Vierspuriger Ausbau der Warendorfer Straße bis Telgte
B 51: Grüne befürchten Kahlschlag

Münster-Ost -

Dem bevorstehenden vierspurigen Ausbau der Warendorfer Straße zwischen Münster und Telgte würden nach Einschätzung der Grünen über 500 Bäume zum Opfer fallen. „Allein in der ersten Reihe direkt an der Straße wären es 358 Bäume: 229 auf dem Gebiet der Stadt Münster, 129 auf Telgter Grund und Boden“, berichtet Meinolf Sellerberg, Fraktionssprecher in der Bezirksvertretung Münster-Ost.

Dienstag, 15.05.2018, 06:54 Uhr aktualisiert: 15.05.2018, 07:32 Uhr
Der Bundesverkehrswegeplan sieht vor, dass die Bundesstraßen B 51 und B 64 zwischen Münster und Rheda ausgebaut werden sollen. Dem vierspurigen Ausbau der Warendorfer Straße würde nach Ansicht der Grünen die Fällung mehrerer Hundert Bäume bedeuten.
Der Bundesverkehrswegeplan sieht vor, dass die Bundesstraßen B 51 und B 64 zwischen Münster und Rheda ausgebaut werden sollen. Dem vierspurigen Ausbau der Warendorfer Straße würde nach Ansicht der Grünen die Fällung mehrerer Hundert Bäume bedeuten. Foto: Matthias Ahlke

Die Grünen beiderseits der Stadtgrenze hatten am Wochenende zur Zählung aufgerufen. Dabei sollten laut Pressemitteilung nur solche Bäume erfasst werden, die in einem Meter Höhe einen Stammumfang von mindestens 60 Zentimetern aufweisen. „Auf einem Streifen von 20 Metern neben der jetzigen B 51 würde alles abrasiert“, meint der Telgter Ratsherr Gerd Klünder.

Ersatz für eine nie gebaute Autobahn

Damit ist ein Thema erneut auf der Tagesordnung erschienen, das zumindest in der Wahrnehmung der münsterischen Öffentlichkeit immer noch hinter dem Ausbau der Umgehungsstraße zurücksteht. Wie berichtet, wurde der vierspurige Ausbau der Bundesstraßen B 51 und B 64 zwischen Münster und Rheda 2016 in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Im Grunde handelt es um einen Ersatz für eine nie gebaute Autobahn zwischen dem Münsterland und Ostwestfalen, den die einen für überfällig, die anderen für überflüssig halten. Unbestritten: Es ist eine sehr weitreichende Maßnahme mit erheblichen Konsequenzen nicht nur für Münster-Ost.

So wird die Umgehungsstraße aussehen

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  • In Richtung Norden zeigt diese Animation. Es handelt sich praktisch um die Einfahrt in den Trog, im Bild die Brücke am Laerer Landweg.

    Foto: Straßen NRW
  • Der Knotenpunkt Wolbecker Straße ist auf dieser Animation zu sehen. Die Zu- und Abfahrten sind mehrspurig, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Auch auf der Wolbecker Straße wird es im Kreuzungsbereich erhebliche Veränderungen geben.

    Foto: StraßenNRW
  • So soll es Ende dieses Jahrzehnts an dem Knotenpunkt Umgehungsstraße (B 51), Warendorfer Straße und B 481 aussehen. Der Landesbetrieb Straßen NRW als Bauherr hat eine Animation veröffentlicht. Zur Orientierung:Die große Straße, die in der Mitte nach oben führt, ist die neue B481. Sie verbindet den Knotenpunkt mit dem Schifffahrter Damm. Nach links geht die Warendorfer Straße in Richtung Innenstadt, nach rechts in Richtung Telgte. Die große Straße unten ist die B 51 in Richtung Autobahnkreuz Münster-Süd. Die kleine Straße oben halbrechts ist die Dyckburger Straße, unten rechts die Mondstraße.

    Foto: Straßen NRW
  • Gut zu erkennen ist hier, wie nah die Wohnsiedlung am Stehrweg an die Umgehungsstraße heranrückt.

    Foto: Straßen NRW
  • In Richtung Süden, sprich von der Brücke am Pleistermühlenweg in Richtung Wolbecker Straße, geht an dieim Trog sind in der Mitte durch Betonriegel getrennt.

    Foto: Straßen NRW

"Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung"

Das können Christian Müller und Bernd Epmann von der Regionalniederlassung Münsterland des Landesbetriebs „Straßen NRW“ nur bestätigen. Als Abteilungsleiter und Projektleiter sind sie über den Stand genau im Bilde: Derzeit werde der Ausbau der 2,4 Kilometer langen Strecke bis zur Stadtgrenze abgestimmt. „Noch in der zweiten Jahreshälfte“ soll die sogenannte „frühe Öffentlichkeitsbeteiligung“ mit einer Informationsveranstaltung eröffnet werden.

Noch zeitiger ist mit dem Neu- und Erweiterungsbau der Straßenbrücke über die Werse zu rechnen: Die Ausschreibungen seien vorbereitet, die Pläne würden in Kürze offengelegt. Mit den Arbeiten könne voraussichtlich ab Oktober begonnen werden; sie würden zwölf bis 15 Monate dauern – und mit Abholzungen für den Bau einer Umfahrungsstrecke beginnen.

Verschiedene Kritikpunkte

Auch deshalb hat der Ausbau Gegner. In Telgte ist eine Bürgerinitiative aktiv, in Münster haben sich nun die Grünen mit ihrer Aktion positioniert. Kritisiert werden die Kosten, der Eingriff in die Landschaft und der Flächenverbrauch. Der wäre zweifellos hoch: Die neue Straße soll „anbaufrei“ sein; es würde keine direkten Zufahrten, sondern Auffahrten geben. Ziel müsse es daher sein, den Berufsverkehr zu entzerren und den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, sagt Sellerberg. Auf der anderen Seite fordert nicht zuletzt die münsterländische Wirtschaft eine leistungsfähige Ost-West-Verbindung.

Die „frühe Öffentlichkeitsbeteiligung“ soll gewährleisten, dass alle Anregungen und Einwände gehört und geprüft werden können, sagen Christian Müller und Bernd Epmann. Der eigentlich Ausbau der Warendorfer Straße werde erst in einigen Jahren beginnen. Nur die Wersebrücke müsse ihres schlechten Zustands wegen früher ausgebaut werden.

Kommentar: Beginn einer Debatte

Gemessen an der Größe und Bedeutung dieses Projekts ist es erstaunlich, dass über den Ausbau der Warendorfer Straße nicht noch viel mehr geredet wird. Seit der Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan liegen die Fakten auf dem Tisch, wenngleich über die meisten Details noch verhandelt werden muss. Eine vierspurige anbaufreie Straße ist beispielsweise die Steinfurter Straße in Höhe Nienberge: So ähnlich könnte das auch bei Handorf aussehen.

Es gibt gute Gründe für eine solche Straße. Sie wäre ein Ersatz für eine Autobahn, die in den 60er-Jahren nicht zuletzt am Widerstand der damaligen Landkreise scheiterte. Dass diese Ost-West-Achse fehlt, ist unbestritten; die Warendorfer Straße pfeift schon jetzt oft genug aus dem letzten Loch. Andererseits wäre der Eingriff in die Landschaft erheblich.

Wie auch immer die Diskussion geführt wird: Niemand sollte übersehen, dass es spätestens in diesem Jahr damit losgeht.

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