So., 27.05.2018

Seen und Flüsse in Münster „Mikroplastik ist überall“

Plastikflaschen im Aasee: Wenn sie zerfallen, werden sie zu Mikroplastik. Solche Rückstände befinden sich in jedem Gewässer, betonen Experten.

Plastikflaschen im Aasee: Wenn sie zerfallen, werden sie zu Mikroplastik. Solche Rückstände befinden sich in jedem Gewässer, betonen Experten. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Auch in den münsterischen Seen und Flüssen findet sich nach Einschätzung von Experten Mikroplastik. Ob und wie es in die Nahrungskette gelangen kann, das werden in den kommenden drei Jahren Wissenschaftler der Universität in den Rieselfeldern untersuchen.

Von Martin Kalitschke

Die Stadtwerke werden ab sofort zwei Mal jährlich das münsterische Trinkwasser auf Mikroplastik untersuchen. Das Unternehmen reagiere damit auf die immer stärker wachsende Wahrnehmung dieses Problems, so Sprecher Florian Adler. Zuletzt habe es eine solche Untersuchung vor zwei Jahren gegeben. „Damals wurde nichts gefunden“, sagt Adler.

Anders sieht es bei Binnengewässern, also Bächen, Flüssen und Seen, aus. Kürzlich wurden die Ergebnisse der bundesweiten Studie „Mikroplastik in Binnengewässern Süd- und Westdeutschlands“ vorgestellt. Ergebnis: Mikroplastik – das zum großen Teil von Kosmetikprodukten, zerfallenen Plastikprodukten wie Tüten und Flaschen sowie aus Synthetikkleidung stammt – konnte in jedem Gewässer nachgewiesen werden.

Gefahr für den Menschen?

Zwar waren die Gewässer im Bereich Münster nicht Gegenstand dieser Untersuchung. „Die Ergebnisse lassen sich jedoch eins zu eins auf Münster übertragen“, betont Wilhelm Deitermann, Sprecher des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv). „In Aa, Angel und Werse, und auch im Aasee und dem Hiltruper See gibt es Mikroplastik“, sagt Deitermann. „Es ist überall.“

Mit der Studie sei eine Grundlage für weitere Untersuchungen geschaffen worden. So sei bislang unklar, wie diese zum Teil mikroskopisch kleinen Teilchen Flora und Fauna beeinflussen. Eine Gefahr für Menschen bestehe nach aktuellem Kenntnisstand nicht.

Bund unterstützt das Projekt

Um die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Nahrungskette zu ermitteln, wird ein Team aus Landschaftsökologen und Mikrobiologen in den kommenden drei Jahren die Rieselfelder in Münsters Norden unter die Lupe nehmen. Das Gebiet wird mit gereinigtem Wasser aus der Kläranlage Münster bewässert, das laut Uni relativ viel Mikroplastik enthält. In den Rieselfeldern sei bereits in früheren Studien Mikroplastik nachgewiesen worden. Wird es von Lebewesen über die Nahrung aufgenommen, dann gerät es in die Nahrungskette, betonen die Forscher. Der Bund unterstützt das Projekt mit 470 000 Euro.

Ob in Münster oder auf Bundesebene – umfassende Erkenntnisse über die Gefahren von Mikroplastik und mögliche Lösungsansätze werden wohl erst in einigen Jahren vorliegen. Lanuv-Sprecher Deitermann rät Bürgern, die verantwortlich handeln wollen, problematische Produkte schlicht und einfach zu vermeiden.



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