Fr., 25.05.2018

Zu wenig Fachpersonal Uniklinik holt Pflegekräfte aus Brasilien

„Bom dia“ (Guten Tag) und willkommen in Münster: Am Universitätsklinikum wurden die neuen Pflegeassistenten aus Brasilien begrüßt.

„Bom dia“ (Guten Tag) und willkommen in Münster: Am Universitätsklinikum wurden die neuen Pflegeassistenten aus Brasilien begrüßt. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Das Uniklinikum Münster holt zum ersten Mal neues Pflegepersonal aus Übersee. 16 Brasilianer zählen seit Donnerstag zum Pflegeteam, insgesamt kommen 35 neue Mitarbeiter vom Zuckerhut. Wegen des Pflegenotstands musste im Dezember eine Station geschlossen werden.

Von Ralf Repöhler

Insgesamt werden 35 neue Mitarbeiter aus Brasilien geholt. Weiteres Pflegepersonal akquiriert das Großklinikum gerade unter anderem in Kolumbien und Vietnam.

„Es ist das erste Mal, dass wir Pflegepersonal auf dem außereuropäischen Markt anwerben. Bislang haben wir das nur innerhalb der Europäischen Union getan“, sagt Pflegedirektor Thomas van den Hooven. Ausländische Pflegekräfte am UKM kamen bislang vor allem aus Italien und Spanien.

Seit Jahren spitzt sich der Pflegenotstand in der Alten- und Krankenpflege zu. Die   Bundesregierung hat sich gerade auf neue Eckpunkte geeinigt: Gesundheitsminister Jens Spahn legte am Mittwoch ein Papier vor, das die Schaffung von 13 .000 zusätzlichen Stellen vorsieht. Experten kritisierten dies am Donnerstag als Tropfen auf dem heißen Stein. 

Personalbedarf beim größten Krankenhaus im Münsterland

Die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, fiel Clarice Frontelmo nicht schwer. „Deutschland ist so ein schönes Land. Dieser Schritt ist gut für meinen Lebenslauf und gut für mein Leben“, sagt die junge Brasilianerin. Am Mittwochabend war sie mit 15 weiteren Landsleuten in Frankfurt gelandet.

Der Pflegedirektor des Universitätsklinikums Münster (UKM), Thomas van den Hooven, begrüßte die neuen Pflegeassistenten vom Zuckerhut am Donnerstag in dem Großklinikum, das mit 11. 000 Beschäftigten, 33 Kliniken, 1500 Betten sowie 60 .000 stationären und 453. 000 ambulanten Fällen im Jahr eine neue Welt für die Brasilianer ist.

Fotostrecke: Begrüßung neuer Pflegekräfte aus Brasilien am UKM

Doch Münsters größtem Arbeitgeber fehlt das Fachpersonal. 120 bis 140 Vollzeitstellen sind allein im Pflegebereich nicht besetzt. Und das hat Konsequenzen: Im Dezember 2017 musste eine komplette Station mit 28 Betten der Medizinischen Klinik B im Bettenturm Ost geschlossen werden. Sie soll nun – auch dank der neuen Pflegekräfte – im Dezember wieder geöffnet werden.

„Zusätzlich wurden zehn Betten auf der Station 7, unserer Komfortstation, und acht Betten auf der Station 12 A West, der Neurologie, geschlossen“, so der Pflegedirektor. Insgesamt sieht der Stellenplan des UKM 2000 Vollzeitstellen im Bereich Pflege vor.

„Ich habe das erste Mal von Münster gehört, als ich von dem Stellenangebot erfuhr“, gibt Camila Justino zu. Das UKM arbeitet mit einem international tätigen Personaldienstleister aus Frankfurt zusammen, der sich auf die Vermittlung von Pflegekräften spezialisiert hat.

Bezahlung eines Pflegeassistenten

Noch haben die jungen Brasilianer keine Arbeitserlaubnis. Die sollen sie am Montag bei der städtischen Ausländerbehörde bekommen. „Wir stellen sie als Pflegeassistenten ein. Sie werden genauso bezahlt wie unsere anderen Pflegeassistenten“, sagt van den Hooven.

Die 16 jungen Frauen und Männer, die am Donnerstag am UKM begrüßt wurden, haben alle einen Bachelor-Studiengang in der Pflege absolviert. „Wir wollen, dass sie sich bei uns weiterentwickeln“, setzt der Pflegedirektor auf eine langfristige Zusammenarbeit.

Camila Justino verspricht sich in Münster eine höhere Lebensqualität. In Brasilien sei die Wirtschaftskrise groß. „Obwohl Krankenpfleger auch dort immer eine Arbeit finden. Doch ich denke, dass ich erst mal in Münster bleibe“, sagt sie.  

Kinderherzmedizin: Völlm wartet auf verbindliche Klärung

Die Gründerin der EMAH-Stiftung („Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern“), Karla Völlm, wartet auf eine verbindliche Klärung, in welcher Weise das UKM die Zukunft der Kinderkardiologie garantieren will. Der Vorstand des Großkrankenhauses hatte beschlossen, dass die Kinderherzmedizin erhalten bleibe. Gemeinsam mit der Klinikleitung werde nun geklärt, „wie das langfristig auch gesichert gelingen kann“, sagte der UKM-Vorstandsvorsitzende und ärztliche Direktor, Prof. Dr. Robert Nitsch.

Für Völlm ist die Absichtserklärung „ein richtiger Schritt in die bessere Richtung. Aber selbst die beste Absicht erreicht nicht immer ihr Ziel“, sagte sie. Nachdem Pläne einer möglichen Schließung der Kinderkardiologie bekannt geworden waren, habe es große Solidaritätsbekundungen gegeben. Es sei zu begrüßen, wenn es im UKM nun offensichtlich ein Umdenken gebe, so Völlm. 

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