Leinwand. Sofort sucht sich die Musik neue (Um-)Wege, lässt Motive frei fliegen und durchs Medium der Klänge einen Sonnenaufgang erahnen. Als Schulz improvisierend eine labile blaue Säule an den linken Bildrand platziert, die sich wie zu einem blauen Baumstamm verdichtet, flaniert die Orgel etwas ratlos durch verirrte Motive.

Zunehmend zielstrebiger geht es beim Priester und Rektor der Akademie Franz Hitze Haus auf der Leinwand weiter, im Soundtrack tupft es impressionistisch. Die Farbe im Grünen rinnt aus freiem Willen herunter, die Orgel balgt sich mit einer Volksweise. Plötzlich versetzt der Maler dem Bild einen leichten Stich mit dem Pinsel – eine Nase? Tatsächlich verwandelt sich der grüne Stamm in ein menschliches Profil, als wache es von nun an über die restliche Erschaffung des Bildes.

Ein Mann hat sich auf einer hinteren Bank lang ausgestreckt, während das Bild immer voller wirkt und das Profil aus der Nähe immer profilierter. Die Orgel lässt ihr Glockengeläut erklingen, als stünde eine Apotheose in Aussicht. Der Maler beginnt am unteren Bildrand längs blaue Streifen zu ziehen, Vögel fliegen auf, Sonnenstrahlen (also doch!) verdichten sich in der Mitte zum strahlenden Haarschopf. Über jetzt erkennbaren Wellen thront die Sonne wie eine Hoffnung, durch deren Zentrum eine Friedenstaube fliegt.

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