Di., 22.05.2018

Teile von Einsteins Hirn im Naturkundemuseum Ein Scheibchen vom Genie

Teile von Einsteins Hirn im Naturkundemuseum: Ein Scheibchen vom Genie

Zwei Schnitte aus Albert Einsteins Gehirn werden im Naturkundemuseum ausgestellt. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Die Verpackung der beiden Kostbarkeiten war denkbar unscheinbar. Ein kleines Pappkästchen, umwickelt mit einfachem Klebeband. Darin: Einsteins Gehirn – jedenfalls teilweise. Das Kästchen reiste am Pfingstwochenende mit Lowell Flanders von Philadelphia nach Münster.

Von Karin Völker

Der Neuropathologie ist Leiter des US-amerikanischen „Mütter Museum“ – dessen prominentester Schatz wiederum die präparierten Bestandteile des Einstein-Hirns sind. Seine Bedingung, die Hirnschnitte Nummer 13 und 42 von insgesamt rund 2500 existierenden Scheibchen nach Münster an das Museum für Naturkunde auszuleihen: Aus versicherungstechnischen Gründen mussten die Superhirn-Bestandteile persönlich überbracht werden.

Und so reiste der kleine Pappkarton auf dem Schoß von Lowell Flanders zum ersten Mal in Einsteins Heimat Deutschland. „Ich habe das Päckchen die ganze Zeit festgehalten“, sagt er beim Präsentationstermin für die Presse im Naturkundemuseum, wo die Ausstellung „Das Gehirn – Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl“ am 29. Juni öffnet. Als er über dem Atlantik ein Nickerchen machte, klemmte er sich das Kästchen zwischen Kopf und Polster – der Flug in der Business-Class machte es möglich.

Prominentestes Exponat der neuen Ausstellung

Die präparierten Hirnschnitte, die der amerikanische Pathologe Thomas Harvey 1955 gegen den Willen des Schöpfers der Relativitätstheorie nach dem Tod Einsteins aus dessen Hirn anfertigte, werden – ihrer Unscheinbarkeit zum Trotz – das prominenteste Exponat der neuen Ausstellung des Naturkundemuseums. Der Versicherungswert liege „im niedrigen sechsstelligen Eurobereich“, wie Ausstellungsmacherin Nicola Holm vorsichtig sagt.

Die meisten der präparierten Hirnschnitte des Genies Einstein wurden an Neurowissenschaftler in aller Welt verschickt – auf dass sich möglichst viele Forscher mit der Frage beschäftigten sollten, ob denn die außergewöhnliche Intelligenz Einstein in der Hirnstruktur ablesbar sei.

Unerlaubte Hirnentnahme kein Erfolg

Und? Lowell Flanders sagt es so: „Ja, es gibt Besonderheiten, aber die zeigt jedes Hirn.“ Mit anderen Worten: Was Einsteins Hirn zum Superhirn machte, bleibt ein Geheimnis.

Der Name Einstein macht die Präparate für das „Mütter Museum“ in Philadelphia aber zum Anziehungspunkt. Ob Nachkommen Einsteins schon da waren? Lowell Flanders glaubt das eher nicht: „Viele Angehörige wollten Einsteins Willen erfüllt sehen und billigten das Vorgehen von Thomas Harvey nicht.“

Für Thomas Harvey persönlich war die unerlaubte Hirnentnahme übrigens kein Erfolg: Er verlor seine Stellung im Krankenhaus in Princeton, wo Einstein starb, und später sogar seine Zulassung als Arzt.

Hintergründe zur Ausstellung

Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster zeigt ab dem 29. Juni 2018 die Sonderausstellung "Das Gehirn - Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl". Auf 1200 Quadratmetern lernen Besucher die anatomische Vielfalt und die enormen Leistungen dieses komplexen Organs kennen.

Im Gehirn werden sämtliche Reize verarbeitet. Die Persönlichkeit formt sich, Gefühle entstehen, Pläne werden geschmiedet und Traumwelten erschaffen. Im Fokus der Ausstellung stehen neben dem Menschen die künstliche Intelligenz und die Welt der Tiere. Die Ausstellung ist dank Brailleschrift, einem speziellem, mehrsprachigem Audioguide und Tastmodellen für Menschen mit Sehbehinderung genauso geeignet wie für Sehende oder für Hörbehinderte, die an den Mitmachstationen ihre übrigen Sinne erforschen können. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Schülerinnen, Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene angeboten.



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