Katholikentag in Münster
Positive Frühbilanz: Politisch, ökumenisch, engagiert und fröhlich

Münster hat dem Katholikentag gut getan - und der Katholikentag Münster. ZdK und Bischöfe ziehen eine positive Bilanz vor Abschluss des 101. Katholikentags in Münster, der 75.000 Besucher zählte.

Samstag, 12.05.2018, 14:14 Uhr aktualisiert: 12.05.2018, 14:21 Uhr
Katholikentag in Münster: Positive Frühbilanz: Politisch, ökumenisch, engagiert und fröhlich
Foto: Wilfried Gerharz

Die Katholikentags-Bilanz von Münster glich am Samstagmittag dem Wetter. Sonnenschein, höchstens hier und da ein paar Wölkchen. Mehrere Aspekte fasste ZdK-Präsident Thomas Sternberg bilanzierend zusammen.

Das Leitwort "Suche Frieden" habe "einen Nerv" getroffen, sagte Sternberg - von der instabilen Weltlage bis hin zur innergesellschaftlichen Kontroverse zum bayerischen Kreuzerlass und zur Diskussionskultur unter den Bischöfen hinsichtlich einer möglichen Zulassung evangelischer Ehepartner zur Eucharistie: Alle diese Themen zeigten: "Die Suche nach Frieden ist bitter nötig."

Herausragend nannte Sternberg die Veranstaltungen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel. Sternberg hatte Steinmeier nach dessen Teilnahme zugeraunt: "Sie haben hier sicher viele Tausend neue Freunde gewonnen!"

Lichtblicke wurden auch im katholisch-evangelischen Gespräch registriert. Sternberg: "Die Ökumene ist kein Auslaufmodell, sie liegt den Menschen immer noch sehr am Herzen!" Der münsterische Katholikentag habe zudem das "frische und aufgeweckte Gesicht der Kirche" gezeigt und deutlich gemacht, "welche Potenziale in der Kirche steckten - jenseits von Finanzskandalen und Missbrauchsfällen".

"Münster hat dem Katholikentag gut getan - und der Katholikentag Münster", so bilanzierte Sternberg. Katholikentag und Stadt seien eine "perfekte Symbiose" eingegangen. "Allein schade ist, dass die Menschen 88 Jahre auf so etwas warten mussten."

Bischof Felix Genn stimmte dem uneingeschränkt zu: "Es ist alles friedlich geblieben, die Menschen fühlen sich in Münster ausgesprochen wohl." Dennoch sei das Kirchentreffen keine "Friede-Freude-Eierkuchen-Veranstaltung" gewesen. Der Bischof bezeichnete die Diskussionen vor allem zum Leitwort als "offen, konstruktiv, differenziert, manchmal auch zugespitzt", aber immer als "respektvoll": "Auch Kirchenkritiker müssen einräumen, dass es einen solchen breiten öffentlichen Diskurs heute nur noch auf evangelischen Kirchentagen und Katholikentagen gibt", so Genn.

Der Bischof hob besonders auch die christlich-jüdischen Begegnungen und Feiern hervor und fand ein besonders Wort des Lobes für Bundespräsident Steinmeier: "Es war stark, was er uns gesagt hat. Wir brauchen heute mehr denn je Politikerinnen und Politiker, die sich in ihrer Amtsführung nicht von Meinungsumfragen, bevorstehenden Wahlen oder Machtgier leiten lassen, sondern von einer Haltung, die darauf basiert, dass jeder Mensch eine unantastbare Würde hat und dass der Friede das höchste aller Güter ist."

Glaube und Kirche befänden sich in einem Wandel: "Wandel heißt nicht immer nur Niedergang." Wandel bedeute, Neues zu wagen. Besonders hat es Genn gefreut, "wie viele junge Christinnen und Christen sich bei diesem Katholikentag ganz selbstverständlich und öffentlich zu ihrem Glauben bekannt haben." Genn dankte allen Helfern, Polizisten und Sanitätern für ihren Einsatz, vor allem auch der Stadt Münster und allen Bürgerinnen und Bürgern, und zeigte sich geradezu gerührt: "Es macht mich stolz, Bischof eines Bistums mit solch großartigen Menschen zu sein, die einfach für andere da sind."

Dem schloss sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx an: "Es braucht ein solches Forum, und wir Bischöfe sind dankbar dafür." In Zeiten der Säkularisierung, der Fundamentalisierung, aber auch der Instrumentalisierung von Religion und Glaube gelte es, "einen klaren Kopf" zu bewahren: "Dafür ist der Katholikentag gut!" Die Menschen müssten die anstehenden Fragen engagiert und ruhig angehen. Für Marx trug der Katholikentag einen starken ökumenischen Akzent. "Das Drängen wird größer. Wir begrüßen das!" Auch in der Streitfrage einer pastoral begründeten Zulassung protestantischer Ehepartner zur Eucharistie hofft Marx trotz einigen Gegenwindes in der Bischofskonferenz auf größtmögliche Einmütigkeit unter den Bischöfen.

Thomas Sternberg hob in diesem Kontext abschließend hervor, dass der Papst den Bischofskonferenzen deutlich mehr Kompetenzen  und Spielraum gewähre: "Das ist gut so!" Dies müsse auch im Kirchenrecht verankert werden.

Die Zahl der Katholikentagsteilnehmer hat sich noch etwas erhöht. Zu. Den 50 000 Dauergästen rechnete Geschäftsführer Roland Vilsmaier am Samstag noch 25.000 Tagesgäste hinzu. 75 000 Teilnehmer, das hat es seit Berlin 1990 nicht mehr gegeben. Ein Grund mehr für ZdK-Präsident Thomas Sternberg, zum Abschluss des Katholikentages in seiner Heimatstadt zufrieden zu strahlen.

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