Sprachprobleme und schwierige Verkehrssituationen
Immer mehr Fahrschüler fallen durch die Prüfung

Münster -

Bundesweit rasselt fast jeder zweite beim Autoführerschein durch die Theorie und jeder Dritte durch die Praxis. Sprachprobleme bei Menschen mit Migrationshintergrund, Konzentrationsschwächen und dichter werdender Verkehr: Eine Ursachen-Suche mit Fahrlehrern aus Münster...

Dienstag, 05.06.2018, 06:58 Uhr
Immer mehr Fahrschüler fallen auch in Münster durch die Fahrprüfung.
Immer mehr Fahrschüler fallen auch in Münster durch die Fahrprüfung. Foto: dpa

Bundesweit fallen immer mehr Fahrschüler bei der Prüfung durch. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes stiegen die Durchfallquoten für alle Führerscheinklassen bei den Theorieprüfungen zum fünften Mal in Folge und lagen im vergangenen Jahr bei 36,8 Prozent. Jeder dritte schaffte zudem nicht auf Anhieb die praktische Prüfung.

Besonders viele Fahrschüler fallen demnach beim Autoführerschein (Klasse B) durch. 2017 waren es 44 Prozent bei der theoretischen und 39,9 Prozent bei der praktischen Prüfung. Ein Problem, das auch unter münsterischen Fahrlehrern bekannt ist, „aber differenziert betrachtet werden muss“, sagt Dietmar Prinz von der gleichnamigen Fahrschule.

Sprache im Verkehr das A und O

Bei einem großen Teil der Fahrschüler, die durch die Prüfung fallen, „handelt es sich um Sprachschwierigkeiten“ bei Menschen mit Migrationshintergrund. Eine Einschätzung, die alle stichprobenartig befragten Fahrlehrer in Münster teilen und auch der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, Gerhard von Bressensdorf, bestätigt. „Hier genießen Kinder bereits ab der Kita Verkehrsunterricht“, erinnert Fahrlehrer Dietmar Lohrmann. Leute aus anderen Ländern mit anderen Verkehrsregeln hätten deshalb viel häufiger Schwierigkeiten.

Es ist aber offensichtlich auch der komplexer werdende Straßenverkehr, vor allem in der Großstadt, der den jungen Leuten zu schaffen macht. Wer heute ständig vor dem Smartphone oder Tablet hängt und seine Augenmuskeln auf Kurzstrecke eicht, „hat mitunter Schwierigkeiten, Entfernungen und Geschwindigkeiten richtig einzuschätzen“, hat Prinz festgestellt.

Kostendruck verschärft Situation

Nicht zuletzt würden sich einige Fahrlehrer von ihren Schützlingen mehr Konzentration auf ihren Führerschein im prall gefüllten Terminkalender wünschen. „Wenn sich der Führerschein beispielsweise aufgrund starker Anforderungen in der Schule in die Länge zieht und die Abstände zwischen den einzelnen Fahrstunden lang werden, sitzt das Gelernte oft nicht so gut“, hat Fahrlehrer Ulf Imort festgestellt. Und wenn dann noch aus Kostengründen gedrängt wird, sich zur Prüfung anzumelden, wie es Pelül Karabuda von der Fahrschule Green Light immer wieder erlebt, „dann schaffen es die jungen Leute mitunter nicht beim ersten Mal, obwohl wir zu weiteren Fahrstunden geraten haben“.

Dabei wird ein Wiederholen teuer. Allein für die praktische Prüfung fallen knapp 100 Euro an Gebühren und rund 110 Euro für die Prüfungsfahrt an. Ulf Imort ist in diesen Drängler-Fällen ganz konsequent. Die Theorie wird heute über einen geführten Lernweg per App gelernt. „Und wer 20 Prüfungsfragebögen nicht fehlerfrei schafft, den lasse ich gar nicht zur Prüfung zu“, so Imort. Mit dem Ergebnis, „dass bei mir 90 Prozent die theoretische Prüfung schaffen“. Dass rund 25 Prozent beim ersten Mal durch die Praxisprüfung sausen, bezeichnet er trotzdem als guten Schnitt: „Oft ist Nervosität im Spiel und es wird falsch reagiert.“

Das junge Alter der Fahrschüler – der Großteil macht heute den Führerschein bereits mit 17 – sehen die befragten Fahrlehrer allerdings nicht als Problem. Ulf Imort sagt: „Die meisten schaffen das vor dem großen Abi-Stress recht gut.“

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