Do., 17.05.2018

Stadtwerke erklären ihr Konzept zur Trinkwasserversorgung Der Kanal läuft nie trocken

Noch ist genug Trinkwasser vorhanden. Allerdings nur, wenn das Grundwasser regelmäßig aufgefüllt wird – mit Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal, der sich aus der Lippe speist.

Noch ist genug Trinkwasser vorhanden. Allerdings nur, wenn das Grundwasser regelmäßig aufgefüllt wird – mit Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal, der sich aus der Lippe speist. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Der Dortmund-Ems-Kanal soll es in der wachsenden Stadt richten und das Rückgrat der Wasserversorgung bilden. Wie? Das haben die Stadtwerke erklärt:

Von Klaus Baumeister

Es klingt wie die Quadratur des Kreises: Die Stadtwerke Münster möchten in den kommenden Jahren die Zahl der Wasserwerke von vier auf zwei reduzieren und zugleich die Menge des geförderten Wassers von rund 17 Millionen auf 20 Millionen Kubikmeter steigern. Wie kann das gehen?

Im Juli soll der Rat das so genannte Dipol-Konzept beschließen. Aus diesem unternahmen der Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Dirk Wernicke und der Leiter der Wasserwerke, Dominik Pollok, am Mittwoch noch einmal den Versuch, den vermeintlichen Widerspruch aufzulösen.

Wernicke stellte zunächst einmal grundsätzlich fest: „Das natürliche Grundwasservorkommen in Münster reicht nicht aus, um die Menschen zu versorgen.“

Wasser-Kauf in Haltern

Um die Lücken zu schließen, verfolgen die Stadtwerke seit Jahrzehnten zwei Methoden. Zum einen kaufen sie Wasser aus Haltern zu. Zum anderen pumpen sie Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal ab, lassen es unterirdisch verrieseln und holen es dann als Grundwasser wieder nach oben.

Methode Nummer zwei soll in den kommenden Jahren ausgebaut werden, um den Bedarf der wachsenden Stadt zu sichern. Die zentralen Stützen sind dabei die Wasserwerke Hiltrup und Hornheide. „Unsere Planungen reichen bis über das Jahr 2030 hinaus“, stellte Wernicke klar. Bereits seit 1919 arbeite man dort nach diesem Prinzip.

Die beiden kleinen Wasserwerke Kinderhaus und Geist, die geschlossen werden sollen, beziehen ihr Wasser aus dem gleichen münsterländischen Kiessandzug, den auch das Wasserwerk Hiltrup anzapft. Dominik Pollok bezeichnete den Kiessandzug als einen riesigen unterirdischen „Schwamm“.

Keine Obergrenze

Es sei eine Illusion zu glauben, so die Stadtwerke-Experten, man könne beliebig viel Wasser aus diesem Schwamm abpumpen. Viel wichtiger sei es, ihn mit „künstlichem Regen“ zu füllen, sprich mit Kanalwasser.

Vennheide: Wasser wird abgepumpt

Bei dem Pressegespräch am Mittwoch sicherte Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Dirk Wernicke noch einmal zu, dass die Anwohner rund um das Wasserwerk Geist, das geschlossen werden soll, keine Angst vor einem steigenden Grundwasserspiegel und damit vor Gebäudeschäden haben müssen. Die Stadtwerke Münster werden laut Wernicke dauerhaft Wasser in dem Bereich abpumpen und in den Kanal ableiten. Rund um den Vennheideweg wird die geplante Wasserwerkschließung sehr kritisch gesehen, weil die Nachbarn Folgeschäden befürchten.

Das Kanalwasser, das im Wasserwerk Hornheide verrieselt, sackt ab in die Urems-Rinne, so die geologische Bezeichnung, bevor es dann wieder hochgepumpt und zu Trinkwasser aufbereitet wird.

Wernicke und Pollok sicherten zu, dass es beim Kanalwasser praktisch keine Obergrenze bei der Entnahme gebe. Die Wasserstraße wird gespeist mit Wasser aus der Lippe. Könnte das Wasser der Lippe mal nicht mehr reichen um den Kanal zu füllen? Auf diese Frage reagierten Pollok und Wernicke mit einem Grinsen.

Beim Wasser aus der Lippe „gibt es eher ein Überangebot denn einen Mangel“, so der Wasserwerksleiter. Der Grund: Die Zahl der Kraftwerke im Ruhrgebiet, die ihr Kühlwasser aus der Lippe beziehen, sinkt.



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