Do., 17.05.2018

Schwarzfahrt-Vorwurf ärgert Kunden 30 Euro Strafe für abgelaufene Busfahrkarte

Seit 2014 können Kunden nicht mehr nur vorne in die Stadtwerke-Busse einsteigen, sondern alle Türen nutzen. In der Folge hielt es das städtische Verkehrsunternehmen für notwendig, die Zahl der Kontrollen zu erhöhen.

Seit 2014 können Kunden nicht mehr nur vorne in die Stadtwerke-Busse einsteigen, sondern alle Türen nutzen. In der Folge hielt es das städtische Verkehrsunternehmen für notwendig, die Zahl der Kontrollen zu erhöhen. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Die Verärgerung ist Jens V. anzumerken. 30 Euro soll er wegen einer vermeintlichen Schwarzfahrt an die Stadtwerke Münster zahlen. Dabei ziehen die doch Monat für Monat 92 Euro vom Konto des Rheinensers für sein 9-Uhr-Ticket-Abonnement ein.

Von Markus Kampmann

Doch der Reihe nach: Neulich wurde Jens V. in einem Stadtwerke-Bus ohne gültiges Ticket erwischt. Seines war Ende Dezember abgelaufen, das neue aber habe ihn nicht erreicht. Wahrscheinlich, weil es zu einer alten Postfach-Adresse geschickt worden sei, die er längst nicht mehr habe, vermutet Jens V. Die richtige Adresse habe er bei den Stadtwerken aber längst angegeben gehabt. Dass sein zwei Jahre gültiges Ticket abgelaufen war, habe er erst an besagtem Tag festgestellt. Zuvor habe er es noch problemlos nutzen können.

Betroffener will maximal Bearbeitungsgebühr zahlen

Zwar seien ihm die Stadtwerke schon entgegengekommen, weiß Jens V.: Eigentlich beträgt das „erhöhte Beförderungsentgelt“ 60 statt 30 Euro. Doch der Rheinenser will allenfalls sieben Euro Bearbeitungsgebühr zahlen, um den Fehler, um den es sich in seinen Augen handelt, aus der Welt zu schaffen.

Dass die Stadtwerke auf 30 Euro beharren, hat für ihn „ein Geschmäckle“: Denn Jens V. hat bis vor rund zwei Jahren selbst als Kontrolleur für die Stadtwerke gearbeitet. Die aber hätten seinerzeit alle eigenen Kontrolleure abgebaut und über eine Firma zunehmend auf „schwarze Sheriffs“ gesetzt. Deren Ziel sei es, möglichst viele Bußgelder zu erheben, kritisiert der Rheinenser.

Ein Vorwurf, dem Stadtwerke-Sprecher Florian Adler widerspricht: „Kontrollen haben den Zweck, die ehrlichen Fahrgäste vor Schwarzfahrern zu schützen, die ihren Anteil an den Fahrkosten nicht zahlen wollen“, betont dieser. Daher sei es auch erklärtes Ziel der Stadtwerke, die Kontrolldichte zu erhöhen. Dies sei vor allem nach 2014 notwendig geworden: Da sich das Fahrgastaufkommen deutlich erhöht hatte, sei damals entschieden worden, dass die Busfahrer nicht mehr nur die vordere Tür, sondern alle Türen für den Einstieg öffnen können – mit entsprechend höherem Schwarzfahrer-Risiko. Um dem zu begegnen, hätten die Stadtwerke in einem rund zweijährigen Testlauf zunächst auf eigene Kontrolleure gesetzt.

„Wir haben aber gesehen, dass es sehr schwierig war, passende Mitarbeiter zu finden“, erklärt Adler. Daher habe man die befristeten Verträge auslaufen lassen, den Mitarbeitern alternative Einsatzfelder angeboten – und die Kontrollen seit Juli 2017 an die Firma Wisag vergeben.

Positive Bilanz der Stadtwerke

„Wisag macht Kontrollen für sehr viele Verkehrsunternehmen“, sagt der Stadtwerke-Sprecher. Und zieht eine bisher positive Bilanz: „Die sind sehr professionell unterwegs. Keine ,schwarzen Sheriffs’, sondern ganz normale Menschen, die ihren Job machen.“ Nicht dazu gehöre aber die Entscheidung über ein „erhöhtes Beförderungsentgelt“: Diese werde später von Stadtwerke-Sachbearbeitern getroffen. Die Kontrolleure stellten lediglich fest, ob Nutzer ohne gültiges Ticket unterwegs seien.

„Die Maximierung haben sie also gar nicht in der Hand“, meint der Stadtwerke-Sprecher. Die Zahl der Kontrolleure indes habe sich in jedem Fall erhöht, bestätigt Adler, „das war auch ein Ziel“, auch wenn er keine konkreten Zahlen nennen kann. „Schwarzfahrer sollen auch sehen, dass mehr kon­trolliert wird, um sie zu ehrlichen Fahrgästen zu machen.“

Als ehrlichen Fahrgast sieht sich aber auch Jens V., der sein Abonnement ja monatlich bezahlt. „Ich bin noch nie schwarzgefahren“, betont er, „diese Unterstellung verletzt mich zutiefst in meiner Ehre.“ Um die Zahlung der 30 Euro aber wird er aus Sicht der Stadtwerke kaum herumkommen. Zwar gebe es die Möglichkeit, dass bei einem gültigen Abo nur sieben Euro zu zahlen sind, erklärt Adler. Aber nur bei persönlichen Abonnements, nicht bei übertragbaren wie bei Jens V.



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