Fr., 25.05.2018

Ausstellung „Irony and Idealism“ in der Kunsthalle Münster Potpourri an Positionen

Björn Dahlem zeigt filigrane und zerbrechliche Konstruktionswelten (vorne). Während Yoon Jongsuk in der Kunsthalle Münster großformatig ihre Geisteslandschaften präsentiert (hinten rechts).

Björn Dahlem zeigt filigrane und zerbrechliche Konstruktionswelten (vorne). Während Yoon Jongsuk in der Kunsthalle Münster großformatig ihre Geisteslandschaften präsentiert (hinten rechts). Foto: Gerhard H. Kock

Münster - 

Wer sich vom Titel der Ausstellung „Irony and Idealism“ Humor und hehre Ideen erhofft, muss Ironie und Idealismus mitbringen. Durch das Aufeinandertreffen von vier deutschen und vier koreanischen Künstlern soll in der Kunsthalle Münster das durch „globalen Konsum“ verursachte „Dilemma globaler Gleichschaltung“ in den Blick genommen werden. Wer sich nicht dem „kritischen Potenzial“ des mangelnden „culture clash“ öffnen möchte, findet in jedem Fall anspruchsvolle Kunst.

Von Gerhard H. Kock

Gemeinsam mit der Korea Foundation und der Kunsthalle Münster organisiert das Gyeonggi Museum of Modern Art dieses Projekt als dialogische Ausstellung bildender Gegenwartskünstler aus Südkorea (Gimhongsok, Hwayeon Nam, Bae Young-whan und Ahn Jisan) und Deutschland (Michael van Ofen, Manfred Pernice, Björn Dahlem und Yoon Jongsuk).

Die Namen Michael van Ofen und Manfred Pernice dürften vor allem Münsteranern etwas sagen: Pernice hatte bei den Skulptur-Projekten 2007 gegenüber dem Lackkunstmuseum eine „Denkmal- und Freizeit-Anlage“ errichtet. In der Kunsthalle zeigt er eine auch in der Höhe raumfüllende Konstruktion. Fast ins Gegenteil schlägt die künstlerische Aggression bei Michael van Ofen. Seine monochromen Gemälde haben Farbflecken. Aber was für welche. Die sind derart raffiniert, dass der Ergänzungstrieb der Vorstellung sich daran abrackert. Die Titel geben dem Verstand dann Hilfen durch Verweise auf Gemälde wie Anton von Werners „Kaiser Friedrich als Kronprinz auf dem Hofball 1887“. Und da wird es dann ironisch, wenn die Striche Pomp und Pose markieren und karikieren.

Björn Dahlem zeigt komplexe Konstruktionen mit intellektuellem Anspruch, die in all ihrer Zerbrechlichkeit eine Metapher auf jedes menschliche Gedankenkonstrukt sein können. Yoon Jongsuk klingt koreanisch; sie ist aber Deutsche. Ihre großformatigen Gemälde sind Landschaften des Geistes.

Der Koreaner Bae Young-whan zeigt in Videos einen Trommler und Tänzer, die aber nicht zu sehen sind. In „Abstract Verbs“ werden die Bewegungen vom Menschen abstrahiert, wie Hui Buh das Schlossgespenst tanzen Tücher zu wirbelnden Trommelschlägern. Auch von Hwayeon Nam ist ein Video zu sehen, das dem Ursprung eines koreanischen Liedes nachreist, das sie im Archiv gefunden hat.

Die Gemälde in Grau von Ahn Jisan bilden grob koreanische Werbebilder der 70er und 80er Jahre ab und verfremden sie dadurch. Gimhongsok zeigt in der Gemäldeserie „MOP“ zwei Bilder, die von einem Hilfsarbeiter mit einem Mob ein, zwei Stunden gewischt wurden. Außerdem lässt er fünf Koreaner Nationalhymnen singen (USA, England, Frankreich, Russland, Japan). Und er zeigt im Film ein Motiv, wo sich Touristen vor einem Wasserfall in trauter Zweisamkeit fotografieren lassen, je zwei von Hunderten.

Eine Etage tiefer treffen Korea und Deutschland noch einmal aufeinander. Parallel zur Kunsthallenschau oben finden drei Doppelausstellungen statt, in denen Münsters Kunstakademie-Studenten je einer aus Deutschland und Korea gegenübergestellt werden. Wobei Il Jong Park und Malte van de Water gleich zum Auftakt zeigen, dass ihre künstlerischen Positionen zwar individuell, aber nicht kulturregional zu unterscheiden sind.

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Die Ausstellung wird am Sonntag (27. Mai) um 11 Uhr in der Kunsthalle, Hafenweg 28, eröffnet.



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