Mi., 16.05.2018

Hunderte Millionen für Konversion Mit dem Kasernen-Ankauf startet Münster ein gewaltiges Investitionsvorhaben

Oberster Vermarkter der Kasernen: Stadtkämmerer Alfons Reinkemeier

Oberster Vermarkter der Kasernen: Stadtkämmerer Alfons Reinkemeier Foto: Oliver Werner

Münster - 

Wenn der Rat der Stadt Münster am Mittwoch (17.30 Uhr, Rathausfestsaal, Prinzipalmarkt) das „Paket“ zum Ankauf der York- und der Oxford- ­Kaserne beschließt, dann geht es – direkt und indirekt – um einen satten dreistelligen Millionenbetrag.

Von Klaus Baumeister

40 Millionen Euro kostet die York-Kaserne, 32,5 Millionen die Oxford-Kaserne, hinzu kommen Nebenkosten wie Notar und Steuern. 45 Millionen Euro sind für die Erschließung der beiden neuen Quartiere veranschlagt, 15 Millionen Euro für Abriss- und Herrichtung der bislang militärisch genutzten Flächen.

Weitere 15 Millionen Euro muss die Stadt in die Hand nehmen, um den städtischen Anteil für eine neue Flüchtlingseinrichtung am Pulverschluppen nahe der Warendorfer Straße zu stemmen. Nur unter dieser ­Voraussetzung erklärt sich das Land Nordrhein-West­falen bereit, die York-Kaserne zu räumen und der Stadt zu überlassen.

Mehrheit zu dem Millionenpaket gilt als sicher

Angesichts dieser gewaltigen Summe legt manches Ratsmitglied bereits die Stirn und Falten. „Hoffentlich übernehmen wir uns nicht“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Angesichts der ge­waltigen Wohnungsnot in Münster und der Aussicht auf 3000 neue Wohnungen in Gremmendorf und Gievenbeck gilt aber eine Mehrheit zu dem Millionenpaket heute als sicher.

Wie zu hören ist, hat Stadtkämmerer Alfons Reinkemeier, der in Personalunion auch Geschäftsführer des städtischen Unternehmens Konvoy und damit demnächst oberster Vermarkter der Kasernenfläche ist, schon die „schwarze Null“ als Ziel ausgegeben.

Bezahlbares Wohnen vs. berühmt-berüchtigte „Münster-Standards“

Gleichwohl muss die Stadt finanziell in Vorleistung gehen und übernimmt damit ein nicht unerhebliches Risiko. Das Risiko ist umso ­größer, als die Erwartungen sehr unterschiedlich sind. Die einen wollen beim Thema „Bezahlbares Wohnen“ einen großen Schluck aus der Pulle. Die anderen wollen die berühmt-berüchtigten „Münster-Standards“ gewahrt wissen.

Exemplarisch lässt sich diese Herausforderung festmachen an dem städtischen Unternehmen Wohn- und Stadtbau, das 910 der ins­gesamt 3000 Wohnungen errichten soll und dafür nach Auskunft seines Geschäftsführers Dr. Christian Jaeger rund 200 Millionen Euro ­investieren möchte. Zum Vergleich: In der gut 90- ­jährigen Firmengeschichte sind bislang die York-Höfe an der Steinfurter mit 190 Wohnungen und 45 Mil­lionen Euro Investitions­summe das größte Bau­vorhaben.

Sozialwohnungen müssen schnell fertig werden

Die Belastung ist umso größer, als die 550 Sozialwohnungen, die die Wohn- und Stadtbau errichten möchte, innerhalb von fünf Jahren fertiggestellt sein müssen. Ansonsten verfällt der Preisnachlass, den der Bund beim Verkauf der ­Kasernen gewährt hat. Er ­beträgt 25.000 Euro je Sozialwohnung.

: Chronologie: Münster und die Kasernen



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