Interview mit der Sängerin Shubangei
Bürgerengagement mit kreativen "Waffen" im Hafenviertel

Münster -

Stadtentwicklung – dieses Thema ist für die münsterische Sängerin Shubangei Yogendra sehr wichtig. Im Interview erzählt sie aus ihrer Sicht als Mitglied der B-Side-Kulturinitiative, wie sie die Veränderung Münsters in den vergangenen Jahren wahrgenommen hat und wie Bürgerengagement Wirkung zeigen kann.

Donnerstag, 24.05.2018, 16:40 Uhr aktualisiert: 24.05.2018, 19:03 Uhr
Als Lehrerin setzt sich Shubangei Yogendra im Unterricht mit Schülern, in der Musik in ihren Songtexten und als Mitglied der B-Side-Kulturinitiative kritisch mit Stadtplanung in Münster auseinander.
Als Lehrerin setzt sich Shubangei Yogendra im Unterricht mit Schülern, in der Musik in ihren Songtexten und als Mitglied der B-Side-Kulturinitiative kritisch mit Stadtplanung in Münster auseinander. Foto: Daria Yakina

Sowohl im privaten als auch beruflichen Bereich spielt bei Shubangei Yogendra das Thema nachhaltige Stadtentwicklung eine wichtige Rolle. Sorgen, Bedenken und Hoffnungen brachte sie vor vier Jahren mit ihrer Band erstmals auch musikalisch im Song „Unsere Stadt“ zum Ausdruck. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Mirko Ludwig erzählt die 32-Jährige, was sich aus ihrer Sicht in Münster seitdem verändert hat.

In Eurem Song „Unsere Stadt“ wird beklagt, dass in Münster „viel Romantik plattgemacht" wurde. Ihr hinterfragt, ob dies der vorgezeichnete „Lauf der Dinge“ ist. Ist er das?

Yogendra: Zum Glück nicht. Gerade die letzten Jahre haben in Münster gezeigt, was starkes Bürger-Engagement bewirken kann. Trotzdem kann man besonders an der Entwicklung am Hafen sehen, dass viele organisch gewachsene Strukturen verdrängt worden sind. Das gefährdet die Vielfalt und damit auch die Lebensqualität unserer Stadt. Es wurden Chancen vertan, die Stadtentwicklung sozial und nachhaltig zu gestalten, wie beispielsweise bei der Planung vom E-Center am Hansaring.

Zum Thema
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Die Verärgerung der Anwohner wurde beim Widerstand gegen den Bebauungsplan zum E-Center und im Platanen-Streit deutlich . . .…

Yogendra: Genau. Das sind Beispiele, die aber auch zeigen, wozu friedlicher Protest führen kann, dass der Einsatz sich lohnt, und wie wichtig grundsätzlich eine frühzeitige Einbindung von Anwohnern ist.

Du lebst im Hansaviertel, bist somit selbst von den Veränderungen betroffen – und engagierst Dich für Dein Viertel . . .…

Yogendra: Über eine Ausstellung zur B-Side bin ich im Februar 2016 zur Initiative dazu gestoßen. Bei diesem Projekt merkte ich schnell, dass ich hierbei selbst was tun und mitgestalten kann, was mir ein wichtiges Anliegen ist. Seit 2016 organisiere ich mit vielen Ehrenamtlichen das B-Side Festival im Hansaviertel. Kreative, Initiativen, sowie Anwohnerinnen und Anwohner werden am 22.09.2018 die Gelegenheit nutzen für mehr Teilhabe und eine sozialere Stadtentwicklung ein buntes Zeichen zu setzen. Unsere Waffen sind Musik, Kunst und politisches Engagement. Unser diesjähriges Motto ist, „Stadt machen statt nix machen!“.

Was ist seitdem geschehen?

Yogendra: Mittlerweile hat sich die B-Side-Initiative ja zu einem kleinen Leuchtturm-Projekt entwickelt. Die Vielfalt unter den Aktiven trägt wesentlich mit zum Erfolg bei, denn jeder kann mitmachen. Man spürt, dass man zusammen was bewegen und ausrichten kann. Das macht Mut.

Inwiefern?

Yogendra: Die B-Side-Intiative hat es geschafft, dem Projekt mehr Gehör und öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Zudem gibt einen großen Zuspruch: zum einen durch viele Anwohner, die unserem Anliegen ihre Unterstützung zusichern - zum anderen durch immer mehr Mitwirkende, die sich uns anschließen und mitgestalten wollen.

Was sind aus deiner Sicht Voraussetzungen für ein erfolgreiches Engagement?

Yogendra: Man braucht einen langen Atem – das ist natürlich auch beim B-Side-Projekt der Fall. Es ist ein unbequemer, aufreibender und anstrengender Weg bis zum Ziel. Bei Initiativen dieser Art muss man sich bewusst sein, dass viele Veränderungen Zeit brauchen.

Was erschwert solche Prozesse?

Yogendra: Manchmal habe ich das Gefühl, dass bei Bauvorhaben Entscheidungen schon im Vorfeld feststehen, ohne dass die Bürger zuvor ausreichend mit einbezogen wurden. Künftig erhoffe ich mir von Seiten der Stadt mehr Sensibilität für mögliche Bürger-Wünsche - und grundsätzlich mehr Transparenz in Bereichen wie Grundstücksvergaben und Wohnungspolitik.

Denn die Stadt sollte ein Interesse daran haben, engagierte und kreative Köpfe in Münster zu halten und Bürgern Plattformen, die Teilhabe und Mitgestaltung fördern, sowie bezahlbaren Wohnraum zu bieten. Nur so kann unsere Stadt zukunftsfähig und innovativ gestaltet werden.

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Was stimmt optimistisch für die Zukunft?

Yogendra: In den letzten Jahren sind viele Initiativen entstanden, die zunächst lose Strukturen waren, aber mittlerweile deutlich besser organisiert sowie vernetzt sind und sich so mehr Gehör verschaffen. So sind Nachbarschafts-Initiative wie beispielsweise „Platanen Power“ und „Haie am Hafen“ so aktiv und stark wie noch nie. Auch die friedlichen Demonstrationen für den Erhalt der B-Side stimmen mich hoffnungsfroh für eine soziale und nachhaltige Stadtentwicklung.

Worauf kommt hierbei an?

Yogendra: Wichtig ist vor allem, dass wir als Stadtgesellschaft in die Zukunft schauen und uns fragen: In was für einer Stadt möchten wir leben - was für eine Umgebung tut unseren Kindern gut? Dafür brauchen wir innovative Konzepte, bürgerschaftliches Engagement - und eben auch einen langen Atem.

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Im Song heißt es weiter: „Wir wollen unsere Stadt zurück, wir wollen, dass sie weiterlebt – lasst uns Brücken bauen.“ Ist Münster auf einem solchen Weg?

Yogendra: Es kann gelingen, wenn die Pfeiler der Brücken weiter erstarken: gemeinwohlorientiertes Denken, Teilhabe, Transparenz, Dialog, Engagement. Wenn Münster lebenswert bleiben soll, wäre es notwendig, dass die Stadt konzeptionell umdenkt und die Stadtgesellschaft weiterhin engagiert für ihre Werte und Ziele einsteht.


Mit dem Song "Unsere Stadt" verfasste die Band "Shubangi" ein musikalisches Plädoyer für eine nachhaltige Stadtentwicklung in Münster:

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